Ich kann bisweilen so gähnend langweilig sein.

Beweisstück #42: Sport!
Wie ich letztens schon berichtete, ist Sport ja so eine Sache.
Erst bekommt man den eigenen Hintern nicht in die zu engen Sportklamotten und wenn das dann mal der Fall ist und man sich mit ausreichend iostonischen Flüssigkeiten genug Mut angetrunken hat, wankt man zum nächsten Sportstudio.
Voll der guten Vorsätze und immer mit der beißenden Sorge, jemand könne merken dass man vielleicht doch nicht mehr die Prima Ballerina des Jahres wird oder gar, noch schlimmer, eveeeeentuell ein klitze kleines Bisschen zu viel Fett auf den Rippen hat.
Nicht auszudenken wenn da jemand lacht.
Zwar macht das Rumsitzen auf der Couch auch nicht schlanker aber da lacht wenigstens niemand.
Irgendwann nicht einmal mehr Du selbst.

Nun gibt es immer zwei Möglichkeiten solche Situationen zu handhaben.
Möglichkeit 1:
Das Drama proben.
Bisschen – oder auch ein bisschen mehr – jammern, wie gemein die Welt ist, wie voll der Tag ist und dass man ja immerhin arbeitet und wo denn bitte die Zeit zu finden sei „jetzt obendrein auch noch“ Sport zu machen.
Denn, wie wir alle wissen sind alle Menschen in Sportcentern jeder Art gemein zu dicken Menschen. Alle! ALLE! Ohne Ausnahme! Und das auch immer! IMMER!
Das haben wir nämlich mal irgendwo gehört. Oder gelesen. Oder zumindest glauben wir das. Oder wir denken selbst schlecht über fette Menschen weswegen das nahe liegt und hat die Jäger da nicht letztes auch irgendwas drüber gebloggt?
Was ist denn wenn ich wirklich schlecht behandelt werde? Ausserdem habe ich das auch schon genau so mal erlebt! Da in dem einen Fitnesscenter! Und da alle Menschen wie alle Fitnesscenter dieser Welt gleich sind, habe ich sie nun endlich, die ultimative Ausrede dafür, mich nirgends mehr hin zutrauen!
Oder Du traust Dich tatsächlich nicht. Das verstehe ich sogar. Ich gehe „beim ersten Mal“ auch immer (!) mit einem Kloß im Hals und nassen Lappen im Magen zum Sportcenter um mich vorzustellen. Da ich durchs herumsitzen aber nicht schlanker werde, halte ich es da mit den Worten meines Vater wie folgt: „Nützt ja nix!“

Möglichkeit zwei:
Die Kirche im Dorf lassen.
Wie ich letztens schon schrieb, kann es tatsächlich sein dass man gerade in der Sportwelt auf Ablehnung und Anfeindungen trifft und wenn man zwischen 20 gut gebauten Menschen steht, gibt man sich als schwitzender Ball auf einem Stepper vielleicht tatsächlich sogar der Lächerlichkeit preis.
Meiner Erfahrung nach ist es aber so, dass die Mehrheit der Menschen in Fitnesscentern sich einen scheiß dafür interessieren, wer sonst noch so da herumlungert und möglichst merkwürdig aussieht beim was-auch-immer machen.

Ich weigere mich schlicht der Meinung nachzugeben, dass schlechte Erfahrungen einen aufhalten sollten. Ganz im Gegenteil.

Nachdem mich letztens dieses schöne Sportcenter der Superlative ablehnte mit der etwas fadenscheinigen Ausrede, die Geräte wären nicht für „Menschen ihres Gewichtes“ geeignet und auch ansonsten „richten wir uns hier eher an ein anderes Klientel – sagen Sie Frau Jäger, haben Sie überhaupt… also… arbeiten Sie?“
(Was übrigens eine wirklich unterhaltsame Frage war) war ich auf der Suche nach einer Alternative, von denen es in Hamburg ja nun reichlich gibt.
Ich wurde nun oft gefragt, ob ich inzwischen etwas anderes gefunden hätte und möchte nun endlich mal sagen: Habe ich!

Gelandet bin ich…

Nein anders.
Geläutert bin ich…

Als ich damals anfing mit dem abnehmen hat mein Sport am besten funktioniert mit der nicht sehr überraschenden Mischung aus Ausdauersport, in meinem Fall war es das Schwimmen und jede Form der Wassergymnastik und später dann zusätzlich Krafttraining, damals bei Kieser-Training.

Irgendwann waren dann die ersten 100kg weg, die Schmerzen weniger und da in mir eine Faule Sau wohnt und ich es genau so wie jeder andere handhabe, ging ich nach den ersten Erfolgen und den nachlassenden Schmerzen natüüüüüüüüüürlich nicht mehr hin. Klar! Wurde ja besser!
Ausserdem wurde es mir zu langweilig.
Ich als angehender Leistungssportler auf dem Weg zum Traumgewicht und Vorzeigeabnehmer wollte mehr!
Mehr Unterhaltung, mehr Glamour, mehr Musik und Fernseher beim Fahrradfahren und Saftbars und Lifestyle und haste-nicht-gesehen.
Schwimmen nervt auch und ausserdem wird man da immer so nass und nasse Handtücher sind elend schwer und überhaupt!
Also tingelte ich durch die Sportlandschaft, probierte hier und dort was aus, kaufte mir geschätzte 400 Zuhause-mache-ich-ja-jetzt-jeden-Tag-Sport DVDs und muss wohl nicht erwähnen, dass die alle noch genau dort liegen, wo ich sie einst hinlegte.

Ähm… ja! Damals, als noch nicht alle Pro7 Moderatoren damit beschäftigt waren mich schlank, sexy, krass oder sonst was zu machen kaufte man noch DVDs um Sport zu machen und machte das seltenste online.
Verrückte alte Welt, ich weiß.
(Gott ich werde alt…)

Ich habe auf meinem Weg durch das Sportnirwana einiges gelernt. Zum Beispiel dass ich niemals ausdauernd Sport Zuhause machen werde, weil ich da schlicht nicht der Typ für bin, immer Angst habe meine Katze zu treten oder irgendwas umzuschmeißen und dass ich wirklich einen mittelschweren Anfall bekomme, wenn es 45min. darum geht immer eine Übung auf dem Boden und dann im Stehen zu machen. Und dann wieder auf dem Boden und dann wieder im Stehen und daaaaaaann wieder auf dem Boden und dann…
ECHT! NICHT!
Ich habe mich durch einige Sportkurse geschlagen um am Ende festzustellen:
Alles super aber am tollsten ist es im Wasser.

Mit anderen Worten:
Ich bin der langweiligste Sportmacher der Welt.

Immerhin beseelt durch die Annahme, dass man Sport machen sollte der einen Spaß macht, hat es mich vor längerer Zeit schon wieder zurück ins Wasser getrieben. Auf Wasserräder, mit Wasser Steppern, mit Wassergewichten oder schlicht Wasserjoggend, was, wenn man mich fragt, wohl noch am dämlichsten bei mir aussieht.
Meistens aber schwimme ich.
Im Schnitt 2km pro Schwimmeinheit.
Und ich darf Euch verraten:
Das ist stink langweilig!
Aber immerhin ist es mein stink langweiliger Sport dem ich, ohne großartig zu murren, in einigermaßen ausdauernder Regelmäßigkeit nachgehe.
Mein treuer und unterhaltsamer Freund, der Wasserfeste MP3-Player, ist mir dabei ein wirklich willkommener Geleit. So können meine Lieblings-Sprecher wenigstens ein paar Hörbücher durchsprechen, während ich den sterbenden Schwan ab Bahn 55 mime.

Was den Kraftsport, also in meinem Fall das Fitnesscenter angeht, führte ich vor einigen Wochen ein sehr geläutertes Telefonat.
Ich rief bei Kieser an.
Erneut.
Wie schon damals.
Und fragte zwei Sachen:
A) Nehmt ihr mich noch Mal?
B) Bin ich auch wirklich nicht zu dick für Euch?

Antwort:
A) Klar!
B) Bullshit!

Ich habe meine Probetrainings hinter mir und einen 2 Jahresvertrag unterschrieben.
Wohl wissend, dass ich eigentlich einen 20 Jahres-Vertrag unterschreiben sollte, damit ich nicht wieder auf die dumme Idee komme, irgendwann sei es genug mit Sport weil ich ja nun keine Schmerzen mehr habe oder weil irgendwas besser geht.

Ich mag Kieser sehr. Ich mochte die damals schon.
Für alle die nicht wissen was Kiesre-Training ist:
Das ist sowas wie ein Fitnesscenter nur ohne Ausdauergeräte, ohne Saftbars, ohne Musik, ohne TV, ohne SchnickSchnack und ohne großes Trara. Die Trainer sind alle gut ausgebildet und oft noch Physiotherapeuten, die Geräte tragen locker 250kg, alles was man dort macht tut irgendwie weh und da man mit Kieser nicht angeben kann, findet man dort überwiegend Menschen, die zum Sport und weniger zum gucken hingehen.
Kieser bedeutet ausschließlich Kraft, Bewegung, Radius, Dehnung und keine Ausdauer.
Es geht mehr um Heilung als um Lifestyle und auch wenn ich die Turnhallen-Atmosphäre manchmal gern bunter hätte, dient doch alles dort dem richtigen Zweck: Kraft, Schmerzfreiheit… und deren Verwandte.

An meinem ersten Neutermin erzählte ich in kürzesten Zügen meinen bisherigen Werdegang und als der Trainer fragte: „Und jetzt?!“
Fasste ich zusammen mit: „…komme ich geläutert zurück!“

Seither bekommt mir die Kombination aus Wassersport und Kieser sehr gut.
Wie damals auch schon.
Das ist übrigens keine allgemeingültige „So funktioniert Sport“ Aussage.
Wer lieber Yoga, Spinnig und Frisbee als Sport hat, ist genau so gut aufgehoben wie ich in meinen Bereichen.

Ich glaube es geht beim Sport nicht darum dass er hipp ist, möglichst zeitgemäß um die Ecke kommt oder tausend Facetten hat.
Sport ist erst einmal nur Sport und wenn man einen findet, der einen Spaß macht oder zumindest nicht ständig auf den Sack geht, dann sollte man genau diesen wählen.
Was uns am Ende vom Sofa holt ist doch egal, solange es uns bewegt.

Ich bin also der langweiligste Sportler der Welt.
Gruselig wird es immer wenn ich gefragt werde, was denn meine Hobbys so seien oder was ich in meiner Freizeit so mache.
Kennt ihr noch diese Poesiealben von damals in denen immer stand:
„Ja also… Fahrradfahren, lesen und schwimmen.“ und man beim lesen schon dachte, „echt jetzt? Mir schläft gleich das Gesicht ein.“

Ich bin so ein langweiliger Poesiealbumsmensch.
„Ja also… Schwimmen, Kieser, Hörbücher, Bloggen…“
Puh!
Gähn!

Egal. Es ist effektiv, ich kann damit gut umgehen, es nervt mich nicht alle 2min. und am Ende des Tage macht es mich beweglicher, schmerzfreier und vielleicht sogar ein paar Kilo leichter. Auch wenn ich sowohl beim schwimmen als auch bei Kieser aussehe wie ein mega Vollidiot!
So what.

Jetzt mache ich also wieder genau das, womit ich damals anfing.
Nur dass ich dieses Mal nur die Hälfte von dem wiege, was ich damals wog.
Das ist schon ein kleines Bisschen abgefahren.
Vielleicht ist es wirklich bei mir immer das Selbe aber wenn es funktioniert ist es mir allemal recht.

Never change a running system!

Beweislage: Zumindest bis hierhin – Abgeschlossen.

Nicole.