Gibt es denn das?!

Da hört man sich als fetter Mensch alle paar Meter an, man solle sich mehr bewegen und Sport machen und sowieso und überhaupt könne man ja auch endlich mal seinen dicken Hintern hochbekommen und etwas unternehmen…

Klar soweit.
Wahr soweit.

So. Ich mache Sport.
Nicht gerade selten, wenn auch nicht jeden Tag gleich gern.
Ich schwimme viel, ich mache Wassergymnastik aller Art, ich kümmere mich um meine Muskeln und ich walke.
Walken ist übrigens der Rosenkohl unter den Sportarten aber es ist einfach, flexibel, geht schnell und ist effektiv. Also bitte.
Manchmal nervt es einfach nur und meine Couch kann meinen Namen so herrlich zirpend säuseln. Glaubt mir, ganz hundsgemein das Ding.
Aber gut, von nichts kommt ja bekanntlich nichts – oder ein noch dickerer Po.

Am verg. Samstag versuchte ich mich nun in meiner ewigen Suche nach Abwechslung in Sachen Sport mal wieder umzuorientieren und mich doch noch einmal, todesmutig wie ich bin, in einem Sportcenter anzumelden.

Endlich mal wieder Unsummen dafür zahlen, dass man am Ende nicht hin geht?!
Kenne ich.
Egal, ich wollte trotzdem und im Allgemeinen bin ich ja recht hartnäckig wenn ich mich erst einmal für etwas entschieden habe.

Da ich die Kombination aus Schwimmen / Wassergymnastik und Fitness / Krafttraining sehr mag suchte ich mir ein FitnessCenter aus, welches sowohl dieses als auch jenes alles unter einem Dach hat. Samt Spa und Sauna und Kurse und Schwimmbad und schönem Flair und ich glaube, wenn ich einen Drachen bräuchte um Sport zu treiben, bekäme ich diesen dort auch.

So habe ich mich also in den Tempel der Gesundheit begeben, bereit mein Monatsgehalt fortan direkt an die gut gebauten und alle samt breit grinsenden Mitarbeiter des Bewegungsmekkas zu überweisen…
…und von dem Resultat muss ich Euch – übrigens noch immer lachend – erzählen.

Angekommen war ich gleich verzückt. Tolles Ambiente, tolles Licht, toller Geruch.
Normalerweise riechen alle FitnessCenter gleich. Nach so einer Mischung aus Putzmittel, Schweiß, Turnschuhen, Hoffnung und ich glaube, man kann immer einen Hauch von Unmut riechen.
Dort nicht. Dort war alles ein bisschen hübscher und eigentlich recht einladend.

Eigentlich.

Also, nicht für mich jetzt aber…
…nein wartet, ich führe es noch etwas weiter aus.

Eine extrem gut gebaute Frau (wirklich, sowas von toll die Figur) begrüßte uns – mein Mann war auch mit – fröhlich piepsend mit dem Satz: „Unser Areal erstreckt sich auf 5 Etagen, dann zeige ich Dir mal alles…“

5 Etagen!
Ja sichi!
Klar!
Kein Ding!
Geeeeeeeerne!

Aber: Ich will ja abnehmen nicht wahr? Und das dort war ein FitnessCenter richtig?
Also sah ich es sportlich und kletterte Treppe für Treppe, Areal für Areal der netten Dame hinterher. Mit einem Lächeln auf den Lippen und der in mir aufkeimenden Verwunderung, dass ich überhaupt die Treppen rauf kam.
Man kann nun nicht gerade behaupten, dass dies mühelos geschah, sicher nicht, aber doch um einiges flotter und weniger vernichtend als noch vor einem Jahr um diese Zeit, als ich für die Dreharbeiten vor der Kamera in den 4. Stock musste und dabei aussah wie ein sich gegen die Schwerkraft bewegender Pudding.

Alles angesehen. Alles für hübsch befunden. Im Geiste schon neue Sportkleidung bestellt.

Dummerweise habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. – Oder ohne die Philosophie des Ladens.
In meiner totalen Verblendung ging ich nämlich davon aus, dass FitnessCenter unter anderem (ganz sicher nicht nur aber eben auch) dazu da sind, um Menschen aller Art zu mehr Bewegung, mehr Ausdauer oder Kraft, weniger Gewicht ( ! ) und vielleicht mehr Gesundheit zu verhelfen.
Ich bin ja manchmal so naiv!
Denn nach einem kurzen Gespräch der Dame vom Empfang, welche uns netter Weise das Haus zeigte, mit der Hauseigenen Managerin, die mich ansah als wäre ich eine extrem große Gottesanbeterin, erklärte man mir knapp, dass man mich leider nicht aufnehmen könne, da die Geräte nicht für übergewichtige Menschen gemacht seien und bei einem Gewicht von über 110kg (Maximallast seien 120kg in Ausnahmefällen) leider nicht mehr benutzt werden dürfen.
Hinzu käme, dass man überrascht sei, dass ich Überhaupt Sport machen wolle und warum ich denn nicht lieber woanders hinginge. Irgendwohin wo ich – ich Zitiere –  „besser hinein passen würde mit meinen…“ *Fuchtelnde Handbewegung in meine Richtung*…

Mein Mann beendete für sie liebevoll den Satz mit „…Mandibeln?!“
(Anm. d. Redakt.: Mandeln sind die Greif- und Beißwerkzeuge von Insekten wie Beispielsweise der Gottesanbeterin.)

Meine Reaktion war wahrscheinlich Bilderbuchreif:
„Hundert…Was?! Sie nehmen mich auf den Arm oder?“
Tat sie nicht.
Auch nicht als ich mir das Grinsen nicht verbeißen konnte.
Sie versicherte mir, dass die Geräte allesamt (Alle! ALLE! Auf 5 Etagen Fitness!!) nicht für Übergewichtige gemacht seien und dass „dieses Haus“ auch nicht darauf eingestellt sei.
Was vielleicht auch der Grund war, warum ich nicht einen einzigen Menschen mit mehr als 5kg zu viel herumflitzen sah.

Auf meine Frage, warum sie denn dann unter anderem mit ernährungsqualifizierten Trainern werben würden, die auch zeitgleich Stoffwechselkursen gegen das Übergewicht anbieten würden (was ich davon halte bleibt hier mal außen vor), wo sie doch gar nicht auf Übergewichtige ausgelegt seien, zuckte sie nur die Achseln und musste ganz dringend weg.

Mir fiel fast der Butterkringel aus dem Mundwinkel!!

Schade! Wirklich wirklich schade!
Das war zumindest mein erster Gedanke.
Kann man ja nichts machen wenn die Geräte…

Jetzt mal im Ernst! 110kg? Fitness? Ich war schon mit Männern zusammen die auf Grund ihrer Größe schon mehr als 100kg hatten. Wenn sie dann Muskeltraining machten sowieso. Das ist doch…

Der Hersteller hätte es so gesagt.
Sagte man mir fast ein wenig bedauernd.

Ja. Der Hersteller. Gute Idee eigentlich, fragen wir doch mal den Hersteller!

Ich habe mich also am Wochenende und heute hingesetzt und alle dort zu findenden Hersteller der Sportgeräte kontaktiert um in Erfahrung zu bringen, ob ich wirklich zu dick für dessen Geräte sei. Nicht nur auf Grund dieser Situation. Es wäre doch wirklich gut zu wissen ob ich in jedem Studio stets kurz davor stehen würde die Gerätschaften platt zu sitzen.

Ich fasse es so zusammen: Muahhahhahhahhhaaaaaa…

Nein. Alle Geräte die dort stehen sind bis mindestens 160kg belastbar. Und das ist das Minimum. Ausrufezeichen!
Gut, davon bin ich noch knappe 15kg entfernt aber eben auch nur knappe 15kg.
Hätte man mich nicht auf die verweisen können, die locker um die 200kg und mehr verkraften? So wie eigentlich fast jedes Gerät in Studios?
Oder auf die Kurse? Oder auf die Wassergymnastik?

Ich bin vermutlich zu schwer für das Becken.

Oder sagen wir es einfach mal wie es ist:

Ich bin zu fett für den Laden!
So schaut es aus.
Ich sehe weder im Badeanzug rühmlich aus noch in Sportbekleidung.
Ich brauche ewig in den 5. Stock und dann schwitze ich vermutlich auch.
Es gibt kein schönes Panorama wenn ich in Mitten des wirklich schönen Ambiente vor mich hin sportel.

Ich habe kurz mal überlegt ob ich mich darüber ärgern soll.
Auf Grund von „sie passen optisch nicht hier rein“ aus einem Fitnessstudio zu fliegen ist mir zwar auch noch nicht passiert aber es ärgert mich nicht.
Und ich verrate auch warum.
Es ist doch schlicht stets so: Wenn die Umgebung einen nicht haben möchte, dann möchte man auch nicht Teil der Umgebung sein.
Und selbst wenn man es sein möchte, wäre man nicht willkommen.
Was soll das also?!

Es ist Okay dass man keinen Bock hat auf Fette.
Guuuuut, es ist diskriminierend und etwas lächerlich aber es ist Okay.
Für mich ist es das.
Ich halte es nicht für sonderlich sinnig und etwas kurz gedacht aber so ist das nun einmal. Und nein, ich bin nicht angepisst deswegen.
Ich hatte kurz überlegt ob ich mich nun schlecht fühlen solle deswegen und entschied mich dazu, mich einfach nur zu wundern und dann mit einem breiten Grinsen drüber zu bloggen.

Ich nehme jetzt einfach noch 15kg ab, dann setze ich mich dort an die Fitness-Getränke-Bar und saufe denen für meinen Mitgliedsbeitrag jeden Tag 11std. lang den Kirschsaft weg! HAH!

Bis dahin sehe ich mich nun nach einer Alternative um.
Vielleicht ist die nicht ganz so glamourös aber dafür darf ich dort dann sein.
Wie ich nun einmal bin.
Eine fette Frau die beim Sport scheiße aussieht.
Um von Mal zu Mal ein bisschen weniger blöd auszusehen.

Nach diesem Tag für alle ein paar Worte:
Egal wie die Umstände sind, lasst Euch dadurch nicht unterkriegen.
Ich werde so oft gefragt, ob mir so etwas denn nie passieren würde und wie ihr lest:
Doch! Mir passiert so etwas auch!
Die Frage ist dann nur, was man daraus macht.
Heim gehen und futternd heulen, weil die so gemein zu einem waren und sich ein paar Mal im Bad seines eigenen Mitleides verschlucken wäre sicher eine Möglichkeit.
Eine! Und zwar eine die niemanden vom Fleck bewegen wird.

Hinfallen!
Aufstehen!
Krönchen richten!
Weitergehen! 

Niemand nimmt für mich ab.
Oder für Euch!
Das muss schon jeder selber tun und wenn man solche Situationen darüber entscheiden lässt, wie es einem künftig ergeht, dann verliert man den Kampf gegen den eigenen Schweinehund sehr schnell.
Rummaulen und sich verkrümeln verbrennt keine Kcal und am Ende des Tages ist es doch so, dass man sich nicht immer alles so zu Herzen nehmen sollte.
Nie die Unzulänglichkeit einer Situation entscheidet über den eigenen Erfolg sondern ganz allein der Moment, in dem man manchmal auch die Zähne zusammenbeißen muss und weiter macht.

Lächeln ist doch nach wie vor die schönste Art die Zähne zu zeigen.

Ich war und bin dort nicht willkommen, Okay, das habe ich verstanden.
Also suche ich mir eine Alternative.
Es gibt für mich nur ein Ziel aber sicher zahllose Möglichkeiten in dessen Nähe zu kommen.
Wenn also jemand von Euch ein FitnessCenter hat und noch ein Mitglied braucht das ein wenig die Umgebung vollpummelt – schreibt mich an! 😉

Und ansonsten hat Hamburg die meisten Fitnessstudios pro Einwohner in Deutschland, ich finde sicher einen schönen Ort.

Mit Umkleidekabine für Insekten!
In diesem Sinne:

Nicole