Nicht dass jemand denkt, ich sei verstummt…
Ich bin nicht verschollen und auch noch nicht geplatzt.
Ich war im Urlaub! Nicht lang aber dafür verdammt schön.

Ich habe den Sonnenbrand aus der Hölle, den Eindruck, dass es viel zu kurz war und Sehnsucht nach mehr Meer. Wie immer wenn ich wieder auf heimischen Boden gelandet bin.

Apropos gelandet: Auch dieses Mal ist der Flieger nicht am Boden geblieben nur weil ich in ihm saß. Verrückt.
Der Gurt ist nach wie vor zu kurz wenn auch nicht mehr sooo viel fehlt aber diesen verdammten Tisch … dieser Tisch … Maaaaaaan man man.
Ich werde auf Langstreckenflügen leider gnadenlos verhungern (geht bei mir ja schnell) weil ich leider keinen Platz für den Cordon Bleu Bausatz habe.

Ich war in der Türkei und ich liebe das Land, die Menschen, die vielen offenen Herzen, die Gastfreundschaft und nicht zuletzt die Tatsache, dass ich entweder während des Fluges 100kg abnehme oder es unter der Mittelmeersonne viel weniger ein Drama zu sein scheint, dass ich so ein dickes Ei bin.
Das ist doch verrückt manchmal. Da renne ich auf heimischen Boden oft gegen Mauern in den Köpfen von Menschen die ich nicht einmal kenne und es bedarf einen Flug von 2500km und alles scheint ein wenig leichter – sogar ich.

Mich erfreut und verwundert es gleichermaßen und vor allem bringt es mich zum nachdenken. Wie groß ist (m)ein Problem denn wirklich, wenn es durch einen Ortswechsel schon viel einfacher wird?
Wie wichtig ist das viel zu oft empfundene „es – ich – muss besser werden / es besser machen.“

Natürlich wiege ich nicht weniger in der Ferne und meine Gelenke sind genau so belastet wie in der Heimat, mein Hintern genau so dick, Gurte genau so zu kurz und Treppen genau so hoch aber es ist ein so anderes und in vielerlei Hinsicht leichteres Gefühl auf Grund ganz anderer Attribute wahrgenommen zu werden als stets über das Gewicht definiert zu werden.
Und ja, das werde ich. Na-Tür-Lich!! Ich bin die Fettleserin. Das ist quasi mein Job. 😉
Das ist auch vollkommen Okay – heute.
Vor einigen Jahren sah das anders aus.

Aber natürlich betrete ich einen Raum und falle sofort in eine Schublade auf der steht:
„Fette Frau“ Ich glaube auf meiner steht sogar „Fette Frau mit Pornoblonden Haaren – warum grinst die eigentlich so blöd?!“.
Darunter ein Karteischieber mit verschiedenen Attributen die dazu passen.
Wir alle haben Vorurteile, machen wir uns nichts vor.
Auch das ist übrigens Okay und vielleicht sogar vollkommen normal.

Ich krabbele dann stets wieder raus aus der Schublade.
Denn: „Schau mal Mama, der Pudding kann ja auch sprechen!!“
Mal galant und humorvoll, mal weniger galant und holprig und manchmal ist die Kante so hoch, dass ich nicht einmal mit einer Leiter über die Hürde krabbeln könnte – oder den Fall danach mit einem lauten „Platsch“ nicht gerade sanft überstehen würde.
Manchmal, wenn auch sehr selten, geht auch in meinem Kopf eine Schublade auf auf der steht: „Ach weisst Du was? Wie wäre es, wenn… F*** Dich!“.
Eine Seite an mir, die übrigens nicht sonderlich galant ist.
Und hey, vielleicht liegt es manchmal nicht einmal an mir oder an Vorurteilen sondern einfach an schlechten Tagen. Die uns allen zustehen!
Manchmal ist es das eine, manchmal das andere aber dennoch muss ich fast immer erst einmal aus den Vorurteils-Grabbelkisten der Köpfe Fremder Menschen klettern.

Früher kostete mich das enorm viel Energie.
Heute weiß ich, dass ich den Weg heraus irgendwie immer finde und wenn nicht, dann richte ich es mir gemütlich ein in den 4 Wänden und einer Bodenplatte mit Knauf.
Ein paar Kissen, eine Stehlampe und einen Kühlschrank, natürlich.

Eine Woche ist nun vergangen in der mein Gewicht kein Thema war.
Das überfordert mich fast ein wenig.
Fast.
Denn einmal ganz ohne Augenzwinkern gesprochen:
Es ist schön, es ist entspannend und es ist sehr berauschend und auch mein Herz öffnend, mit offenen Armen, einem Lächeln und ganz viel Herzlichkeit begrüßt, empfangen und behandelt zu werden. Ohne dass ich etwas dafür hätte tun müssen.
Keine Erklärung und keine Verteidigung. Nix.
Wie auch? Mein Türkisch ist miserabel.
(Anm. d. Redakt.: Ich ändere das gerade und lerne fleißig…)

Ich finde das jedes Mal wieder so schön.
Denn ich versuche genau das auch zu geben.
Jeden Tag aufs Neue.
Mal schaffe ich das, mal scheitere ich daran aber ich habe stets ein Lächeln übrig.
Und dieses Mal bekam ich hunderte davon zurück.

Danke für dieses schöne Gefühl in die Ferne.

Und bevor nun das Geschrei laut wird:
Natürlich gibt es auch hier unglaublich viele Menschen die viel offener sind als der Rest und natürlich begegnet mir dies auch gefühlt von Tag und Tag mehr, wird es von Tag zu Tag ein bisschen weniger anstrengend, steigt die Akzeptanz und sinken die Bretter vor den Köpfen.
Dennoch spüre ich, dass man sich in Sachen Gastfreundschaft, Offenherzigkeit und einfach-mal-sein-lassen in einigen Ländern um uns herum noch so einiges abgucken kann.
Und jetzt soll mir niemand erzählen, dass das am Wetter liegt. In England habe ich genau so viel Herzlichkeit erfahren.

Aber auch ich bin nicht ganz unschuldig an der mir entgegen gebrachten Herzlichkeit.
Denn ich weiß nicht ob mein „ich fühle mich hier freier“ Gefühl zuerst da war oder ob alles um mich herum mich dazu bringt mich so zu fühlen.
Vielleicht beides. Henne – Ei?

Am Ende ist es vermutlich wieder ein Zusammenspiel aller Dinge, hm?!
Wie immer. Und mein Anteil daran ist wie immer viel größer als empfunden.
Vielleicht bin ich auch einfach wirklich weniger Dick im Ausland.
Zumindest in meinem Kopf.
Gut so.
Und eines Tages kann ich das Gefühl vielleicht sogar mit nach Hause nehmen.

Daran arbeite ich noch.
Bis dahin:
Türkiye, seni özleyeceğim!
Güle Güle!

Und da seid da noch ihr.
Ihr alle die ihr das hier lest und die Augen verdreht, die ihr mitlacht, mit mir leidet, mit mir flennt wie kleine Mädchen und mit mir mitfiebert.
Ihr alle die ihr auch Schubladen habt aber mir zumindest stets wenigstens ein Lila-Plüschkissen mit hinein legt.
Ihr, die ihr mir aus allen Himmelsrichtungen beisteht, zuruft und mich unterstützt.
Und jene die mich irgendwie kacke finden, dennoch mitlesen und sich immer über das Gleiche aufregen.
Zum Beispiel darüber, dass meine Meinung „irgendwie manchmal ein wenig Krass“ ist oder dass ich Sätze viel zu oft mit drei Punkten beende.
Ich weiß nicht, was ihr meint…

Ihr die ihr mir Herz und Licht und manchmal sogar Liebe seid.
Ihr die ihr mich zum lachen, zum nachdenken und zum durchhalten bringt.
Ihr die ihr Anker und Aufreger, ein Leuchten im Dunkeln und ein Grund zum nie aufgeben seid. Ihr die ihr mich stets wissen lasst, dass ich nicht alleine bin.
Ihr die ihr mit Blumen und manchmal mit Steinen werft.
Tausende ausgestreckte Hände, wenn ich einmal falle, tausende strahlende Lächeln im Kampf gegen jeden Unmut.
Ihr seid viele und manchmal, wenn es mal nicht so recht halten will, das Rückgrat, dann steht immer einer von Euch für mich mit auf und schützend vor mir.

Ihr alle, die ihr das hier lest.
Manchmal mit zum Himmel hochgerissenen Armen und „die Dicke hat doch ’nen Knall“ und dann dennoch wieder da seid, wenn es „unbedingt sein muss“.

Ihr seid meine Sonne, ihr seid mein Mittelmeer, ihr seid Gastfreundschaft, ihr seid weicher Boden nach harten Stürzen. Ihr seid schlicht immer da.
Und daran, das weiß ich, ist nichts schlicht und nichts selbstverständlich.
Ich bin dankbar dass es Euch gibt.

Und bevor das hier nun zu Gefühlsduselig wird höre ich auf.
Aber hey, Du da – Danke fürs Sonne sein!
Danke fürs Leichtigkeit sein!
Danke fürs da sein.

Nicole