Zucker! Altes Haus! Hast Du schon immer so scheiße geschmeckt oder ist das ein neues Hobby von Dir? Ich habe Dich irgendwie galmouröser in Erinnerung.

Fastenbrechen ist gar nicht leicht, wenn plötzlich alles gruselig süß ist aber ich war tapfer und kämpfte mich durch ein halbes Schokoosterei.
Lecker geht echt anders!
Ganz anders.

Um niemanden auf die Folter zu spannen hier das, was an Infos am interessantesten ist.

Ja, ich habe es durchgezogen.
Ja, es war wirklich elend lang.
Ja, es hat nachhaltig Änderung gebracht.
Ja, es war spannend.
Nein, ich werde nicht weiter auf Zucker verzichten.
Ja, ich habe abgenommen.
Ja, mir hat am Meisten meine Waage nebst Zucker gefehlt.
Nein, ich habe es nicht so vermisst wie ich dachte.
Ja, es war manchmal echt hart, besonders am Anfang.
Nein, es ist nicht die geilste Erfahrung meines Lebens gewesen aber es war eine gute Erfahrung.
Nein, ich halte noch immer nichts davon auf irgendwas komplett zu verzichten.

Der Anfang der Fastenzeit war für mich echt kniffelig.
Mir tat alles weh, ich hatte Herzstolpern, Kieferschmerzen, Kopfschmerzen und einen ernsthaften Tadder einen Tag lang. Nebenbei flog meine Konzentration noch in den Urlaub und ich war latent unentspannt.

Alles Nebenwirkungen des Zuckerverzichtes (mit Zucker ist hier in diesem Eintrag auch stets „kurzkettige  Kohlenhydrate“ impliziert) möchte man nun sagen, stimmt ja auch aber mich hat ein anderer Aspekt viel mehr interessiert:

Wenn DAS passiert, sobald ich Zucker weglasse, dann lässt sich erahnen, was Zucker eigentlich so alles mit einem anstellt während man stets gern denkt „ach heute gönne ich mir mal XY“.
Merkt man dann auch erst, wenn man Zucker mal streicht.

Ich war also auf kaltem Entzug.
Ein ekeliges Gefühl!

Ich bin schon lange weg davon viel Zucker zu verwenden. Ich süße nichts nach, backe selten und wenn mag ich kaum Kuchen. Ich süße weder meinen Kaffee noch meine Tees und nutze keinerlei Zuckerersatzstoffe. Ich meide kurzkettige Kohlenhydrate so weit ich es überblicke.
Dass ich dennoch über den ganz normalen Alltag, trotz des ganzen Ernährungswissens zum Teil wirklich viel Zucker zu mir nehme ist verblüffend.
Nahezu überall ist Zucker drin.
So breit gestreut, dass es mich manchmal Haare raufend vor den Regalen stehen ließ.
Was kauft man noch ein, wenn man keine Zucker will?
Und ich meine damit gar keine.
Keine Mono- und Disaccharide. (Also auch keine Weißmehlprodukte beispielsweise), keine Fructose-Glucose-Pampe (die findet man gerne im Brot und in gefühlt jedem zweiten Lebensmittel), keine Maltose und Lactose und auch keine Reissüße, Aspartam, Honig oder oder oder. Die Liste der Zuckerarten und Ersatzstoffe ist Ellen lang.

Auf Zucker, kurzkettige Kohlenhydrate im Allgemeinen und dessen Nachahmer zu verzichten ist eine echte Herausforderung. Eine die man meistern kann aber das muss man dann gut planen.

Gar nicht mal so lecker, dieser Zucker.
Geschmacksnerven sind echte Mimosen wie mir scheint. Kaum isst man mal ein paar Tage keinen Zucker, schon sind sie echt am hyperventilieren, wenn es mal ein Schokoei geben soll.
Es stimmt, nach einer Zeit ohne Zucker schmeckt alles süße enorm intensiv und gar nicht mal so lecker.
Ich habe mir diese Erfahrung übrigens auf die Innenseite meiner Stirn gemeißelt.
Ist das was ich da vor der Nase habe, was mich gerne mal so anzieht, wirklich so lecker wie ich denke oder gaukelt mir mein Gefühl da etwas vor?

Ich glaube, allein für die Erfahrung, dass manche Lebensmittel sich in meinem Kopf oder schlicht emotional viel besser anfühlen als sie am Ende schmecken, haben sich die 40 Tage ohne mehr als nur gelohnt!

Hat mir diese Zeit etwas gebracht?
Ja, ein paar Pfund weniger auf der Waage und ich kann so langsam die 170 in der Ferne sehen, was schon recht abgefahren ist wenn man bedenkt, dass ich mich nicht an Mengen oder Kcal orientiert habe. Das habe ich schlicht ignoriert.
Aber dass Zucker einen großen Einfluss auf das Gewicht hat ist ja nun wirklich nichts Neues.

Ein paar Dinge werde ich aus dieser Zeit mitnehmen.
Beispielsweise einen doch noch einmal schärferen Blick auf Lebensmittel, ein besseres Gefühl für das, was ich esse, eine kritischere Nachfrage bei den Dingen, die ich bekomme.
Es fällt mir so viel leichter „Ne, lass mal, danke“ zu sagen, wenn ich weiß, dass mir das eigentlich nicht viel Gutes tut und es ist viel weniger schlimm ab und an Verzicht zu üben. Sind ja keine 40 Tage mehr. Auch ist das Süßen mit Obst viel weniger spektakulär als es vorher war. Es ist schlicht eine gute Süße die absolut ausreicht.
Ich meide ein paar Dinge aktuell in Gänze, Weißbrot beispielsweise und treffe bessere Entscheidungen, wenn ich die Auswahl zwischen Variante a, mit Zucker oder Variante b, ohne Zucker habe.

Ja es hat etwas gebracht. In jedem Fall. Und damit meine ich nicht allein mein Gewicht.

Mein größter Gewinn findet sich aber nicht in dem, was ich aktiv umsetze sondern viel mehr in einem Gefühl, das sich geändert hat. Mein Verlangen nach Süßem ist nicht mehr so stark. Sehr wahrscheinlich aus oben genannten Gründen.
Es ist eben nicht alles so lecker, wie ich meine und meine Einstellung einem Lebensmittel gegenüber ist Maßgeblich für dessen Anziehungskraft.
Es ist also kein „Ich muss das haben!“ sondern viel mehr ein „Ich will das haben!“
Gute Nachricht! Ich muss nicht, ich will – ich kann mich also entscheiden!

40 Tage für eine gute Entscheidung ist doch ein guter Tausch!

Aber werde ich deswegen ständig auf Zucker verzichten?
Jetzt kommt es ganz dicke!
Jetzt erzählt sie uns, wie man sein Heil in einer Welt ohne Zucker findet!
Ähm…
Lasst es mich mal so sagen:
Vorher hacke ich mir einen Fuß ab!

Nein, ich werde nicht auf Zucker und dessen Freunde verzichten und das hat auch viele Gründe.
Einer davon ist, dass ich schlicht nicht auf Diäten stehe, dass ich weiß, wie ich Ticke, dass ich ab und an gern Süßes esse und man dabei trotzdem abnimmt übrigens.
Vor allem aber hat der Verzicht auf Zucker und all seine Begleiter eines gemacht:
Mein Leben etwas langweiliger.
Es ist schwieriger, komplizierter und einfach farbloser wenn man so viel weglässt und das ist etwas, auf das ich tatsächlich keine Lust habe.
Ich habe mich mit Verboten, Diäten und „einfach nur weglassen“ fett Diätet. Das passiert mir nicht noch einmal.
Ich esse gern und ich mag Vielfalt, Variationen, Experimente.
Ich mag Essen, ich mag Lebensmittel und ich mag eben auch – nicht nur – Zucker.

Ich könnte mich nun Moralapostelnd hinstellen und erzählen, warum man es doch lassen sollte, warum ein Leben ohne Zucker so viel besser ist oder was das alles so tolles mit einen macht aber das wäre unehrlich.
Ich empfinde die Zuckerfreie Zeit nicht als das größte Geschenk auf diesem Planeten und ich kann auch nicht vermelden, dass es eine erhellende, visionäre Erfahrung war, ich nun alles schön finde und ja gar nie etwas vermisst habe, nie vermissen werde und sowieso und überhaupt ist ein Leben ohne Zucker ja mal sowas von die tollste Erfahrung die ein menschliches Wesen je machen kann.
Nope! Nix Einhörner, Nix rosa, Nix bunt, nix giltst blitzi. Nö.
Aber gut war die Erfahrung dennoch.
Spannend und manchmal nervig – und langweilig.

Strenges Weglassen aller möglichen Dinge geht nicht mit meinem ganzheitlichen und ausgewogenen Denken einher und am Ende bin ich der Ehrlichkeit wohl folgenden Satz schuldig:

Ich bin schlicht zu faul, zu verwöhnt, zu sehr verliebt in Lebensmittel, in Kochbücher, in Restaurants, in Eis im Sommer, in Erdbeeren (ohne Zucker) und Schokoladenpudding (mit Zucker), in „mir keine Gedanken machen heute Abend“ und in „mir doch egal aber mach bitte Tonic in meinen Gin“ als dass ich es erstrebenswert fände, Zucker den Rücken zu kehren. Süße gehört zu meiner Lebensqualität.
Und ganz im Ernst, wäre ich so gut darin auf Zucker oder irgendwas anderes so ewig lang zu verzichten, gäbe es diesen Blog nicht.
Ich will nicht verzichten müssen!
Das ist es eigentlich auch schon.

Am Ende verhält es sich mit Süßungsmitteln doch wie mit Arsen:
Die Dosis macht das Gift.
Zucker ist nicht das Übel dieser Welt.
Dass wir zu dämlich sind um mal nachzufragen, zu bequem um selbst zu backen, zu verblendet und gutgläubig oder schlicht zu unwissend und zu schnell zu verführen, das macht manchmal Probleme.

Zucker ist toll! Süße ist toll!
Zucker ist in erster Linie erst einmal nur eines: Zucker. Ob nun natürlich, künstlich oder ekelig.
Dass wir uns damit in manchen Fällen überfressen, nun, da kann Zucker ja nichts für.

Also ja, ich halte es für erstrebenswert nicht jeden Scheiß zu essen und darauf zu schauen, die Zuckermenge die man generell so zu sich nimmt nicht eskalieren zu lassen und ganz sicher halte ich es für eine kluge Idee zu schauen, was für einen Zucker man denn da isst aber gnadenloser Verzicht?
Echt nicht.

Wenig aber dafür gut. Ich glaube, damit fahre ich am Besten.
Wir brauchen nämlich bei weitem nicht so viel Zucker wie wir stets glauben und wenn, dann doch bitte aus Quellen, die einen nicht den Arm abbeißen.
Also, dreht um was ihr kauft und schaut was darin ist.
Lest auch die „Kohlenhydrate – davon Zucker“ Angaben.
Steigt gern um von Weißmehl auf Vollkorn, auch bei Nudeln und Reis.
Fragt doch Euren Bäcker mal was da drin ist in Eurem Brot und ob das wirklich (!) Vollkorn ist. Wir müssen nicht alles essen, nur weil es da ist aber wir müssen auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn es ab und an doch ein Stück Kuchen sein soll.

Unser Körper kann damit umgehen, wir brauchen in einem gewissen Rahmen Zucker sogar (Ich werde demnächst mal genauer auf diesen Punkt eingehen) – wenn wir es nicht übertreiben, ist alles im grünen Bereich.

Ich für meinen Teil bin enorm gut darin etwas zu übertreiben.
Manchmal sogar gerne.
Beim Zucker allerdings werde ich künftig etwas vorsichtiger sein.

Vorsichtig, nicht kasteiend.

Werde ich im kommenden Jahr wieder auf Zucker verzichten für 40 Tage?
Oh hah. Vielleicht?! Ich weiß es nicht. Sollte ich aber den geschäften Blick wieder verlieren, dann halte ich es für eine gute Maßnahme.
Vielleicht verzichte ich aber auch einfach mal aufs Verzichten.

Nicole

Zur Abwechslung mal ein P.s.:
Mit Zucker ist hier jede Form der Süße einschl. Honig gemeint, alle Ersatzstoffe, Weißmehl ebenso wie andere Getreidearten die kurzkettige Kohlenhydrate beinhalten, Milchzucker (Lactose) und künstliche Fructose und nicht allein weißer Haushaltszucker. 😉