Fasttag 2/40.

Heute ist Tag 2 von 40 Tagen Fastenzeit und es zeigen sich die ersten Schikanen im Land der Zuckerfreiheit.
Mal abgesehen davon, dass man nicht einmal Naturjoghurt kaufen kann ohne dass dieser gezuckert ist in vielen Fällen, ist die Größte Herausforderung ein Störfaktor, den ich so nicht bedacht habe:

Meine Automatismen.

„Weil ich das immer so mache…“
Allem Anschein nach.
Ich erwische mich dabei, wie ich mit eher weniger Nachdenken zu Dingen greife, die zwar durchaus im Rahmen einer jeden gesunden Ernährung erlaubt sind, gerne aber die Zucker-Variante eines Lebensmittels darstellen.
Verrückt! Hier mal ein Stückchen Schokolade oder dort irgendwas anderes. Nicht viel, nur so, dass es auch gut in den Tag und meine Ernährung passt. Vom Ding her also vollkommen harmlos. Aber bisher habe ich mich ja auch nur oberflächlich mit dem Thema Zucker beschäftigt. Und das auch nur im Hinblick auf wenige Eigenschaften von zuckerhaltigen Lebensmitteln.

Nun ist es ja nicht so, dass ich gestern das erste Mal mit dem Thema Ernährung um die Ecke gekommen bin. Als Ernährungscoach und vor allem als Selbst-Abnehmende seit geraumer Zeit habe ich ständig damit zu tun und das auch sehr gern.

Von jetzt auf gleich jedoch auf Zutaten zu verzichten, die zuvor recht oft vertreten waren zeigt mir, wie viele Automatismen ich entwickelt habe im Bezug auf Lebensmittel und wie ich diese, nahezu automatisch bewerte und in bestimmte Kategorien ordne.

Ich weiß sehr genau ob und wann etwas gesund ist und wann nicht. Ich weiß um die Zusammensetzung und die Energieladung, also die Kcal eines Lebensmittels und ich weiß, in welcher Kombination ein Lebensmittel günstig ist und wann eher nicht.

Nun darauf zu achten, dass es keinen Zucker enthält, kein Fleisch oder kein Alkohol beispielsweise ist eine recht neue Herangehensweise an das Thema Ernährung und ich sehe vor allem, wie einseitig die Sicht auf Lebensmittel ist, wenn man nur ihren Kilokaloriengehalt betrachtet.

Okay, zugegeben, mir ist das Thema alles andere als neu. Gerade in der Arbeit in meiner Praxis geht es viel darum, die richtigen Entscheidungen hin zum hochwertigeren Lebensmittel zu finden. Dennoch ist es spannend zu sehen, wie viel genauer das „Hinschauen“ bei mir gerade ist.

An einigen Stellen bin ich zu verbissen, an anderen zu unaufmerksam.
Was nicht heißt, dass ich der Meinung bin alles grundlegend in Frage zu stellen was Ernährung an geht, ganz im Gegenteil.
Ich empfinde es nur tatsächlich als Bereicherung, einmal einen neuen Wind in der Thematik zu spüren und einen etwas anderen Blickwinkel zu erhaschen.
Geht es beim abnehmen doch viel zu oft nur um ganz bestimmte Bereiche die dann immer und immer wieder von vorn durchgekaut werden.

Das jedenfalls wird die Fastenzeit schon einmal als Pluspunkt auch hinterher mitbringen: Die Erkenntnis, dass die Praxis vielfältiger ist als die Theorie der Nahrungsmittelkunde und dass es manchmal sehr erbaulich und den Horizont weitend ist, nicht immer nur darüber nachzudenken, wie viele Kcal ein Lebensmittel wohl hat oder ob man davon viel oder wenig darf weil man schon irgendwas anderes hatte.

Zu schauen: Wie sehe ICH eigentlich im richtigen Leben Lebensmittel und wie beurteile ich diese – das ist in jedem Fall ein Dazugewinn, den ich mir hoffentlich bewahren kann auch über die 40 Tage hinaus.

Oh und falls ihr Euch fragt, wie man sich nach dem zweiten Tag ohne Zucker so fühlt kann ich sagen:
Es ist weniger schwer zu verzichten als ich dachte ABER ich wusste nicht, dass ich trotz erfolgreichem Abnehmen so oft in so viele Fallen tappe UND jahahhahhhaaaaaaaaaa, mir fehlt das erlaubte Naschen! Besonders abends!
Nützt nichts, es sind nur noch 38 Tage…

Aber reden wir nicht um den heißen Brei herum: Ich scheine mit Zucker schon sehr lange verheiratet zu sein und das war bisher immer Okay. Wir mögen uns. Mehr oder minder und wenn man mal davon absieht, dass er nie die Wohnung aufräumt, ständig überall herumkrittelt und sich gerne mal auf meine Hüften setzt, ist das auch Okay so.
Bis gestern.
Wir sind etwas zerstritten – Zucker und ich.
Er schläft nun im Kühlschrank oder auf dem kleinen Tischchen auf der Couchseite meines Mannes in Form von kleinen Knusperflakes.

Und dieser Mistkerl lacht mich aus!
Nein, nicht mein Mann.
Zucker!
Im Ernst, ich kann es hören.
Die ganze Nacht lang kicherte es aus dem Kühlschrank.
Muss der Schokopudding gewesen sein… *sinnier

Ich gehe jetzt mal an der Schokolade riechen.

Nicole