Der Januar, Monat der gebrochenen Vorsätze.
Wenn man ehrlich ist, gehen die Jahre irgendwie immer gleich los.
Egal auf was für einer Party man war, sie war eher so semi, am 01.01. hängt, selbst wenn man nur Kirschsaft getrunken hat am Abend zuvor, irgendwie Katerstimmung in der Luft und es regnet.
Zumindest in Hamburg.

Aber das macht ja nichts, man hat ja allerhand damit zu tun, seine guten Vorsätze zu visualisieren und dann, ganz bald, in die Tat umzusetzen.
Klassiker.
Ob man da nun endlich aufhören will zu rauchen, dieses Mal aber nun endlich und auch ganz ehrlich mehr zum Sport geht oder in jedem Fall anfängt abzunehmen ist da fast egal, denn gute Vorsätze haben noch eine weitaus tiefsitzendere Tradition:
Zum Vorsatz aushecken gehört auch, ihn mit Pauken und Trompeten zu brechen.
Im Februar offiziell, am 01.01. um 17:32 Uhr inoffiziell.

Bis dahin sind wir aber voller Tatendrang und sagen den schlechten Gewohnheiten und den bösen Fettzellen den Kampf an!

Wie gemein!!

Ich möchte zum Jahresanfang eine Lanze für die zu unrecht so oft kritisierten Fettzellen brechen.
Was kann denn die arme Fettzelle dafür, dass wir zu dick sind?
Zunächst einmal überraschenderweise gar nichts.
Wenn es um Diäten und Ernährungsumstellungen geht, dann lese ich viel zu häufig die besten Tipps, wie man seine Fettzellen möglichst schnell los wird um dann schlank zu sein.
In der Annahme, wenn man abnehmen würde, schrumpfe die Zahl der Zellen und man sehe dadurch auch schlanker aus.
So weit, so irrsinnig.

Hier einmal die gute Nachricht für alle Vorsatzbrecher:
Man wird Fettzellen, auch Adipozyten genannt, nicht los und man kann diese auch nicht abnehmen.
Absaugen kann man sie, das stimmt.
Kostet etwa 3000-10.000 Euro und hinterlässt fiese Blutergüsse aber abnehmen?

Nein. Das geht „leider“ nicht.
Und das ist auch gut so.
Wir reden meist so lapidar daher, dass wir Fettzellen nicht wollen, dass wir ihnen „den Kampf ansagen“ und dass wir gut auf sie verzichten könnten und das oft ohne zu wissen, wovon wir eigentlich sprechen.
Fettzellen sind, das ist unbestritten, dazu da um Fett einzulagern. Unter anderem allerdings nur.
Dabei wird in ihnen nicht nur (überschüssiges) Fett gelagert, in ihnen wird auch Fett abgebaut.
Sie sind also Lager und Depot:
Durch den recht hohen Körperfettanteil im menschlichen Körper haben wir eine ständige Energiereserve um etwa 40 Tage ohne Energiezufuhr auszukommen.

Schutz:
Fett wird an bestimmten Stellen im Körper als Durckschutz und somit Schutz bestimmter Körperregionen eingesetzt und verbaut. An den Wangen, unter den Fußsohlen, an Gelenken und zum Schutz der Augäpfel beispielsweise.

Scheiß kalt hier:
Fett isoliert denn Fett ist ein miserabler Wärmeleiter. In der Unterhaut angelegt sorgt es also beispielsweise dafür, dass wir nicht so rasch an Körperwärme verlieren.

Dabei wird grob unterschieden zwischen braunem Fettgewebe und weißem Fettgewebe. Braunes Fettgewebe ist zuständig für die Thermogenese unseres Körpers, also hat es die Aufgabe, direkt Wärme zu erzeugen.
Und wo holt dieses Gewebe die Energie dafür her?
Wärme wird im braunen Fettgewebe erzeugt aus – tadaaaaaa – Fett.
Gespeichert wird dieses Fett hauptsächlich in Form von (tatsächlich) kleinen Fetttropfen. Jede Fettzelle beherbergt einen Fettropfen im weißen Fettgewebe.
Das wiederum kennen wir alle.
Das ist das, was nicht in die Hose vom letzten Sommer passen will.
Braune Fettzellen beherbergen übrigens viele kleine Fetttropfen.
Dummerweise haben wir von dem braunen Fett nur als Säugling viel oder falls hier Bären mitlesen, wenn wir Tiere sind, die Winterschlaf halten.
Da Säuglinge nicht zittern können um Wärme zu erzeugen, muss diese anders produziert werden.
Als erwachsener Mensch ist davon nicht mehr allzu viel übrig. Leider.
Nicht schlimm, wir haben ja noch die Isolationsschicht uns angefuttert.
Einige, so wie ich, ein klein wenig zu viel des Guten.

Fettzellen sind enorm wichtig für den Körper und so fies es klingen mag, selbst verhungernde haben noch immer Fettzellen.
Die Annahme also, man würde diese nun durch viel Sport oder Diäten loswerden ist ein Märchen. Fettzellen bleiben, wo sie sind.
Was man hingegen machen kann ist dafür zu sorgen, dass sie nicht mehr so gefüllt sind.

Fettzellen sind gefräßige kleine Kumpanen.
Zwar sind sie klein und wiegen im Durchschnitt nur 0,3 bis 0,9 Mikrogramm bei einer, für eine Zelle doch beachtlichen Größe von ca. 100 µm, (Yepp, das ist trotzdem noch echt winzig) können ihre Ausgangsgröße allerdings um das 200-Fache ausdehnen. Abgefahren!!
Interessanterweise bleibt ihre Anzahl dabei aber relativ gleichbleibend.
Wie viele Fettzellen wir dabei mit uns herum tragen ist unterschiedlich und entscheidet sich im Jugendalter.
Einmal festgelegt, laufen wir dann aber für den Rest unseres Lebens mit einer konstanten Anzahl an Fettzellen umher.
Auch dann, wenn wir schnell und radikal an Gewicht verlieren. Beispielsweise nach Adipositaschirurgien.

Am Karolinska-Institut in Stockholm unter der wissenschaftlichen Leitung von Kirsty Spalding untersuchte man einst genau dieses Phänomen und fand heraus, dass maßgeblich entscheidend für die Anzahl der Fettzellen eben das Jugendalter ist. Unser Ess- und Gewichtsverhalten im Jugendalter bestimmt also, mit wievielen Fettzellen wir später durchs Leben gehen, danach können wir Fettzellen nur noch füllen oder leeren.
Die Zahlen variieren also tatsächlich von Mensch zu Mensch.
Zwischen 40 und 120 Milliarden Zellen sagen die einen, andere Zahlen sagen zwischen 40 und 300 Milliarden, wieder andere Zahlen sprechen von wieder anderen Werten. So oder so bleibt aber festzuhalten, dass die Anzahl der Körperfettzellen tatsächlich von Körper zu Körper variiert.
Haben deswegen dicke Menschen auch immer gleich mehr Fettzellen und schlanke immer weniger, weswegen Dicke dick und Schlanke schlank bleiben?

Jein.
Wenn das mal so einfach wäre.

Nein, man kann durchaus auch als Mensch mit weiß der Geier wie vielen Milliarden Fettzellen abnehmen, so wie auch schlanke Menschen ordentlich dick werden können.
Ja, Fettzellen schreien nach „mehr“. Haben wir in der Anzahl mehr von ihnen, ist die Anlage zu speichern höher. Das an sich macht es aber nicht schwerer abzunehmen oder schlank zu bleiben, es ist nur ein weiterer Teil der Erklärung, warum Menschen, die viel abnehmen, oft auch schnell und gut wieder zunehmen könne. Die nun leeren Zellen, einst satt gefüllt, stehen darauf voll zu sein und streben zu diesem Zustand zurück.
Im Vergleich dazu gibt es aber auch viele Menschen, die nie sonderlich in ihrem Gewicht schwanken, trotz maulender Fettzellen.

Nicht die Anzahl von Fettzellen ist also maßgeblich entscheidend beim Übergewicht sondern ihre Ausdehnung.
Also: Wie fett füttere ich meine Fettzellen? Denn diese stehen total auf Fett.
Ungefüllt und mit viel Langerweile im Körper herumzuliegen finden die meist eher so semi geil, weswegen sie – das ist ihre Aufgabe – bestrebt sind, möglichst viel an überschüssiger Energie zu lagern.

Fettzellen sind also sowas wie die Endlager unserer übermäßigen Ernährung.
Denn maßgeblich an ihrem Füllvolumen sind wir selbst beteiligt.
Nehmen wir deutlich mehr Energie auf als der Körper braucht, so verpufft diese nicht (schade eigentlich) sondern wird eingelagert.
Für schlechte Zeiten sozusagen.
Man weiß ja nie, wann die nächste Hungersnot droht.
Und so ist es nur Klug vom Körper vorzubauen.
Dass dieser „Vorbau“ dann nicht mehr in Kleidergröße 42 passt ist dem Körper übrigens erst einmal egal. Fettzellen nehmen was sie kriegen können denn zu speichern und sich zu vergrößern ist ihre Existenzberechtigung.

Spannend dabei: Fettzellen erneuern sich wie die meisten anderen Zellen auch.
Eine Fettzelle wird also, wenn sie ihr Alter erreicht hat, durch eine neue Fettzelle ersetzt.
Hier greifen übrigens neue Forschungsansätze die sich darum bemühe herauszufinden, wie man die neu gebildete Fettzelle daran hindert, das Fett ihres Vorgängers aufzunehmen oder wie man die Fettzellen gleich daran hindert sich neu zu bilden oder zumindest ihre Neubildung ausbremst.

Jedes Jahr erneuern sich etwa 10% unserer Fettzellen.
So würde mit dem Ableben einer Fettzelle, wenn keine neue Nachwächst, also auch dessen Depot (Fetteinlagerung) sterben.
Kinners, das wäre der heilige Gral unter den Medikamenten.
Die Pille auf die alle warten. 😉
Einfach einwerfen und keine 8,3 Jahre später… Zack, Bikini-Figur.
Noch hat man allerdings keine Ahnung wie das möglich wäre und ob man da nicht ein viel zu großes Risiko eingeht.
Generell würde dieses Mittel auch nur nach (!) einer starken Abnahme verordnet werden um so die „zu hohe“ Anzahl an Fettzellen zu reduzieren und auf das Level eines „Normalgewichtigen“ zu bringen.

(Verdammt – man wird ja wohl noch träumen dürfen).

Um nun also endlich einmal eine Lanze für Fettzellen zu brechen sei gesagt, dass Fettzellen nur tun, wozu sie da sind.
Sie speichern Energie und geben diese wieder frei, wenn Bedarf besteht.
Aber nicht nur das.
Sie sind dazu da um uns zu formen, halten uns warm und ohne Fettzellen würde unser kompletter Stoffwechsel nicht funktionieren.
Bedenkt man, dass fast alle lebensnotwendigen Vitamine fettlöslich sind (mit Außnahe aller B-Vitamine und des Vitamin C) kann man erahnen, welch weitreichende Folgen es hätte, auf Fettzellen zu verzichten.
Vitamine sind übrigens nicht nur für das Immunsystem lecker. Sie sind als körpereigene Baustoffe eklatant notwendig und können in den meisten Fällen nur durch Nahrung aufgenommen werden.

Adipozyten – Fettzellen – sind also Freunde und keine Feinde.
Wie fett, dick, schlank oder unterernährt wir sind, bleiben oder werden hängt also davon ab, in welchem Maße wir unsere Speicher füllen und womit.
Was uns letzten Endes dann doch die Macht und die Verantwortung zurück gibt.
Und das ist übrigens eine gute Nachricht.

Egal wie viele Fettzellen man hat, man kann und darf abnehmen.

So, 2015, ich hoffe, Du hast gu zugehört, denn Du und ich, wir leeren in den kommenden 12 Monaten ein paar der Milliarden Fettzellen.

Deal?!

Nicole