Amerikanische Forscher haben festgestellt, dass Menschen eher geneigt sind Dinge zu glauben, wenn man ihnen sagt: „Amerikanische Forscher haben festgestellt…“

In diesem Sinne:
Amerikanische Forscher haben festgestellt…
Nein Okay, es waren australische Forscher aber auch diese stellen ab und an mal was fest. Dieses Mal stellten sie fest, dass „schnelles abnehmen kein Indikator für den JoJo-Effekt“ ist.
Toll!!
So weit so gut.

Ich weiß nicht, ob ihr die Medien im Bezug auf das Thema Übergewicht regelmäßig verfolgt aber wenn man dies tut, dann stößt man in den letzten Wochen gerne mal auf den heiligen Gral des Schwachsinns, welcher randvoll gefüllt ist mit einer Fehlinterpretation einer Studie.
So wurde im letzten Monat bekannt, man habe in Australien an 200 Menschen eine Testphase durchlaufen, in der die eine Gruppe ohne Diäten und langsam abnahm, die andere Gruppe mit Formuladiäten schnell abnahm.
Im Vergleich zeigte sich, dass beide Gruppen gleich hohe Erfolgsaussichten hatten und unabhängig von der Methode des Abnehmens der Rückfall – also der JoJo-Effekt – gleichermaßen oft zuschlug.

Begriffserklärung:

Formula-Diäten sind all jene Diäten, bei denen Mahlzeiten, teilweise oder komplett, weggelassen und durch Nährstoffdrinks in Form von Pulver (angerührt in Wasser, Milch oder Saft) ersetzt werden.

So viel dazu.

Diese Studie macht nun mächtig Wirbel.
Warum eigentlich?
Weil sie aussagt, dass Formuladiäten doch gar nicht schlecht sind und man sehr wohl sehr gut mit diesen abnehmen kann ohne dass der JoJo-Effekt auftritt?!

Ähm… ÄHM…
NEIN!

Ich weiß ja, dass sich das verlockend anhört aber genau das sagt die Studie nicht.
Diätplattformen und ganz besonders die Formuladiätenhersteller selbst machen zwar genau das aus der Studie, in Wirklichkeit sagt sie aber nichts anderes als:

Es ist nicht wahr, dass „schnelles abnehmen“ immer im JoJo-Effekt endet, langsames abnehmen kann das sehr wohl auch.

Oder ganz kurz: Die Geschwindigkeit sagt erst einmal nichts über die Nachhaltigkeit.
Denn:

Auch wenn also nun gern so getan wird, als wäre diese Studie in irgendeiner Weise Aussagekräftig darüber, dass man toll mit Pülverchen und co abnehmen kann, bleibt doch leider das Kleingedruckte der Studie unerwähnt.
Ich hole das mal nach:
Alle Probanden hatten in der Studienphase engmaschige Betreuung von Ernährungstherapeuten/Ernährungsberatern, Psychotherapeuten und sportelten kräftig.
Sie wurden betreut, führten Gespräche und co.
Und nachdem sie den Umgang mit Essen und alles Mögliche über Ernährungsweise und auch ihre eigene Psyche erfuhren und erlebten, hielten sie entweder ihr Gewicht oder nahmen zu.

AHA!

Also wartet. WENN ich also nebenbei noch lerne, wie das denn alles so ist mit dem Essen, die Möglichkeit habe mich selbst zu hinterfragen und ein Therapeut mir noch dabei hilft zu beleuchten, wofür mein Übergewicht eigentlich steht oder gut ist, dann stehen die Chancen gut, dass ich nachhaltig abnehme, egal womit ich angefangen habe?
Betonung liegt übrigens auf angefangen. Denn auch die Formula-Diätler fasteten nicht modifiziert die ganze Zeit sondern legten mit den Pülverchen nur los und gingen dann – wie es immer so ist mit dem Zeug – wieder zu fester Nahrung über.

Ja. Ganz genau. Dann nimmt man ab.
Und vielleicht auch wieder zu.
Aber mit einem Pülverchen hat dies wenig zu tun.
Hinzu kommt, dass Formuladiäten eine ganz grundlegende Problematik beherbergen: Sie sind schlechte Lehrmeister.

Wenn ich ein Problem damit habe in einem gesunden Maße mit Essen umzugehen,
sei es, weil ich zu viel, zu unregelmäßig, zu unkontrolliert, zu reichhaltig, zu einseitig esse oder gleich all diese Faktoren auf einmal mein Eigen nenne, dann ist die Lösung für mein Problem nicht das Weglassen von allen Lebensmitteln nur um bloß nicht in Versuchung zu geraten.
Es geht darum, einen Umgang mit dem Essen zu finden.
Wer abnehmen will, muss essen!

Es geht darum, die Frage zu beantworten warum man eigentlich isst.
Denn niemand der Kcal in sehr gehobenen Mengen zu sich nimmt hat auch wirklich körperlichen Hunger im gleichen Maße.
Aber wenn der Körper keinen Hunger hat, wer dann?
Warum esse ich?
Und warum esse ich eigentlich ausgerechnet das hier?
Und warum davon dann so viel?
Warum kann ich so schlecht Nein sagen und was treibt mich ständig in die Küche?

Abzunehmen ist so viel komplexer und tief gehender als nur die Frage nach Kcal.
Es geht um Verhalten und Sichtweise, Einstellung und Lernverhalten, Leben und Erlebnisse…

Es ist ja nun nicht so, dass alle dicken Menschen so super gerne übergewichtig sind und deswegen nichts Besseres zu tun haben als zu futtern.

Dieser Zustand in dem ich persönlich mich befinde ist keiner, den ich sonderlich erstrebenswert finde.

Auch ich möchte da raus.
Warum also handhabe ich als dicker Mensch mein Essen, wie ich es handhabe, wenn ich doch was anderes anstrebe.
DAS ist die eigentliche Frage und nicht: Wieviel Gramm von dem Pulver müssen nun eigentlich auf 250ml Wasser, Schatz?“

Zu essen und der Umgang mit Lebensmitteln ist eine Sache, die wir über die Jahre aus den unterschiedlichen Gründen gelernt, verlernt, ersetzt und neu gelernt haben.
Von einer Idee über die nächste Diät hin zur übernächsten Ernährungsmaxime.Immer auf der Suche nach „der richtigen Art sich zu ernähren.“ Wenn Essen also etwas ist, das wir als Übergewichtige nicht so recht gekonnt beherrschen, was genau lernen wir dann im Bezug auf Essen und Ernährung, wenn wir Shakes trinken? *umguck*
Zunächst einmal gar nichts.
Und später dann… ja ne wartet… ich habe gerade mal nachgeschaut… nein, nein es bleibt dabei: Nichts.

Wir lernen nicht wie wir essen sollen und auch nicht, wie wir mit Lebensmitteln umzugehen haben. Wir lernen aber auch nichts über uns.

Beantworten keine der oben gestellten Fragen.
Wir nehmen einfach nur ab.
Das an sich, Ladys and Gentleman, ist aber kein Kunststück – Abnehmen ist Physik.
Wenn man kaum Energie zuführt und vor allem weniger als man grundlegend verbraucht, nimmt man eben ab.

Da kann man auch 3 Eierkartons am Tag essen.
Klappt auch.

Übergewichtige Menschen – und gerade stark übergewichtige Menschen – haben kein Problem damit, dass sie nicht wissen, dass Schokolade mehr Kcal hat als eine Kiwi.
Und auch ist es nicht so, dass der „Schwung“ fehlt, man erst einfach mal 5kg abnehmen muss und dann läuft das schon weil es uns fetten Säcken lediglich an Motivation, Disziplin und Durchhaltevermögen hapert und wenn das Pferdchen (die Kilos) erst einmal läuft, dann geht der Rest wie von selbst.

Abnehmen ist mehr als ein Kcal-Defizit.
Nahrung ist Leben!
Und zu essen sollte mehr sein als bloße Existenzerhaltung oder Figurangleichung.

Also bitte, wenn ihr nun auch gerade die verheißungsvolle Radiowerbung hört, welche euch sagt, dass „ich und meine Freundin Tina haben schon 12 Pfund abgenommen“ und dieses „ganz leicht und ganz ohne zu hungern“ dann bedenkt bitte dass „das tollste daran, es ist ganz ohne JoJo-Effekt“ nichts anderes ist als teurer Schindluder mit den Wünschen all jeder die es doch (und das hätten wir doch alle SO gern wenn wir mal ehrlich sind) so gern bis gestern schlank wären.

Denn diese Studie sagt nicht, dass Formuladiäten toll sind, schlank machen und man nachhaltig sein Gewicht verliert.

Sie sagt lediglich, dass man, ganz gleich wie schnell oder langsam man abnimmt, man stets weitere Unterstützung und Wissen im Bezug auf sich und sein Essverhalten braucht um am Ende gestärkt und siegreich aus einer Abnehmphase hervorzugehen.

Ob schnell oder langsam ist da egal.

Das und nichts anderes sagt diese Studie.

Also…
…Don’t Believe The Hype!

Nicole