Kennt ihr Hamburg?

Ich bin gebürtige und lokalpatriotische Hamburgerin.
Mit anderen Worten bin ich tief in meinem Innersten so eine Mischung aus Wickingerbraut und Pirat.

Gut, ich habe es nie geschafft den Segelschein zu machen, weil ich nach dem gefühlten 27. Mal von der Jolle, gekonnt sowie unschön, elegant ins Wasser gefallen bin und dann die Segel strich – im wahrsten Sinne und das mit der Augenklappe lassen wir auch lieber mal.
Ich bin schon Brillenträgerin, das muss langen.

Dennoch liebe ich meine Stadt und es gibt viele tolle Dinge hier.
Die Hamburger selber, der Hafen, das ganze Wasser, dass wir mehr Brücken als Venedig haben, dass die Hamburger als abweisend gelten aber in Wirklichkeit ganz warme Menschen sind – wie wir wohl alle, hm?!
Oder aber der Fischmarkt, die Speicherstadt, dass man hier immer ein Taxi bekommt, dass wir alternative Viertel haben die nun „Hipp“ sind und ganz unhippe Viertel, in denen es wirklich alternativ ist.
Seefahrerromantik auch wenn hier kaum einer jemals auf einem Schiff war.
Streng genommen spielen wir alle Schifferklavier und wenn ich mal ein paar Wünsche frei habe, dann möchte ich einen Shanty-Chor, bestehend ausschließlich aus Männern ab 55j., blaue Hemden, Halstuch und tiefen stimmen die meine Stimmung besingen.
Unser DOM ist ein Jahrmarkt und unsere Kirche heißt „Michel“.
Das was viele für unser Wahrzeichen haben ist der Telemichel – oder auch Fernsehturm genannt – nur dass das nicht unser Wahrzeichen ist.
Bismarck steht hier riesig rum, wir haben DEN Kiez und die Reeperbahn ist nicht halb so kriminell, wie man es immer denken mag…
Und so könne ich Tagelang weiter machen.

Und dann gibt es die Dinge, die hier echt nerven.
Wenn jetzt einer Elbphilharmonie sagt, muss er übrigens in die Ecke und sich 2 Tage lang schämen!
Ganz Hamburg ist ständig eine Baustelle, wir müssen jedes Wochenende Großveranstaltungen austragen, welche die halbe Stadt lahm legen.
Ganz vorn mit dabei sind dann aber auch die „Lass mal als MEGA IDEE für den Junggesellenabschied nach Hamburg fahren, erst DOM, dann Kiez“ Fraktion, die wie eine Art Grippewelle jedes Wochenende die Straßen überfluten.
Mit Perücken und in Penis-Kostümen.
Findet man das echt witzig?
Diese Stadt gibt Unmengen an Geld aus und leidet dennoch an Wohnungsmangel.
In Kombination mit Leerstand.
Einfach alles hier ist teuer und es ist egal wo man in HH hin will, man braucht im Regelfall immer 60min.

Immer!
Und das ist einer der vielen Punkte, warum ich mich vor ein paar Wochen auf die Suche nach einer Praxisimmobilie machte.
Wenn ich nicht gerade durch meinen Blog schwimme, verdiene ich mein Geld als Ernährungsberaterin, ergo das Coachen von übergewichtigen Menschen und nun stand ich da, mit meinem angenähten Hals und suchte eine passende Immobilie.
Passend zu mir, passend zu der Thematik, Passend zu allem eben.
Im Erdgeschoss bitte, mit Küche wenn es geht – kann ja nicht schaden, wenn man schon über Ernährung und abnehmen spricht – mit Platz und in einer schönen Lage.
Bezahlbar gern, damit ich keine utopisch überdimensionierten Preise veranschlagen muss. Ein wenig hübsch. Gut zu erreichen. Schön hell vielleicht. Und Parkplatzmöglichkeiten. Und…

Naaaaaaaaaaaaaaaaa wenn es denn weiter nichts ist, liebe Nicole.

Himmel!
Ihr glaubt nicht wie anstrengend das in Hamburg sein kann.
Jeder hat Ahnung, aber niemand so richtig.
Und wenn man was haben möchte, dann nicht unter einer Million Euro als Grundlage.

Hey! Ich will eine Praxis! Ich hatte nicht vor, diese verdammte Stadt zu kaufen!
(Und wenn, dann reiße ich als erstes diese hässliche Elbphildisharmonie ab, so viel ist mal klar!)

Die letzten Wochen waren extrem stressig, weswegen am Ende es sogar hier still wurde und als ich gerade mit einem „Prima. Dann halt nicht! Stelle ich eben ein Zelt in meinen Vorgarten und empfange meine Coachees dort. Mir! Doch! Egal!“ aufgeben wollte, fand ich nicht meine Praxis – meine Praxis fand mich.

Einige bange Nächte ob ich diese nun wirklich bekomme oder nicht liegen hinter mir und ich glaube, ich bin um ein paar Jahre gealtert und habe in meinem Kopf sehr vielen Menschen sehr schlimmes angetan, damit sie mir bloß nicht „meine“ Räume wegschnappen und am Ende hat es geklappt.

Gestern wurden von allen Seiten die Verträge unterschrieben und wenn jetzt nichts mehr schief geht, dann eröffne ich am 01.11.2014 meine kleine aber muckelige Praxis im schönen Hamburg Eppendorf.

Und weil das so nervenaufreibend war und weil ich mich so tierisch darüber freue und gerade alle knutschen könnte, soll mein Blog dies nun mit mir teilen.

Oder, wie ich bei der letzten Vertragsunterzeichnung schon sagte:

Da ist das Ding!
Neu, frisch feat. Maracujasaft-Schorle.
Oder mit anderen Worten:

Darf ich vorstellen: Meine Praxis.
(In Papierform – nun stürme ich erst einmal Einrichtungsgeschäfte…)

2014-09-10 17.13.19

Wenn ich eingerichtet bin, eröffnet habe und mal jemand in Hamburg und/oder auf der Ecke ist – schaut mal bei mir rein. 🙂

Und irgendwann… irgendwann kaufe ich die Elbphilharmonie und fülle diese mit Pudding!

Nicole.

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