Ich werde, gerade in letzter Zeit immer wieder auf zwei Dinge angesprochen – abgesehen von meinem Gewicht natürlich.
Das eine ist, dass ich behaupte:
„Wer abnehmen will, muss essen!“
Und das andere ist, dass ich mich sehr klar gegen Diäten ausspreche.

Beides stimmt.
Ich erkläre mal, warum das so ist:

Abnehmen ist Krieg!
Zumindest für den Körper.
Mein Körper jedenfalls möchte nicht abnehmen.
Deiner übrigens auch nicht.
Niemals!

Zwar möchte man selbst Kilos verlieren und es wäre auch sicher vorteilhaft für die Gesundheit, die Knie und den Kleiderschrank aber das ist dem Körper doch mal vollkommen Banane.
Der will das ganz sicher nicht – zu keiner Zeit!

Und bei dem Versuch möglichst wenig an Masse hergeben zu müssen ist der menschliche Körper zu erstaunlichen Dingen imstande.
So zum Beispiel sein „Hilfe! Es ist Krieg oder so was! Von Mir bekommst Du so wenig wie möglich!“ – Programm.

Auch genannt: Der Hungerstoffwechsel.

Witzigerweise ist dieser super wichtig wenn es darum geht abzunehmen, viele kennen aber nur seinen pickeligen, schlecht angezogenen und mega nervigen, pieps-stimmigen Cousing den er immer mitbringt wenn er erst einmal da ist: Den JoJo-Effekt.

Der Hungerstoffwechsel entsteht dann, wenn die negative Kcal-Bilanz, also die eingesparten Kcal unterhalb des Gesamtumsatzes, längere Zeit mehr als 500kcal beträgt. (Der Link birgt eine kurze Begriffserklärung von Grund- und Gesamtumsatz).
Zu Veranschaulichung vereinfacht dargestellt:

Wenn der Körper bei einem bestimmten Menschen 1500kcal am Tag verbrennt und dieser dann weniger als 1000kcal zu sich nimmt um möglichst schnell, möglichst viel Gewicht zu verlieren, kommt es zum Hungerstoffwechsel.

Eeeeeigntlich ist der Hungerstoffwechsel etwas gutes und sehr wichtiges.
Er half über etliche Jahre der Menschheitsgeschichte hinweg dabei, uns durch schwierige, Nahrungsarme Zeiten zu bringen und sorgte so für unser Überleben – sehr erfolgreich, wie man sieht.
Der Hungerstoffwechsel ist also eine Art Notfallprogramm für schlechte Zeiten.
Und mit schlechte Zeiten meint unser Körper: Zu wenig Energieaufnahme.

Was passiert dann:
Entgegen der Annahme, dass man, wenn man möglichst wenig isst, ganz schnell ganz viel Fett verliert, weil der Körper ja an seine „Reserven“ muss, baut er in erster Linie etwas anderes ab:
Eiweiß. Und zwar in Form von Muskelmasse.
Und das ist vom Körper auch so gewollt, denn Muskeln verbrauchen auch in Ruhe viel Energie. Bekommt der Körper aber nicht genug Energie von außen ist es nicht so, dass er um die gleiche Leistung zu bringen einfach verbrennt was er hat sonder er senkt seine eigene Leistung herab und erreicht dadurch eine Energieeinsparung.

Genau genommen wäre es auch nicht sonderlich klug vom Körper gleiche Leistung bei weniger Energiezufuhr weiter zu erbringen, denn im Gegensatz zu uns weiß er nicht wann es das nächste Mal wirklich wieder genug zu essen gibt.
Also spart er lieber ein, man kann ja nie wissen…
Und so spart der Körper zum einen Energie und verhindert durch die schwindende Muskelmasse auch, dass unnötige Aktivitäten angegangen werden.

Die verbleibenden Muskeln reichen zwar durchaus noch über eine lange Zeit hinweg für den Alltag, aber nicht mehr für „überflüssige“ Aktivitäten.

Für all die Eiweiß-Diät-Verfechter habe ich nun eine schlechte Nachricht:
Die Annahme, es gäbe Diäten, die durch die hohe Eiweißzufuhr keine Muskelmasse abbauen würden ist schlichter Mumpitz.
Selbst mit viel Eiweiß und Sport wird der Körper bei zu wenig Energiezufuhr zuerst und sehr weitreichend den Muskelabbau starten.
Darüber hinaus wird beim Hungerstoffwechsel der gesamte Stoffwechsel gebremst und heruntergefahren. Der Körper möchte damit überall wo es möglich ist Energie einsparen.
Als nächstes senkt sich dann die Körpertemperatur und die Organe werden nur noch mit dem Nötigsten versorgt und auch sonst fühlt man sich eher etwas schlapp.

Das klingt sehr radikal und das ist es auch.
Aber auf diese Weise wird ein großer Teil Energie eingespart.

Der Körper ist tatsächlich in der Lage seinen Grundumsatz auf die Hälfte des normalen Wertes zu verringern. Die Hälfte!! Unglaublich.
Sowas passiert übrigens gerne mal bei Fastenkuren oder einer dieser schönen „Null-Diäten“ oder der ganzen Pulver-Diäten die selbst über den Tag nicht mehr als 800-900kcal haben.

Natürlich verliert man mit der Zeit auch Fett allerdings viel weniger als man es eigentlich sollte und möchte und das dumme an diesem Hungerstoffwechsel und dem Muskelabbau ist, dass damit automatisch der Grundumsatz sinkt.
Weniger Grundumsatz heißt weniger Energieverbrennung heißt weniger Abnahme bei gleicher Leistung.
Wie ätzend ist das denn? Man isst nichts und nimmt dennoch nach und nach immer langsamer ab?!
Genau das ist der Fall.

Jetzt ist es aber nicht so, dass man das Problem mit „einfach wieder mehr essen“ behoben hätte.
Nach nur 3-5 Tagen stellt sich der Stoffwechsel auf die „Hungerphase“ ein.
Das ist übrigens eine seeeeehr kurze Zeit. Gerade dann wenn man bedenkt, dass viele Diäten über Wochen gehen.
Ist der Hungerstoffwechsel erst einmal eingetreten, kann man den nicht so einfach wieder auf „Normastand“ bringen indem man mehr isst.
Ganz im Gegenteil.
Wie schon gesagt, der Körper denkt es sei Krieg, der Stoffwechsel bleibt unten, die Muskeln sind zumindest in Teilen abgebaut – also das was Energie verbrennen könnte ist nicht mehr derart stark vorhanden. Und weil Krieg ist oder Hungersnot oder wir wohl in einer Bergspalte festhängen und nichts zu essen bekommen (Der Körper sieht ja nicht direkt was Phase ist) und der Körper nichts bekam, nimmt er nun alles – ohne dass der Stoffwechsel angefeuert wird – und lagert es ein.
Übrigens: Dort wo voher noch Muskelmasse war, ist nun Platz für Fett. Irgendwie sehr ungünstig. Für unser Spiegelbild zumindest.
Für unseren Körper ist das allerdings gut, weiß er doch nicht, wie lange die „schlimme Zeit“ noch anhält.

Das was dann passiert ist relativ einfach: Wir nehmen viel mehr Kcal zu uns als unser reduzierter Stoffwechsel verbrennt und nehmen in kürzester Zeit ordentlich zu. Dabei müssen wir gar nicht mehr essen als VOR der Diätphase. Da unser Stoffwechsel aber derweil im Keller sitzt und schmollt, setzt auch das Essverhalten von vorher mächtig an.
Das nennt man dann den JoJo Effekt.
Und weil wir doch in dieses schicke neue Kleid oder die Hose passen wollten, beginnen wir als Reaktion darauf mit der nächsten Diät…

Der Körper reagiert allerdings mit Fettaufbau. Er ist nun gewarnt, muss vorsorgen für schlechte Zeiten. Für die nächste Hungersnot.
Und so komisch das klingen mag, gerade Menschen die sehr häufig diäten machen genau das. Sie geben ihrem Körper das Gefühl dass eine Hungersnot sich an die nächste reiht.
Der Körper unterdes lernt von Mal zu Mal dazu und weiß, dass es wieder passieren wird.
Also lernt er, diese Phasen besser zu überstehen und legt zu diesem Zweck mehr Fettpolster an.
Das Resultat daraus:
Von Diät zu Diät wird es schwerer Gewicht zu verlieren, der Grundumsatz wird von Mal zu Mal niedriger und am Ende passiert das hier:

„Ich habe schon alles probiert aber nichts hilft mehr! Ich werde sogar schwerer!“

Das Gefühl schon kaum noch was zu essen und dennoch nicht abzunehmen oder eben nur sehr langsam wird übergewichtigen Menschen oft nicht geglaubt, entspricht aber durchaus oft der Wahrheit und ist nicht bloß reines Hirngespinst.
Dick durch Diäten, das geht also tatsächlich.

Für alle, die nun bereits panisch kreischend in ihre Tastatur beißen eine kleine Entwarnung:
Das bekommt man wieder in den Griff.
Und zwar mit, jetzt kommt’s dicke, Achtung nicht erschrecken: Essen.

Um sich aus diesem Kreislauf zu lösen muss man seinem Körper Energie anbieten.
Und zwar nach und nach.
Wenn man Kcal reduziert, dann nicht weiter als 500kcal unter dem Gesamtumsatz. 500Kcal am Tag ergeben 3500 eingesparte Kcal die Woche was in etwa der Energie eines halben Kilogramm Fett bedeutet. Dazu etwas Sport und man darf sich über das Wiegeergebnis freuen.
500g Abnahme die Woche klingt immer sehr wenig, aufs Jahr sind das dann aber auch 24kg und das ist eine ausgezeichnete Zahl.

Und deswegen, um die Frage vom Anfang aufzugreifen sage ich immer wieder hier und auch allen mit denen ich im Coaching arbeite stets:

Wer abnehmen will, muss essen!
Denn wer aufhört zu genießen wird ungenießbar!

Und ja, das ist mein vollster Ernst!
Satt und zufrieden zu sein ist nicht nur für die Seele wichtig sondern auch ganz elementar für einen gesunden Stoffwechsel und eben ein wichtiger Punkt beim erfolgreichen abnehmen.
Und ausserdem macht hungern so schlechte Laune.
Mir jedenfalls.
Oder um es mit der Stimme einer bekannten Werbung zu sagen:
Immer wenn Du hungrig bist, wirst Du zur Diva.
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In diesem Sinne:
Einen genussreichen Abend Euch!
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Nicole