Ich weiß zwar nicht warum aber irgendwas hat meinen Ananas-Beitrag gefressen.
Plötzlich weg.
Vielen Dank an die aufmerksamen Leser, welche mich darauf hinwiesen.
Hier noch einmal das Thema Diätmythen im Bezug auf die Ananas.

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Ich habe festgestellt, man sollte viel öfter das Wort „Ananas“ sagen.
So wie ich hier heute gefühlte 400x.
Los geht’s:
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Diäten gibt es wahrscheinlich genau so viele, wie es fette Menschen gibt und jede Einzelne verspricht Wunder.
Was man da nicht alles essen und nicht essen kann – verrückt.
Gern genommen sind dabei Diäten, die in der kürzesten Zeit die meisten verlorenen Kilos versprechen und dabei auch noch gesund sind. Und davon gibt es massig!
Dabei wird immer mit genau diesen Eigenschaften geworben die eigentlich gleich verraten, dass da was nicht stimmt. Man nimmt entweder gesund ab oder man nimmt schnell ab aber „gesund“ und „schnell“ sind zwei Begriffe, die sich im Zusammenhang mit einer Abnahme gegenseitig ausschließen.

Ich widme mich heute wie versprochen mal einer Diät, von der zumindest jeder von uns schon einmal gelesen hat:
Die Ananas-Diät.

Worum es bei der Diät geht liegt bereits im Namen. Um Ananas! Und zwar nur um Ananas.
Gegessen werden sollen so 2-3 Kilo Ananas, ausschließlich frische bitte, kein Dosenobst und sonst nichts. Und dazu darf es Wasser, ungesüßte Tees und, Überraschung, Ananassaft geben!
Ananas soll angeblich dabei helfen, schnell und sichtbar abzunehmen. Dabei gilt die Ananas als wahres Diätwunder. So soll sie nebst super gesund auch noch reichlich unterstützend sein und Enzyme mitbringen, die Fett verbrennende Eigenschaften haben und entschlacken sowie entgiften.

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Toll diese Ananas!
Was die alles kann!
Und dann ist die auch immer so gut frisiert!

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Die Dauer der Diät ist dem Diätenden selbst überlassen, sollte aber laut Hinweis nicht zuuuu lange gemacht werden. Was hier „zu lange“ heißt ist auch wieder schwammig.

Schauen wir uns diese Wunderfrucht doch einmal an.
Ein Kilo Ananas hat etwa 560kcal.
Wenn wir davon ausgehen, dass man laut Anleitung 2-3kg Ananas am Tag essen soll, kommt man am Ende des Tages auf etwa 1120 – 1680kcal. Gerundet.

Für die Meisten von uns heißt dies, dass die Ernährung unterkalorisch ist, also wir unter dem Grundumsatz des Körpers bleiben.

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Kleine Begriffskunde:
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Der Grundumsatz, auch basale Stoffwechselrate oder Ruhe-Nüchtern-Umsatz genannt, ist der Wert, der beschreibt, wie viele Kcal der Körper verbraucht ohne dass wir groß etwas unternehmen. Berechnet aus Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht sagt der Wert uns also, was unser Körper mindestens verbraucht, bei absoluter Ruhe, im liegen, normaler Temperatur und mit leerem Magen, um uns „aufrecht“ zu erhalten.

Der Gesamtumsatz ist der Wert der sich aus dem eben beschriebenen Grundumsatz plus Energieumsatz/Leistungsumsatz berechnet, also der Wert, der beschreibt, wie viel wir verbrennen, wenn wir die Tagesaktivität (Arbeit, Sport etc.) mit einbeziehen.

So hat ein ausschließlich bis überwiegend sitzender Mensch mit kaum bis wenig Bewegung (Büroarbeit beispielsweise) einen anderen Gesamtumsatz als einer, der schwer körperlich arbeitet (Maurer, Schreiner etc.). Hinzu kommt dann noch der Einsatz von Sport und sonstiger Bewegung.

Soweit nicht weiter schwer.
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Der individuelle Energiebedarf und Grundumsatz muss also jeder für sich berechnen.
Generell gilt, je größer und schwerer ein Mensch ist und je stärker die körperliche Aktivität ist, desto höher sind Grundumsatz und Gesamtumsatz.
Ich helfe aber auch gerne dabei das individuell zu berechnen, sollte jemand Fragen haben.

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Laut aktuellen Zahlen wird grob davon ausgegangen, dass eine Frau mittleren Alters etwa 2300kcal und ein Mann im gleichen Alter etwa 2900kcal als Richtwert für den Gesamtumsatz veranschlagen kann. Die Werte gelten für Personen mit leichter körperlicher Tätigkeit.

Wie wir es also auch drehen und wenden, selbst wenn man die empfohlenen 2-3kg Ananas tatsächlich aufgefuttert bekommt, bleiben wir weit unter dem veranschlagten Energiebedarf und nehmen zwangsläufig ab.

Tadaaaaaaaa…

Das Ganze nennt sich dann: Negative Energiebilanz und ist schlicht das, was zusammen mit Sport zu einer Abnahme führt.
Nehmen wir weniger an Energie zu uns als wir über den Tag verbrauchen, muss unser Körper den Rest der benötigten Energie aus seinen Reserven holen.
In meinen Fall sind die Reserven in Form von Ringen und Polstern, praktisch und handlich, rund um und an meinem Körper angebracht.

Magisch, nicht wahr?!

Dazu braucht es übrigens nicht die Ananas.
Das geht mit jedem anderen beliebigen Lebensmittel auch.
Und hier ein kleines Geheimnis: Was das Abnehmen angeht (und nur das, den Gesundheitsaspekt beleuchte ich in diesem Satz nicht) ist es egal, was wir essen.
Ich kann auch jeden Tag Pizza oder Schokolade essen und nehme damit ab, immer vorausgesetzt ich kann am Ende des Tages eine negative Energiebilanz aufweisen.
Getreu dem Motto: Die Menge macht das Gift.
Dass wir uns vorzugsweise ausgewogen ernähren sollen und dass das dann mit der Abnahme auch besser klappt ist unbestritten aber hey, reden wir hier über ausgewogene Ernährung oder reden wir über die Ananas-Diät?!
Also bitte!!

Wie ich schon sagte, abnehmen ist zwar nicht einfach aber ein Hexenwerk ist es nun auch wahrlich nicht.

Das also zur Energie von Ananas.
Nun ist da ja aber noch dieser Clou an der Ananas.
Das goldene Einhorn mit den glitzernden Fürzen.
Ihr wisst schon, der heilige Gral der Abnehmeritis.
Das sagen umwobene Enzym, welches Fett schmelzen lässt.
Einfach so. Zack!
Und nebenbei ist die Ananas auch noch fürchterlich gesund.
Echt jetzt?!

Ich lüfte mal das Geheimnis.
Das Enzym von dem hier die Rede ist heißt Bromelain,

Bromelain aus der Ananas soll die Fettverwertung im Körper verhindern.
Wenn Fett nicht verwertet wird, scheiden wir es aus ohne dass es ansetzt.
Soweit die Theorie.
Und da die Ananas ja eine Wunderwaffe ist gilt dies nicht nur für die Ananas-Diät an sich sondern

man kann als Folge der Aufnahme von Ananas nach Lust und Laune fettreich essen und nimmt trotzdem nicht zu.


An dieser Stelle ein herzliches: Bullshit!

Ananas ist unumstritten gesund, keine Frage und das Enzym existiert in der Ananas tatsächlich und es ist in der Tat ein Gesundheitsförderer. So beeinflusst es beispielsweise positiv die Fließfähigkeiten des Blutes und wirkt im Rahmen gegen Entzündungen und durch den hohen Wasseranteil wirkt die Ananas harntreibend und so weiter.
Aber mit dem Fett hat die Ananas nur wenig am Hut. Die Enzyme sind zwar vorhanden, werden beim Verdauungsvorgang allerdings inaktiviert. Wenn die Bruchstücke der Ananasenzyme in den Darm gelangen, sind sie also bereits wirkungslos. Dummerweise müssten sie aber genau hier in irgendeiner Form wirken, um die Fettaufnahme zu beeinflussen denn mehr als 75% der Fettaufnahme aus der Nahrung in den Körper passiert im Darm.

Tjoa. Schade!
Aber bis hierhin war das doch ein tolles Ananas-Märchen!

Was also passiert denn nun bei der Ananas-Diät und warum nehmen wir in der Zeit tatsächlich was ab – zumindest ist für kurze Zeit die Zahl auf der Waage kleiner?


Nun, abgesehen von der oben beschriebenen Energiebilanz besteht die Ananas grob gesagt aus viel Wasser und ein Bisschen Fasern. Das klingt etwas unromantisch und sicher hat sie noch 2812 andere Bestandteile aber ich bin kein Lebensmittelchemiker sondern der Erklärbär der Woche, ich nehme also an, ihr verzeiht mir die Grobschlechtigkeit meiner Aussagen.
Wir essen also viel Ananas, der Magen hat zu tun, wir rennen oft ins Bad weil wir ständig müssen und am Ende der Woche haben wir wunde Lippen, die Zunge ist etwas taub, wir schauen beim Shoppen vorher auf den Lageplan in welchem Abstand die öffentlichen Toiletten liegen und freuen uns, dass die Waage 3kg weniger anzeigt.
Und weil uns das so beflügelt, machen wir das noch so 2-3 Tage bis wir aus Versehen unserem Partner im Vorbeigehen den Kopf abgebissen haben – „Das war nicht so gemeint Schatz, ich hab nur echt miese Laune und Hunger…“


Was man bei der Ananas-Diät also tatsächlich verliert ist die Lust auf Ananas und zu einem Großteil Wasser, Darminhalt und die gute Laune.

Bei allen Kurzzeit-Abnahme-Projekten könnt ihr davon ausgehen, dass der Verlust weniger Körperfett als vornehmlich Wasser ist.
Nun ist es ja blöderweise so, dass wir nicht morgens aufstehen und sagen:
„Ach Guck! Es ist ein wundervoller Tag um damit zu beginnen, für den Rest meines Lebens nur noch Ananas zu essen!“ Ergo fangen wir irgendwann wieder an zu essen wie zuvor.
Im Anschluss an die Diät haben wir nichts gelernt. Weder etwas über unser Essverhalten noch darüber, wie man mit Lebensmitteln umgeht und so schaufeln wir wieder fröhlich alles ins uns rein bis wir feststellen, dass wir nicht nur alles wieder zugenommen haben sondern auch noch 2-3kg mehr wiegen als vor der Diät. Heureka!

Dass wir so ganz nebenbei auch noch unseren Stoffwechsel ins Nirvana katapultieren, der Körper auf „Ach Du scheiße, ist Krieg oder was? Okay, wenn es nichts gibt, dann verbrenne ich besser erst einmal weniger…“ umgestellt wird und wir uns das JoJo-Gespenst ins Haus holen, muss ich vermutlich nicht weiter erwähnen.

Übrigens: Unser Stoffwechsel braucht etwa 5 Tage um sich an die aktuelle Ernährungssituation einzustellen. 5 Tage um alles falsch zu machen, was man falsch machen kann.
Und sobald man dann wieder „normal“ isst, hat man es erst einmal mit einem Stoffwechsel zu tun, der dennoch auf Sparflamme verbrennt. Nur dass die „Reserven“ dennoch eingelagert werden denn der Körper weiß ja nicht, wann man mal wieder auf die gnadenlos bescheuerte Idee kommt, sich 2 Wochen lang nur von diesem Faserzeug mit lecker Enzymen zu ernähren.

Mein Fazit:

Tut! Das! Nicht!
Ich habe es schon getan und ausser einem wunden Mund brachte es natürlich absolut gar nichts.
Ausser die nächste Diät und mehr Verzweiflung und den Irrglauben, außer mir können alle abnehmen, steht da ja, nur ich packe es nicht.

Und mit der nächsten Diät kam das nächste Problem und nach ein paar Jahren war ich nicht nur so fett, dass ich mich kaum noch bewegen konnte, ich war auch noch am Ende mit meinen Nerven und mein Stoffwechsel fuhr auf absoluter Sparflamme.
(Daher kommen übrigens auch die Annahmen, man könne essen was man wolle, man würde ja immer gleich zunehmen – Aber dazu ein anderes Mal mehr.)

Also lassen wir die Ananas Ananas sein und nehmen sie als das, was sie ist.

Ananas ist toll!
Esst Ananas wann immer ihr wollt!
Und natürlich füllt Ananas den Magen – das tut ein Taschentuch aufgelöst in einem Glas Wasser aber auch – das an sich ist also kein Qualitätsmerkmal.
Sie hat viele Vitamine, das Enzym hilft zwar nicht beim abnehmen, hat aber sonst gute Eigenschaften und dazu ist die Ananas noch eine vielseitige, sehr schmackhafte und super sinnliche Frucht die ausgesprochen toll riecht und herrlich leuchtet!
Her damit! Tausendfach. Gern zwischendurch als Snack oder wann immer euch danach ist.
Aber diesen Blödsinn mit der Ananas-Diät, da macht lieber einen riesen Bogen drum.
Es kostet euch am Ende nur Geld, Zeit und Tränen bis Wutanfälle… zugegeben, die verbrauchen dann auch Kcal aber… Ihr wisst was ich meine!

Die Idee zu diesem Thema kam mir übrigens als…
In diesem Sinne: