Moin Kinners!
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Wenn man meine Freunde fragt, was für einen Trend ich zuletzt mitgemacht habe werden sie sich sehr wahrscheinlich fragend ansehen und Dinge sagen wie: „Äääh… war da nicht mal diese Stickersammlungsaktion… hier da… du weißt schon… 1996 oder so, ich glaube davon hatte sie auch welche… oder?“
Mit anderen Worten: Ich bin total uncool.
Und nicht nur das, ich bin auch noch untrendy.
Ganz besonders dann, wenn es darum geht, einem Ernährungstrend hinterher zu laufen.
Mein absoluter „Lieblingstrend“ dahingehend ist aktuell tatsächlich die ganze LowCarb und NoCarb Bewegung.
Zu deutsch: Wenig bis keine Kohlenhydrate.

Ich habe das früher auch mal ausprobiert.
Natürlich.
Immerhin wird es einem ja immer geraten.
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Zuerst bekam ich Kopfschmerzen, dann schlechte Laune und wenn ich noch ein bisschen länger gewartet hätte, hätte ich vermutlich auch die Scheidungsunterlagen zugesandt bekommen.
Mit anderen Worten:
Ich liebe Kohlenhydrate und was noch viel schlimmer ist – der Trend ist mir vollkommen egal, ich halte ihn sogar für nicht sonderlich brauchbar.
Warum möchte ich erklären.
Bei der Frage, wie ich das bisher mit dem Gewicht geschafft habe kommt so gut wie immer das Thema ganz schnell von Diäten auf den aktuellen Ernährungstrend und das meistens so: „Aber Kohlenhydrate sind schlecht! Oder?“

Meine Antwort darauf ist ebenso simpel wie wohl oft verwirrend:
„Nö, sind sie nicht. Ich habe die letzten 160kg mit Nudeln abgenommen.“

Das stimmt. Wenn auch nicht ganz, ich habe natürlich auch allerlei anderen Kram gegessen und bei weitem nicht nur Nudeln.

Was der Satz allerdings zum Ausdruck bringen soll ist meine grundlegende Meinung zum Thema Lebensmittel und Ernährung:
Es gibt keine schlechten Lebensmittel.
Ich weiß, das sehen viele Menschen anders und ich gebe insofern Recht als dass auch ich der Meinung bin, dass es minderwertige Lebensmittel gibt und Dinge, die man evtl. nicht unbedingt auf seinem Speiseplan sehen muss. Ganz ab von der Debatte wie es erzeugt und hergestellt wurde.
Aber generell ist Essen und eben auch das Lebensmittel an sich, etwas das nicht schlecht ist.

Und schon gar nicht nur deshalb, weil es Kohlenhydrate enthält.

In manchen Kreisen lösen die Sätze „Ich bin eine Crack-Hure“ und „Ich mag Nudeln“ nahezu die gleiche, schockierte Reaktion aus.

Warum eigentlich? Was ist denn so schlimm an Kohlenhydraten? Oder ist überhaupt wirklich etwas „schlimm“?
Denn im Zuge des aktuellen Diättrends geht vollkommen verloren, wovon wir hier eigentlich sprechen. Man hört dann immer „denken Sie daran Frau Jäger, lieber langkettige Kohlenhydrate!“ und denkt „Geht klar… ähm… was?“

Dazu ein kleines Experiment dass jeder von euch machen kann.
Jetzt und hier.
Ich schreibe gleich etwas, dann schließt ihr die Augen oder schaut weg und lest dann weiter.
Geht los:

„Schnell! Du hast 5 Sec. Zeit! Nenn mir die ersten 3 Begriffe, die dir zu Kohlenhydrate einfallen. Jetzt!“

Augen zu!

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Augen wieder auf.
Ich wette einiges darauf, dass vielen als erstes mindestens einer dieser Begriffe hier in den Sinn kam:

Brot“
„Süssigkeiten“
„Nudeln“
„Zucker“
„Macht dick“
„Schokolade“
„Müsli“
„Diabetes“
„Insulin(spiegel)“
„Nicht am Abend“

Lasst mich ruhig wissen, wie es bei euch war. 🙂
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Da ganz viele Menschen gar nicht wissen, was Kohlenhydrate überhaupt sind, wo sie vorkommen, wo sie herkommen, was sie machen, warum wir sie überhaupt zu uns nehmen und warum es nun so verteufelt ist und dass sie so viel mehr sind als nur Süßigkeiten oder Brot, setzen wir uns doch einfach einmal mit dem Thema auseinander.
Da das aber viel mit Chemie und Prozessen im Körper zu tun hat, ist das nicht mal eben so aus der Hüfte geschossen.
Ich versuche es also ein wenig wie bei der Sendung mit der Maus zu erklären und hoffe, es ist nicht zu kryptisch.
In der Hoffnung, die wichtigsten Punkte nachvollziehbar und bildreich zu schildern sage ich schon jetzt einmal, dass ich die für dieses Thema wichtigsten Infors heruasgepickt habe. Ansicht kann ich sonst eine ganze Buchreihe nur zu dem Thema schreiben und dann wird das hier ein seeeehr langer Abend.
Los geht’s und bitte keine Scheu, der Ausflug in die Chemie ist kurz und ich erkläre es anschaulich:
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Kohlenhydrate sind keine Erfindung des Teufels oder der Lebensmittelindustrie und sie lösen auch keine Seuchen aus.
Kohlenhydrate bestehen aus Kohlenstoff (C) und Wasser (H2O) und sind uns meistens besser bekannt in ihrer Form als Zucker in den unterschiedlichsten Formen.
Die Formel für Zucker kennen die meisten sicher noch aus der Schulzeit: C6 H12 O6 = Stink normaler Haushaltszucker.
Mir ist bekannt, dass es vom chemischen Aufbau mit mehrwertigen Alkoholen mit einer reaktiven Carbonylfunktion (>C=O), also Hydroxyaldehyde (Aldosen) oder Hydroxyketone (Ketosen) etwas komplizierter und umfangreicher ist als nur schlicht von C und H2O zu sprechen aber da ich weder Chemielehrer bin noch alle in den Schlaf langweilen will, soll diese Beschreibung für die heutigen Zwecke langen.

Verbindet sich also ein Kohlenstoff (C) mit Wasser (H2O) bekommen wir daraus, tadaaaaaaa, Kohlenhydrate bzw. ein Kohlenhydratmolekül.
Unterschieden wird bei Kohlenhydraten unter 4 Gruppen.
Um zu verstehen, was der Unterschied ist und warum einige Kohlenhydrate so verteufelt sind – und war zur Hölle denn bitte nun Lang- und Kurzkettigekohlenhydrate (tolles langes Wort) sind, muss eine kurze Kunde her.
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1.Die Monosaccharide (Einfachzucker).

Die Monosaccharide, also der Einfachzucker, bestehen aus – wie der Name schon sagt – ein einzigen Zuckermolekül. Zu Ihnen gehören Glucose, (Traubenzucker) Fructose, (Fruchtzucker) und Galactose (sogenannter „Schleimzucker“ in der Milch), sind die wichtigsten Zucker des Stoffwechsels und sie sind Energieträger und dienen auch als Zellbausteine.

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2. Disaccharide (Zweifachzucker)

Maltose, Laktose (Milchzucker), Saccharose. (Rohr- und Rübenzucker). Saccharose ist der handelsübliche Haushaltszucker den wir so kennen.
Zweifachzucker heißen sie deshalb, weil schlicht und einfach zwei Monosaccharide (Einfachzucker) zusammengehängt wurden. Zwei Moleküle Einfachzucker ergeben also ein Molekül Zweifachzucker, das ist alles.
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Jetzt wissen wir, dass es verschiedene Einfachzucker gibt. Es gibt Glukose, es gibt Fruktose, usw. Also haben wir verschiedene Möglichkeiten, daraus Disaccharide (Zweifachzucker) zusammenzusetzen. Zum Beispiel gibt ein Molekül Glukose (Einfachzucker) und ein weiteres Molekül Glukose (Einfachzucker) zusammen den Zweifachzucker Maltose. Glukose und Galaktose ergibt zusammen Laktose. So geht das weiter. Glukose und Fruktose ergeben Saccharose.

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3. Die Oligosaccharide
Oligosaccharide, bestehen aus zwei bis neun Einfachzucker.
Beispiele für Oligosaccharide sind die Raffinose, Stachyose und Verbascose und Oligosaccharide
kommen vor allem in Hülsenfrüchten wie Erbsen und Bohnen vor.
Übrigens: Die typischen Blähungen nach dem Verzehr von Bohnen entstehen durch den Verdauungsprozess der Stachyose und Verbascose im Dickdarm.

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4. Mehrfachzucker (Polysaccharide)
Die Polysaccharide bestehen aus mindestens 10 Einfachzucker und sind uns nun wieder besser bekannt und zwar am häufigsten so:

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Als
Stärke
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Stärke ist eine ganz besondere Zuckerform und spielt eine große Rolle bei der Energiegewinnung des Körpers. Der Organismus kann Stärke besonders gut verwerten. Kohlenhydrate in Form von Stärke sind insbesondere in pflanzlichen Lebensmitteln wie Kartoffeln, Gemüse und Getreide sowie Getreideprodukten (Brot, Reis) enthalten.

Also genau das, was Menschen im allgemeinen meinen, wenn sie „Kohlenhydrate“ sagen.
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Dann gibt es noch die Dextrine:
Diese Mehrfachzucker entstehen bei der Spaltung von Stärke im Rahmen der Verdauung.

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Das
Glykogen:

Als Glykogen bezeichnet man die Speicherform des Traubenzuckers (Glukose) im menschlichen und tierischen Körper. Glykogen entsteht, wenn mehr Traubenzucker im Blut vorhanden ist, als für die Energiegewinnung nötig ist. Der Körper wandelt in dieser Situation Einfachzucker (Glukose) in Glykogen um und speichert dieses in der Leber und in den Muskeln.
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Ballaststoffe:
Ballaststoffe zählen chemisch gesehen ebenfalls zu den Mehrfachzuckern.
Sie sind unverdaulich, haben aber trotzdem wichtige Funktionen im Körper: Sie fördern die Verdauung und helfen zum Beispiel bei Verstopfung, und jeder der mit Übergewicht und Ernährung konfrontiert ist, hat sie zumindest schon einmal gehört.
Ballaststoffe sind meist Teil der Außenzellwände bzw. Schalen pflanzlicher Nahrungsmittel. Vollkornprodukte enthalten viele Ballaststoffe, da ihre Zellwände nicht durch die Weiterverarbeitung nach der Ernte zerstört werden.
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Eine flotte Übersicht dazu:

KHUebersicht

Das sind also die 4 Gruppen.
Aaaaaha!
Nun heißt es immer, man solle Kohlenhydrate komplett weg lassen, weil die so schädlich seien.
Ich halte das für Mumpitz.
Ausserdem mag ich das Wort Mumpitz so gern.
Kohlenhydrate sind wichtig und sie sind gut – und so ganz nebenbei machen sie auch noch glücklich.
Ja wirklich!
Kohlehydrate stimulieren die Produktion von Serotonin, einem Botenstoff, der die Stimmung beeinflusst.Antidepressiva beispielsweise aktivieren die Produktion von Serotonin im Gehirn und verlängern deren Aktivität um den Ausgleich von Stimmungen zu unterstützen. Da Kohlehydrate die Serotoninwerte ebenfalls erhöhen, wirken sie wie ein natürliches Antidepressivum. 
Das heißt im Umkehrschluss nun übrigens nicht, dass Antidepressiva glücklich machen oder wir Depressionen ab morgen bitte mit Bernd das Brot heilen.
Es heißt nur, dass Kohlenhydrate nachgewiesen einen positiven Einfluss auf unser Glückshormon haben.
Und Kinners, im Ernst ich sage nur ein Wort: Schokolade!
Noch Fragen? *g
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Der menschliche Körper braucht Kohlenhydrate.
Ganz besonders unser Gehirn.
Kohlenhydrate werden im Körper unabhängig von der Art der Kohlenhydrate bis zu dem Baustein Glukose abgebaut, der dann über den Blutstrom ins Gehirn gelangt. Dort wird der Einfachzucker als wichtigster Energielieferant sofort verbrannt – gespeichert werden kann die Glukose im Gehirn nämlich nicht!
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Das heißt also, entziehen wir dem Körper und damit dem Gehirn die Kohlenhydrate nahezu ganz oder sogar komplett, wird es schwierig mit der Leistung des Gehirns.
Jeder kennt das Phänomen, dass man sich schlechter konzentrieren kann wenn man Hunger hat.
Das liegt nicht daran, dass der Magen so laut knurrt und man sich selbst nicht mehr denken hören kann, sondern dass das Gehirn Brennmaterial benötigt, um den Laden heiß zu halten.
Unser Gehirn arbeitet auch nur auf Hochtouren wenn es bezahlt und motiviert wird. Pro Bono könnt ihr da schön vergessen.

Darüber hinaus sind Kohlenhydrate noch für ganz andere Bereiche im Körper wichtig bis unverzichtbar. Bei der Verdauung im Darm quellen sie auf, regen die Darmbewegung (Peristaltik) an und sorgen so für einen leichten Transport des Darminhalts aber davon mal ab, neben der besonderen Bedeutung als Energieträger und Energiespeicher erfüllen Kohlenhydrate bei weiteren Prozessen wichtige Funktionen: Sie sind Bestandteil verschiedener Substanzen wie der sogenannten extrazellulären Matrix. Diese füllt den Raum zwischen den Körperzellen aus und kommt in großen Mengen in Knochen, Knorpel und Bindegewebe vor. Weiterhin sind Kohlenhydrate beteiligt bei der Regulierung des Wasser- und Elektrolythaushalts und bei Fettstoffwechselprozessen.

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Guck an, sie sind also wichtig und nicht nur fett machend.
Fett ist übrigens auch fett machend und dennoch wichtig.
Bei den Kohlenhydraten haben wir das aber noch nicht so recht begriffen wie es scheint.
Wenn ihr mich fragt, sollte die Frage nicht sein OB man Kohlenhydrate isst sondern welche man zu sich nimmt und natürlich wie bei allem, in welcher Menge.
Eigentlich ist das ganz einfach.
Wenn wir Kohlenhydrate zu uns nehmen, nehmen wir Molekülketten zu uns die der Körper aufspalten muss zur Energiegewinnung, zur Verstoffwechselung etc.
Kohlenhydratmoleküle, die über die Nahrung in den Körper gelangen, müssen erst durch die Verdauung in Glukose verwandelt werden. Für diesen Prozess sind verschiedene Enzyme im Magen-Darm-Trakt zuständig.
Wobei der Vollständigkeit halber angemerkt sein soll, dass die Aufspaltung und Verarbeitung von Kohlenhydraten bereits im Mund los geht.
Egal wie lang die Kette an Molekülen aus C und H2O also ist, am Ende spaltet der Körper so lange die Molekülktten auf, bis er nur noch Einfachzucker hat. Das wiederum geht schnell ins Blut, lässt sich einfach verarbeiten und ist, da es so klein und handlich ist in seiner Einfach(Molekül)heit schnell eingelagert, wenn – Gott bewahre, das würde ja dick machen – man zu viel davon im Körper hat.
Weil Oma beispielsweise schon wieder gebacken hat und man Oma nun einmal keinen Wunsch abschlägt und daher gleich mal 4 Stücke isst – bis man grün um die Nase wird.
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Drum merke: Je länger die Kohlenhydratkette, desto länger dauert die Aufspaltung hin zum Einfachzucker.
Klar soweit oder?
Langsamere Aufspaltung bedeutet langsamerer Transport ins Blut.
Das wiederum erspart uns das rasche Ansteigen des Zuckerspiegels im Blut.
Der Zuckerspiegel des Blutes wird reguliert durch ein Hormon: Das Insulin.
Insulin wird immer dann ausgeschüttet, wenn ein gewisses Maß an Zucker im Blut erreicht und überschritten ist.
Grob gesagt regelt das Insulin also den Zuckerhaushalt in unserem Körper.
Steigt der Zuckerspiegel nun sehr schnell an, weil wir beispielsweise 2 Stücke Kuchen hatten (Kuchen enthält in der Regel jede Menge Haushaltszucker, das ist ein Zweifachzucker. Da braucht es nicht lang um es einmal fix aufzuspalten um aus Zweifach- Einfachzucker zu machen und ist daher schnell als Energie parat und im Blut.) schüttet der Körper Insulin aus um den Zuckerspiegel wieder auf ein normales Maß zu bringen.
Viel Zucker bedeutet viel Insulinausschüttung. Der Blutzucker sinkt, das sehr schnell und das Resultat ist, dass wir nach kurzer Zeit schon wieder Hunger haben.
Irgendwie kontraproduktiv wenn man bedenkt, dass wir gerade zwei riesen Stücke Kuchen hatten und ein paar Brötchen zum Frühstück.

Je schneller der Körper Kohlenhydrate, also Zucker, verarbeiten und einlagern kann, desto sprunghafter schießt unser Insulinspiegel in die Höhe.

Um das nicht geschehen zu lassen, sollte man den Blutzuckerspiegel nur langsam an- und absteigen lassen.
Das Wort dass zu diesem ganzen Prozess und der Frage, welches Lebensmittel wie den Blutzuckerspiegel beeinflusst, gehört, kennen sicher viele von euch oder haben es schon einmal gehört: Glykämischer Index.
Heißt: Bei welcher Nahrung steigt mein Blutzuckerspiegel wie hoch und wie schnell an und wie kann ich das vermeiden, so dass alles im Gleichgewicht bleibt und ich weder hungrig bin noch zu dick werde – sondern im Idealfall sogar abnehme.
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Daher ist das Wissen über Lang- und Kurzkettigekohlenhydrate so spannend und nicht unwichtig.
Ein- und Zweifachzucker
können am schnellsten verarbeitet werden, da sie nur aus einem beziehungsweise zwei Molekülen bestehen. Sie liefern dem Körper sehr schnell Energie und lassen den Blutzuckerspiegel rasch steigen. Haushaltszucker, wie eben auch genannt, ist zum Beispiel ein Zweifachzucker (Disaccharid). Der Klassiker.
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Kohlenhydrate in Form von Mehrfachzuckern (Polysaccharide) kann der Körper weniger schnell verwerten, denn sie bestehen aus mindestens zehn Kohlenhydratmolekülen.
Ihr erinnert euch: Der Körper will es klein und handlich und spaltet die Ketten erst einmal auf und das daaaaauert…
Der Blutzuckerspiegel steigt langsamer und das Resultat, oh Wunder, wir bleiben wesentlich länger satt.
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Der überwiegende Anteil der aufgenommenen Kohlenhydrate sollte also aus Mehrfachzuckern bestehen. Sie erzeugen ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl als Ein- oder Zweifachzucker, weil der Körper die Nahrung langsamer aufnimmt. Und mal ganz davon ab sind sie auch noch reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Vor allem stärkehaltige Produkte wie Nudeln, Reis oder Kartoffeln sind da ganz vorn mit dabei.

Jetzt flippen wahrscheinlich schon die ersten aus!
Waaaaaaaaaaaaaas? Hat sie Nudeln gesagt? Hexe Hexe!
Ja hat sie!
Ich liebe Nudeln!!
Und wenn man eine kleine Sache beachtet, dann sind Nudeln auch echt okay.
Und diese Sache heißt Vollkorn.
Vollkornprodukte bringen nämlich Ballaststoffe mit und Ballaststoffe gehören ebenfalls zur Gruppe der Mehrfachzucker. Yippieh!
Zugegeben, Süßigkeiten enthalten zwar ebenfalls viel Zucker – ansonsten liefern sie allerdings nur wenige Nährstoffe und dann haben wir wieder das Ding mit dem einfachen Zucker, der schnell aufgenommen wird, der Blutzuckerspiegel schießt gegen die Schädeldecke, der Körper pumpt Insulin aus einem C-Rohr in den Blutkreislauf, der Blutzuckerspiegel sinkt arg schnell ab und das Hirn sagt: „Entschuldigen Sie bitte aber so eine Familienpizza wäre gerade schon echt knorke! Belegt mit Nudeln bitte… und zwar exakt jetzt… hopp hopp…!“

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Kohlenhydrate sind also nicht schlecht, sie sind nur in bestimmten Fällen viel zu schnell verfügbar für den Köprer.
Manchmal ist das gut.
Wenn wir aber abnehmen wollen und uns vernünftig ernähren wollen, dann ist das weder gut noch nötig.
Ich bin, wie einige ja schon wissen, von ein paar Dingen was die Ernährung angeht sehr überzeugt.
Dazu gehören auch zwei wichtige Dinge:
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1. Wer abnehmen will, muss essen.
2. Wer abnehmen will, muss sich satt essen!
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Und ja, wenn Du auf Nudeln stehst dann bitte iss doch Nudeln! Wenn es die Kartoffeln sind dann nimm die und wenn Du ohne Brot nicht kannst dann iss Brot.
Es wäre klug, wenn wir hierbei von Vollkornbrot und Vollkornnudeln sprechen.
Und nein, wir leben nicht mehr im Jahr 1986.
Vollkornprodukte sind toll und dieses angestaubte Öko-Image dass diese Produkte, gerade Vollkornnudeln, immer haben, ist antiquiert.
Die Dinger sind lecker – zumal sie viel mehr Eigengeschmack haben als „normale“ Nudeln und sie machen wirklich sehr lange sehr satt.
Darüber hinaus besteht die Vielfalt der Nahrungsmittel ja nicht nur aus Kohlenhydraten.
Gemüse ist auch ein toller Energielieferant, davon kann man Essen bis man umfällt, sich satt essen eben. Proteine nicht vergessen. Dazu ein paar Nudeln und Körper, Hirn, Stimmung und Energiebilanz haben sich wieder lieb.
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Im übrigens glaube ich nicht, dass ein Restaurantbesuch mit Pasta und co einen umbringt.
Meine Erfahrung über all die Jahre hat gezeigt, dass mein absoluter Junk eben die Kohlenhydrate sind und dass ich wirklich zur Furie werde, wenn man die von meinem Tagesplan streicht.
Man muss lernen mit ihnen umzugehen, haushalten also, lernen wovon man viel und wovon lieber nicht sooo viel essen sollte.
Und man muss begreifen, dass nicht das Lebensmittel einen fett macht sondern die Menge der Lebensmittel als Hüftspeck wieder auftaucht.
Oh und naja, man muss nicht jeden Dreck in sich rein stopfen, nur weil es gerade so schön klebrig aussieht.
Aber wenn wir von „mal“ Kuchen oder „mal“ Weißmehlprodukte sprechen, wenn Süßigkeiten eine Ergänzung und Abwechslung und nicht die Regel sind, dann ist doch alles in Butter.
Niemand verlangt, dass man nur noch Vollkorn isst – ich zumindest tue das nicht.

Oder hat einer von euch schon einmal Vollkornschokolade entdeckt?
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Und ganz im Ernst, ich erkläre meiner Oma bestimmt nicht, dass sie nun bitte mit Vollkornmehl arbeiten soll. Die köpft mich. Und das Problem bei Omas ist immer: Die dürfen das!
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Und ja Himmelherrgott noch einmal ich esse Kohlenhydrate auch abends.
Ich esse ohnehin abends.
Fast jeden Tag.
Ist etwas dran an der keine Kohlenhydrate am Abend Geschichte?
Also dass das dick macht?
Nein. Kohlenhydrate machen am Abend genau so dick wie am Morgen.
Was allerdings hinter der Idee steckt ist die Tatsache, dass wir Kohlenhydrate am Morgen brauchen um über den Tag gut versorgt zu sein. Abends hingegen ist es, und nun ganz vereinfacht gesagt, so:
Die Fettverbrennung geschieht unter anderem zu einem wichtigen Teil in der Leber und das gerne nachts.
Solange die Leber allerdings Kohlenhydrate abbaut, kann sie kein Fett verbrennen. Die Fettverbrennung ist dann quasi blockiert.
Essen wir abends also Kohlenhydrate, muss die Leber diese erst einmal loswerden, bevor sie mit der Fettverbrennung starten kann.
Es ist also „günstig“ abends keine Kohlenhydrate zu essen, da die Leber dann die Zeit für die Fettverbrennung nutzen kann, es ist aber nicht zwingend. Thematisch ähnlich verhält es sich übrigens mit der Aufnahme von Kohlenhydraten vor und/oder nach dem Sport. Vorher sind sie ein toller Energielieferant, isst man dann nach dem Sport die ersten 1-2std. nichts, kann der Körper ordentlich an die Fettverbrennung und Reserven herangehen – vorausgesetzt wir blockieren den Fettabbau nicht erneut.
Und was die Uhrzeit angeht, nun, da pflege ich meine ganz eigene Philosophie und Ansicht.
Am Ende kommt es auf die Kcal Bilanz des Tages und der Woche an. Ob man nun morgens um 7h oder abends um 23h isst, ist der Bilanz (!) vollkommen schnuppe.
Aber dazu ausführlicher mehr in einem anderen Eintrag.
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Was machen wir nun also mit den bösen Kohlenhydraten?
Mein Tipp: Aufhören so zu tun, als wären die ein riesen Drama.
Sie sind wichtig, sie liefern Energie, sie machen glücklich und ein ganz ganz wichtiger Punkt bei alle dem ist der Diät-Aspekt.
Will man wirklich für den Rest seines Lebens auf Kohlenhydrate verzichten?
Nein?! Ne, genau, ich auch nicht.
Also muss man einen Weg finden zur gesunden und ausgewogenen Ernährung und nicht sich geißeln bis man beim Wunschgewicht ist und dann anfangen wieder so zu essen wie man es vorher tat um dann darüber zu heulen, dass man alles wieder zunimmt.
Etwas weg zu lassen oder zu verteufeln ist weder gesund noch ausgewogen, das ist schlicht eine Diät und Diäten funktionieren aus den schon so oft genannten Gründen nicht.
Und was lernen wir schon wenn wir etwas weglassen? Zunächst einmal gar nichts.
Dann doch lieber den Umgang mit Lebensmitteln erlernen und sich dabei wohl fühlen.
Vermehrt Vollkorn statt Weißmehl.
Weniger Zucker (übrigens, Honig ist genau so Zucker) und mehr natürliche Süße durch beispielsweise Obst.
Viel Gemüse, gerne Proteine und all das, was man eben so mag.
Und wenn es Chips sein sollen, dann ist dem so. Aber bitte auf die Bilanz achten und vielleicht auch nicht jeden Tag.
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Am Ende ist wichtig was man isst, dass es gute Produkte sind die satt und glücklich, zufrieden und im besten Fall noch fit machen.
Abnehmen ist mehr als die Zahl auf der Waage und vor allem soll es einen gut tun.
Drum halte ich wirklich die Flagge hoch für die Kohlenhydrate und werde auch die Kilos die noch weg müssen mit ihnen abnehmen und nicht indem ich so tue, als sei es vollkommen natürlich sie vom Ernährungsplan zu streichen.
Und meeeein Gott, wenn ich über 160kg abnehmen kann mit ganz natürlicher, gesunder und ausgewogener Ernährung, trotz Besuchen bei Oma, Freitag Abends im Kreis der Familie (alles Schlemmernasen), Restaurantbesuchen in denen ich sicher nicht so Dinge sage wie „Entschuldigen Sie bitte, kann ich die Lasagne auch ohne Nudeln haben? Und Fettfrei bitte… ach wissen Sie, bringen Sie mir einfach ein Taschentuch und ein Schüsselchen lauwarmes Wasser“. Dann ist das doch ein gutes Zeichen.
Und der Beweis dafür, dass man MIT Lebensmitteln abnimmt und nicht ohne oder gegen diese.

In diesem Sinne: Ein Herz für die Kohlenhydrate.
Und ich mache mir jetzt ein Brot!

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Nicole
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Ooooooh und eines noch. Wenn wir schon dabei sind. Hat einer von euch schon einmal dieses „Kohlenhydratarme Eiweißbrot“ gegessen, was aktuell so mega in ist und bei jedem Bäcker als „Feierabendbrot“ und co herumliegt?
Macht euch doch mal die Mühe herauszurechnen, was das an Kcal hat.
Ich war sehr amüsiert.
Man spart zwar die Kohlenhydrate am Abend, dafür hat eine Scheibe aber auch gleich mal den doppelten Energiegehalt einer normalen Scheibe Vollkornbrot.

Na wenn das mal nicht eine kleine miese Falle ist…