Moin Kinners.

Der ehemals dickste Mann der Welt ist tot.
Manuel Uribe wog zu seinen schwersten Zeiten 592kg*, steht damit im Guinnesbuch und nahm, nachdem er dort aufgenommen wurde, mit der Sears-Diät (Zone-Diät) auf knapp 200kg binnen sehr kurzer Zeit ab – und nahm dann wieder nappe 200kg zu. Vor einigen Wochen wurde er dann mit knappen 400kg in eine Klinik eingeliefert wegen Herzproblemen.

Nun ist er in einem Krankenhaus im Alter von 48 Jahren verstorben.
Todesursache soll laut Medienberichten Herzversagen und Wasserentzug in den Beinen sein.
Spekuliert wird, ob die Diät dazu beigetragen hat, dass sein Herz versagte.

Mein erster Gedanke war tatsächlich:
Im Ernst jetzt? Der Mann wog 600kg, nahm 400kg ab, dann 200kg wieder zu und starb nun mit knappen 400kg Lebendgewicht an einer Diät respektive den Folgen dieser?

Mein zweiter war sehr ähnlich:
Im Ernst jetzt? Der Mann wog 600kg, nahm 400kg ab, dann 200kg wieder zu und starb nun mit knappen 400kg Lebendgewicht und es wird echt spekuliert, ob eine Diät schuld ist?
Kann es nicht vielleeeeeeeeeeeeeeeicht auch sein, dass sein Gewicht und die Lebensweise zum Tod führten?!

Da ich beides irgendwie unbefriedigend als Antwort fand, habe ich mich mal hingesetzt und über den ganzen Hintergrund und die wenigen Informationen die es erst so gab nachgedacht und recherchiert.
Wo ich doch so sehr auf Diäten stehe. Nicht.
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Also sprechen wir doch einmal über Diäten ganz im Allgemeinen.
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Das Wort Diät kommt vom griechischen δίαιτα (díaita) und heißt nicht „nimm ab du dickes Ei“ sondern wurde im Sinne von „Lebensführung“ und „Lebensweise“ verwandt.
Darüber hinaus beschreibt das Wort nicht nur die Reduktionskost in irgendeiner Weise sondern spricht von Ernährung in allen Bereichen.
Muss ein Mensch also zunehmen, weil er aus den unterschiedlichsten Gründen zu dünn ist, wird ihm auch eine Diät verordnet.
Zur Heilung oder Besserung sowie Linderung von Krankheiten oder dessen Symptomen kommen auch Diäten zum Einsatz.
Und nicht zuletzt haben Diäten in der Politik nur sehr selten etwas mit Verzicht zu tun.

Nach dieser Definition ist Vegetarismus, Veganismus und co auch eine Diät, beschreibt es doch die Auseinandersetzung mit Ernährung und eine Lebensweise daraus.
Nachzulesen übrigens unter dem Sammelbegriff „Diätik“.
Die Annahme, alle Vegetarier und Veganer seien nun schlank ist übrigens eine Fehlannahme.
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Was mir über die Jahre aufgefallen ist, worauf ich selbst ewig lang herein fiel und was mich nun mehr denn je stutzig macht an Diäten ist die Tatsache, dass Diäten Trends unterworfen sind.
War es in meiner Jugend noch der absolute Hit sich von Kohlsuppe zu ernähren – widerliches Gebräu aus Kohl, Tomaten und anderem Gemüse, viel Wasser und bitte ohne Geschmack dafür aber mit Würgereiz – durchlief ich bis zum heutigen Tag so ziemlich jedem Diättrend, den man nur finden konnte.
Und das waren einige.
Beispielsweise die FDH Diät. Die „möglichst viel Fett“ Diät. Die „hey, 800kcal reichen echt vollkommen für einen erwachsenen Organismus“ Diät. Gerne auch die Apfelessig Diät – von wegen sauer macht lustig. Die Ananas-Diät Die Pulver in Tüten Diät und und und… Um nur einen kleinen Auszug zu nennen.

Für gewisse Zeiträume sind stets gewisse Lebensmittel der absolute Hit oder eben verboten.
Und ganz super trendig ist es, gleich mal ganze Stoffgruppe zu verteufeln.
Aktuell leben wir im Zeitalter der bösen bösen Kohlenhydrate.
Teufelszeug.
Schlimmer noch als die Pest, die machte wenigstens nicht dick.

Also, erst seit ein paar Jahren so richtig verteufelt, vorher erst getrennt von anderen Lebensmitteln in der Trennkost und davor war es vollkommen Okay Kohlenhydrate zu essen.

Man behauptet sogar, es soll noch heute Menschen geben die ihrer Nahrung Kohlenhydrate beimengen, heimlich, im Verborgenen, nachts im Schein der Kühlschranklampe, wenn niemand guckt…

…und trotzdem noch leben!!

Sehr unterhaltsam und etwas merkwürdig, wenn man darüber nachdenkt, dass Ernährungs- und Diättrends einem ähnlichen Zyklus unterliegen wie Mode, Styles und „die aktuelle Farbe des Herbstes“.

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Beim oben erwähnten Herrn Uribe wird nun spekuliert, ob eine Diät Schuld an seinem Tod sein könnte.
Um genau zu sein eine ganz bestimmte Diät.
Nämlich die Zonen-Diät, auch bekannt als Sears Diät, erfunden und herausgegeben durch Barry Sears, dem Arzt von Uribe.

Bei dieser Diät geht es hauptsächlich darum, die Aufnahme von Proteinen zu erhöhen und die von Kohlenhydraten (da sind sie schon wieder) zu senken.
Ergo: Mehr Eiweiß, weniger Kohlenhydrate.
Na! Das ist ja mal was ganz Neues!
Dafür werden die Lebensmittel, gerade die KHs in „günstige“ und „ungünstige“ Lebensmittelgruppen eingeteilt und im Schnitt werden bei dieser Diät 780 bis 1.716 Kilokalorien aufgenommen.

Holla die Waldfee. Das ist echt wenig. Selbst für einen schlanken Erwachsenen wären 780kcal mehr als deutlich zu wenig.
Wenn ich bedenke, dass ich bei meiner Größe und meinem Gewicht auf gut und gerne 3000kcal Plus verbrate, und der gute Herr Uribe schlappe 400kg mehr wog als ich jetzt… (!!) Das ist mal amtlich.

Allerdings ist das nicht nur nicht neu, das ist auch in diesem Fall recht, drücken wir es vorsichtig aus, umstritten.
Barry Sears versucht mit dieser Diät den Glykämischen Index auf einem niedrigen Level zu halten.
Also den Blutzuckerspiegel durch die Art und Zusammensetzung der Nahrung konstant möglichst tief zu halten.

Ein paar klitzekleine Nachteile hat diese Diät allerdings. Klein. Ganz klein. Eher so aus der Kategorie: „Oh, tja und dann ist mir der Fuß abgefallen!“
Zum einen sind es, wie beschrieben, X-Tausend Kcal zu wenig, die aufgenommen werden und zum anderen ist es ja schön und gut von „mehr Proteinen“ zu sprechen, allerdings empfiehlt die Sears-Diät mehr als doppelt so viel Proteinaufnahme wie normalerweise empfohlen.
Ein dauerhafter Überschuss an Proteinen geht zu Lasten der Nieren. Wenn man dann obendrein nicht genug trinkt hat man ganz fix ein Nierenproblem.
Sollte da also nicht irgendwo ein Bodybuilder versteckt gewesen sein, der durch Sport und richtige Ernährung sowie viel Flüssigkeit den Eiweißüberschuss auch gut gebrauchen kann, darf man das durchaus kritisch betrachten.
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Insgesamt weiß ich wenig über den Arzt, ein bisschen mehr über Herrn Uribe und bin dann doch firmer in dem Thema Diäten und Ernährung und natürlich war ich nicht dabei aber dass es einem Körper nicht gut tut, von knapp 600kg auf 200kg „abzumagern“ um dann in kürzester Zeit wieder auf 400kg zu sein, ist nicht weiter verwunderlich und lässt mich zumindest mal eine Augenbraue hochziehen wenn ich Herrn Sears sagen höre „Und es gibt keinen JoJo-Effekt bei dieser Diät“.
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Ein Graus, Kinners. Wirklich!
Natürlich gibt es da einen JoJo-Effekt. Bei maximal 1700kcal am Tag? Bei DEM Ausgangsgewicht?
Selbst mit seinen zwischenzeitlichen 200kcal sind 1700kcal ein Witz.
Da könnte ich mich ja… also wirklich… und mit den Armen dabei fuchteln… und Dinge sagen die man wegpiept.
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Was den guten Mann am Ende nun frühzeitig umgebracht hat weiß ich nicht und ich finde Spekulationen diesbezüglich etwas schwierig aber wir sind uns vermutlich einig, dass weder 600kg Ausgangsgewicht plus nahezu null Bewegung (Gewicht beim einliefern ins Krankenhaus, in dem er dann auch verstarb: knappe 400kg) noch derart radikale Gewichtsschwankungen auf Grund von Magelernährung dank „spannender“ Diäten sonderlich zuträglich sind um alt zu werden.

Ich sitze, seit ich den ersten Artikel zu Herrn Uribe las mit sehr vielen Fragezeichen hinter der Stirn vor dem Rechner und recherchiere die Hintergründe.
Und ich frage mich ganz arg, wie er überhaupt so alt werden konnte.
Ich war mit meinen Mitte/Ende 20 und der Hälfte seines Gewichts – und wohlgemerkt sprechen wir noch immer von knappen 340kg schon komplett im Eimer und er trug mein damaliges Gewicht fast doppelt.

Ich habe viel Respekt davor, dass er es geschafft hat, knappe 400kg zu verlieren!
Das ist eine Meisterleistung vor der ich ganz ehrlich und offen den Hut ziehe.
Wie er es da geschafft hat und was am Ende Schuld war ist da nicht wichtig finde ich – nicht für mich zumindest.

Ich finde es motivierend dass er es überhaupt in Angriff genommen hat.
Dass er die Hälfte wieder zunahm ist sehr schade und dass er es am Ende nicht überlebte ist noch weitaus tragischer und bedauerlich, ich hätte gern erfahren, ob er in 10 Jahren vielleicht sein Ziel erreicht hätte – und ich hätte gern gesehen, dass er aus diesem Bett, in dem er Jahrelang lag (und in dem er übrigens auch getraut wurde) aufsteht.

Ob diese Meldung nun eine Moral hat oder nicht weiß ich nicht und so weit möchte ich mich auch gar nicht aus dem Fenster lehnen aber eines ist sie ganz gewiss: Eine Meldung mit erhobenem Zeigefinger und irgendwie mit Beigeschmack.

Na dann…
…sehe ich mal zu, dass das Guinnesbuch niemals an meine Tür klopft.
Zumindest nicht wegen der Zahl auf der Waage.
Gruselig, bedenke ich, dass ich sooo weit gar nicht davon entfernt war.
Man man man…

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Und weil das ja gerade so trendig ist und ich das sehr häufig gefragt werde, erzähle ich morgen mal, was ich von dieser ganzen LowCarb-Bewegung halte. *gg

Einen schönen Abend euch allen.

Nicole

*Die Zahlen und Gewichtsangaben unterscheiden sich, je nach Herausgeber der Artikel, um einige Kilos und reichen von 561kg bis zu 620kg zu seinen schwersten Zeiten.
Ich nähere mich mit den 600kg in etwa dem an, was die meisten melden.
An den Eintrag im Guinnesbuch kam ich bislang nicht heran.
Sollte sich herausstellen, dass es weitaus weniger oder mehr kg waren, korrigiere ich diese Angaben.