Moin Kinners!
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Aus der Kategorie „Sage Mal Nicole, kennst Du das eigentlich auch…“

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Ihr werdet es nicht für möglich halten aber manchmal ist es gar nicht so einfach abzunehmen.
Jaaaa, ich weiß, das ist uns allen vollkommen neu aber es ist leider so.
Es gibt so einige Themen, die trotz aller Disziplin und wieder allen Wissens, sehr häufig eine Abnehmkarriere begleiten.
Und ich sage euch, es gibt kaum ein Thema, mit dem ich mich nicht schon 100x hätte auseinander setzen müssen auf meinem Weg, hin zu einem Gewicht, mit dem ich mich wohl fühle.

Ein Klassiker, neben all den Diäten die man so verbrechen kann und dem ganzen generellen Ernährungskrampf sind die Fressanfälle.
Fiese kleine Mistdinger! Elendiges Schweinehundphänomen! Hinterhältig und vollkommen überflüssig.
Nun weiß ich, dass viele sagen und denken, sie seien diesen Anfällen vollkommen hilf- und wehrlos ausgeliefert.
Ich muss nun allerdings mal eines loswerden: Ich glaube nicht an die Mär der Fressanfälle.
Und ich erkläre auch warum das so ist:

Kenne ich das Gefühl? Aber hallo! Na-tür-lich! Was glaubt ihr denn?
Irgendwie muss ich es ja auf Ü300kg geschafft haben.
Gebe ich dem nach? Jetzt, wo ich endlich entpummel? Nein…

Nein, keine Fressanfälle seit Abnehmstart. Was übrigens nicht daran liegt, dass ich netterweise von Gott mit ich-steh-das-alles-ohne-diese-Anfälle-durch gesegnet bin. Im Gegenteil. Ich habe das auch, natürlich. Ich gebe dem nur nicht nach.
Liest sich recht einfach oder?
Ist es aber nicht.
Oder vielleicht ist es das doch.
So oder so, es ist vor allem eines: Meine Entscheidung es nicht zu tun.
Fressanfälle sind Schwächeanfälle denen man begegnen und sich gegenüber stellen kann. Man muss dem nicht nachgeben, es kommt ja niemand mit einem Trichter und stopft mich mit Schokolade voll oder der kalten Pizza von gestern. Der Entschluss, diesem Fressanfall nachzugeben ist ein echter… Entschluss!
Ich entschließe mich entweder dazu zu fressen oder dazu, standhaft zu bleiben.
Nicht unbedingt immer einfache Entscheidungen, zugegeben.
Beide Entscheidungen liegen aber immer in meiner eigenen Hand.

Dem Fressflash nachzugeben ist die oberflächlich betracht einfachere Variante, aber nur für die Zeit des Anfalls und den Anfall an sich.
Die Gelüste kommen, der Druck nimmt zu, das Appetitgefühl schwappt fröhlich durch den Raum, selbst das eigene Haustier riecht plätzlich nach dem Lieblingsessen und ab hier habe ich zwei Möglichkeiten:

1.) Ich gebe dem nach, wähle den Weg der sich anfangs einfacher anfühlt, stopfe Sinn- und Verstandlos irgendwelchen Scheiß in mich rein und befriedige meinen Schweinehund.
Und dann? Ich wette, nun kann jeder Zweite – minimum – an dieser Stelle ein ähnliches Lied singen wie das, was jeder von uns schon einmal an einem Samstagmorgen gesungen hat: „Nie… wieder… Alkohol…“
Und genau das passiert hier nun auch.
Augenblicklich, wenn das Gro an Bedürfnissen befriedigt ist, setzt sie ein, die alt bekannte Schuld. Das Versagensgefühl. Dieses Gefühl, das alles irgendwie schlechter macht. Man ärgert sich maßlos über sich selbst, immerhin wollte man das doch nicht mehr machen, wollte beim nächsten Mal alles besser machen. Und man stellt fest, dass es gar keinen wirklichen Genuss gab da dieser augenblicklich getrübt wird durch den Ärger, die Angst, dieses Gefühl des: Ach mist, das war doch echt unnötig.
Und dann steigt man am Ende der Woche auf die Waage und bekommt eine deftige Ohrfeige in Form einer Zahl, die man nicht sehen will.

2.) Ich gebe dem nicht nach. Nicht dass ich etwas gegen diese Gelüste tun könntest, das kann ich nicht, die kommen und gehen wie sie wollen. Aber ich kann sie annehmen als so was wie ein ungeliebter aber nun einmal dazu gehörender Verwandter.
Ihr wisst schon, jeder hat so einen in der Familie. Diesen Typen, oder diese Tussi, die ständig redet und redet und redet, einen das letzte Stück leckeres Essen vor der Nase weg mopst, Satz an Satz, immer nur von sich. Sätze stets beginnt mit „Ja aber bei mir…“ und alles was man selbst sagt superlativiert! „Was? Du hast Dir beide Beine gebrochen? Ach das ist doch noch gar nichts, ich habe mir schon 3 Beine gebrochen, und 5 Arme…“
Ihr wisst was für Verwandte ich meine oder?!

Aushalten! Diesen Moment aushalten. Du weißt aus hunderten vorangegangenen Anfällen, dass der Genuss – wenn du ihm nachgibst – nur kurz andauert und dann abgelöst wird durch ein schlechtes Gewissen.
Du weißt über die kurze Halbwertzeit dieser Anfälle, also hältst du das aus, stopfst nichts in die rein, stehst das einfach durch.

Mann oder Maus.
Memme oder Klingone.
Fressen oder es bleiben lassen.
Hältst dich über Wasser mit dem Gedanken: Wenn ich jetzt nachgebe, hat es wieder über mich gesiegt. Wenn ich jetzt nachgebe, dann geht es mir wieder eine halbe Ewigkeit schlecht und ich zerfleische mich!
Wenn ich jetzt nachgebe…
…ich weiß doch, dass das nichts bringt, dass es mich nicht glücklich macht. Das Gefühl dass so ein Anfall mitbringt gaukelt einem vor es würde dich befriedigen und glücklich machen, aber das tut es nicht!
Es ist einfach eine gute Maskerade.
Es ist unglücklich machend in einem schönen glitzernden und sehr verlockendem Kostüm.
Es lockt dich an, verspricht dir viel, wiegt dich in alt bekanntem und somit in Sicherheit. Es sieht schön aus, klingt toll, riecht und schmeckt gut und wartet nur darauf, dass du nachgibst und der Verlockung in die Falle gehst.
Und dann schlägt es mit aller Kraft zu und zeigt seine wahre, unschöne und ungeschminkte Fratze. Schlechtes Gewissen, Unruhe, Ärger, Wut über sich selbst und die Welt, Strafe auf der Waage, Schwäche. Und das alles zusammen wirft immer die gleiche Frage auf: War es das nun wert?

Der Fressanfall ist eine Sirene. Etwas gruseliges in einem schönen Gewandt, das so sehr anlockt und verzückt.

Aber das weiß man. Oder man sollte es zumindest wissen, denn wenn wir unseren Feind kennen, können wir ihm auch begegnen.

Was ist also nun das wirklich schwierigere?
Man geht immer davon aus, dass es das Verzichten ist. Aber der Verzicht dauert nur wenige Minuten, vielleicht Stunden, im schlimmsten Fall mal einen Tag!
Und?
Der Fressanfall dauert definitiv nur wenige Minuten bis Stunden. Das was danach folgt dauert Tage. Die Erfolge die man sich zerstört verbrauchen doppelt so viel Zeit.

Ist nachgeben also wirklich einfacher? Wenn man an den Rattenschwanz an Folgegefühlen denkt, ist es dann wirklich einfacher diesem Drang nachzugeben?
Ja ich weiß, dass das Gehirn versucht uns auszutricksen. Mit Dopamin und Endorphin und Einhörnern und Glückskeksen.
Aber mal angenommen ich weiß, was mein Hirn von mir will. Angenommen ich weiß, dass mir das nicht gut tut und dass ich es bereuen werde. Angenommen ich weiß, dass ich diesen Moment nur überstehen muss und habe hinterher ein ganz anderes Gefühl, eine ganz andere Erfahrung gemacht…
Ist es dann wirklich noch einfacher sich dem hinzugeben und hinterher in der Ecke seines Sofas in die Chipstüte zu heulen anstatt einfach mal auszuhalten und sich hinterher siegreich zu wissen?

Oder ist es nicht vielleicht doch leichter es auszuhalten? Dieser Moment wird vergehen und er bringt ein Glücksgefühl mit sich! Das kennen wir auch bereits.
Denn das ist ja das paradoxe! Das ist ja alles nichts Neues. Ich erfinde hier ja nicht gerade das Rad neu.
Wir wissen wie es sich anfühlt zu versagen und wir wissen, wie es sich anfühlt zu siegen.
Und trotzdem entscheiden wir uns immer wieder und wieder dafür, uns schlecht zu fühlen anstatt uns an den Moment zu erinnern, der uns so sehr belohnt. Dieser Moment in dem man siegt über seinen eigenen, gefräßigen Schweinehund.

Vielleicht sollten wir unsere Denkstrukturen diesbezüglich einfach mal klar beleuchten und schauen, ob wir nicht einfach falsch gepolt sind.
Wir verbinden Verzicht mit etwas negativen.
Warum?
Streng genommen ist es etwas positives in solchen Momenten!
Durchhalten, nur ein paar Minuten, dem Drang nicht erliegen, weil wir es wissen, weil wir sie sehen, die Fratze hinter der Maske der Verlockung, weil wir sie genau kennen, diese Sirene!
Wir halten durch!
Und dann… wenn wir das Licht anknippsen und genau hinschauen verschwindet sie und lässt ein Erfolgserlebnis da.
Wir können in den Spiegel schauen, auf die Waage steigen, und selbst auf die Schulter klopfen wenn es sein muss.
Und warum auch nicht? Das ist ein Sieg und Siege sollte man feiern!
Vielleicht dann nicht gleich mit Sahnetorte, das würde mein ganzes Gesabbel hier obsolet machen.

Es ist nicht leichter einem Fressanfall nachzugeben weil es hinterher viel schwieriger ist.
Ich für meinen Teil tausche nicht ein paar Minuten oder Stunden rumnörgelndes Durchhalten -und glaubt mir, ich kann schimpfen wie ein Rohrspatz – gegen eine Woche Ärger, Scham, Unmut und Misserfolge. Gekoppelt vielleicht sogar an einem mehr an Kcal auf der Waage!
Mache ich nicht, weil ich mich dazu entschlossen habe das nicht zu wollen!

Deswegen gibt es bei mir auch keine Fressanfälle.
Ich habe das Sagen!
Ich bin die Königin meines Verstandes und ich regiere und lasse meinen Staat nicht von Clowns überrennen!

Ich kann mich entscheiden.

Du kannst Dich übrigens auch entscheiden!
Und dabei ist es vollkommen egal wie oft man schon versagt hat oder wie oft man bereits allen Gelüsten erlag! Das ist nicht wichtig! Wenn es darum geht, es einmal, dieses Mal, richtig zu tun, zählen alle anderen Versuche bei denen es nicht klappte schlicht nicht.
Niemals denken: „Aber beim letzten Mal habe ich es auch nicht gepackt…“
Lieber ein „Dieses Mal! Neuer Tag, neue Chance! Jetzt!“
Jedes mal aufs Neue.
Und ich habe mich dazu entschieden es zu schaffen und ich habe mich dazu entschieden ein Mensch zu sein, der -wenn er schon die Chance hat gegen seine Dämonen zu kämpfen weil er sie kennt- dieses auch zu tun.
Es klugscheißt sich nämlich so schlecht, wenn man es nicht selber jedes Mal ausprobiert und irgendwie anpackt.

Fressanfälle sind nicht wahr.
Es gibt sie ähnlich wie Geister unterm Bett nur dann, wenn du sie herein lässt und gewähren lässt.

Oh das bedeutet nicht, dass widerstehen nicht schwer wäre.
Ich stand schon heulend in meiner Küche bei solchen Aktionen, mehrfach schon und ich habe auch schon Dinge an die Wand geworfen, weil es so schwer ist das zu ertragen anstatt dem nachzugeben.
Und weil es mir zeitgleich so lächerlich erscheint, auch heute noch, dieser riesen Aufstand nur wegen Essen. Ich großes Mädchen heulend über die eigene schlechte Laune, nur weil ich gerade nicht das bekomme, was mein Kopf mir vorgaukelt uuuunbedingt haben zu müssen!

Es ärgert mich, dass ich da so schwach bin, dass mich das überhaupt tangiert, dass ich deswegen wütend und moserig werde, wo andere nur drüber lächeln würden.
Ich fluche laut über Gott, mich und die Welt. Die Telekom, Facebook und stilles Wasser.
Ich bin wütend, fühle mich hilflos und hasse diese Momente wie die Pest.

Es fühlt sich jedes mal an als wäre es kaum auszuhalten.
Das wichtige an diesem Satz: Es fühlt sich nur so an… Es ist eine Illusion. Und kaum auszuhalten bedeutet immer, dass es auszuhalten ist, nur eben ganz ganz schwer.

Machen wir uns also nichts vor, der Frust beim aushalten dieser Momente ist genau so groß wie der Frust den man verspürt, wenn man dem nachgibt und frisst.
Nur mit 2 kleinen aber elementaren Unterschieden:
1. Man hat nichts in sich reingestopft.
2. Hinterher bereut man nichts. Im Gegenteil, es ist ein Sieg UND dieser Frust des Aushaltens dauert nur wenige Stunden während der Frust der Niederlage Tage andauern kann und wird und nachhaltig schmerzt!

Was sind ein paar Stunden im Vergleich zu einer Woche?
Was ist ein Sieg im Vergleich zu einer doppelten Niederlage denn zum einen macht man sich etwas hart erkämpftes kaputt, man verschwendet Zeit die man nicht wieder aufholen, der man nur hinterher rennen kann und man stellt ernüchternd fest, dass man das Gefuttere nicht einmal wirklich geniessen konnte, weil der Genuss im Nachhinein schwer in Frage gestellt wird und Frust Genuss immer überlagert.

Ich wage daher folgende steile These:
Fressanfälle sind eine Lüge!
Nicht dass sie nicht existent wären, das sind sie durchaus aber wir sind ihnen nicht ausgeliefert. Sie stellen sich nur selbst gerne zur Wahl und wir treffen eine Wahl.
Wir sind keine Opfer von Fressanfällen.
Niemand von uns beherbergt einen wild gewordenen Kühlschrank, der des Nachts mit einem Trichter bewaffnet Macht über uns ergreift.
Was für eine gruselige Vorstellung nebenbei bemerkt.
Sie kommen nicht vollkommen unvorbereitet und wir können dann nur hilflos zusehen, wie sie uns übermannen.
Fressanfälle kommen nicht mit vorgehaltener Waffe um die Ecke und zwingen uns. Sie sind präsent und stark, das stimmt, aber sind wir das nicht auch? Fühlen wir uns nicht einfach nur schwach, weil wir uns das selbst einreden? Und wissen wir nicht auch, dass dem so ist?
Also brechen wir einfach aus. Wir wissen doch wo der Schlüssel ist.
In unserer Hand!!
In Meiner!
In Deiner!
Und Deiner!
Und… du da hinten… auch in Deiner!! Sieh nach, es stimmt!

Wir sind in diesem Fall nur dann Opfer, wenn wir uns aktiv dazu entschließen welche zu sein.
Und ich will kein Opfer sein!
Dafür bin ich mir zu schade.
Und haben wir uns nicht ohnehin schon lange genug angreifbar gemacht und in der Opferrolle gelabt, gesehen und geglaubt?
Schluss damit!
Und es ergibt in meinem verworrenen Hirn auch keinen Sinn mir so viel selbst zu zerstören für etwas, von dem ich weiß, dass es mich nur scheinbar für ein paar Minuten Glücklich macht.

Dann doch lieber ein paar Momente Unglücklich aushalten für ein gutes Glücksgefühl als Belohnung, als ein paar Minuten trügerisches Glück mit anschließendem lang anhaltendem Unglück!

Es sind die Entscheidungen die wir treffen die uns zu dem Menschen machen, den wir gerne im Spiegel sehen.
Deswegen gibt es bei mir keine Fressanfälle, weil ich sie nicht zulasse, mich gegen sie entscheide, ihnen keinen Raum in meinem Leben gebe und weil ich meinem Körper versprochen habe all dieses Unwohl das ich ihm antat von ihm fernzuhalten!
Wir haben eine Verantwortung, eine Pflicht unserem Körper und unserem Geist gegenüber und wir sollten dies ernst nehmen.

Ich habe es uns versprochen. Meinem Körper und mir.
Und das Versprechen werde ich nicht brechen.

Wir haben die Wahl!
Ich habe die Wahl!
Du hast die Wahl!

Seid Königinnen und Könige eures Verstandes und eures Lebens, eurer Situation und eurer Leistungen!

Wir sind nicht ausgeliefert.
Wir treffen Entscheidungen!

Und ja, wie gesagt, ich weiß wie schwer das ist.

Ich behaupte auch wie gesagt nie, das abnehmen leicht ist aber ich behaupte, dass es machbar ist.
Weil ich es weiß.
Und manchmal muss man einfach auch mal den Hintern zusammen kneifen und Situationen durchstehen.
Fressanfälle sind solche Situationen.

Und ich verspreche, nicht zum ersten Mal, wenn ich das kann, dann kann das jeder!

Nicole