Moin Kinners,

Kennt ihr das, ihr habt da ein Projekt vor und seit vollkommen entspannt, selbstsicher und macht euch überhaupt keinen Kopf, weil ihr als langjährige Profis auf jeden Fall wisst, wo der Hase entlang läuft?

Gut, Ich auch nicht!

Krasser Scheiß oder mit anderen Worten: Wie geil ist das denn?!
Ich habe euch vor ein paar Tagen und im Blogeintrag hier drunter schon von dem TV-Vertrag und meiner Unterschrift darunter berichtet.
Das ist nun zwei Tage her und ich komme endlich dazu, zumindest ein paar der vielen eingetroffenen Fragen zu beantworten.

Ihr mögt mir die Wartezeit vom Bild bis hierher verzeihen aber es ist etwas großes passiert!
Oder eigentlich eher etwas kleines.

Etwas sehr kleines.

Eine 50cm kleine, wunderschöne Prinzessin hat das Licht der Welt erblickt und mich zu Mary Poppins gemacht – also gut, zur Tante aber das ist in meinen Augen fast das Gleiche.
Die Lütte heißt Marlene, ist Kern gesund und ich werde sie heute das erste Mal sehen.
Darauf irgendwann einmal Sekt für alle!

Ein guter Grund um einen Tag mit Erklärungen zu warten.
Nun aber:

Ja. Hammer. Es geht los…
Und es geht schneller los, als man meinen möchte.
Am kommenden Montag, also morgen, ist der erste Drehtag.

Nun muss ich dazu sagen, das kommt zwar schnell aber für mich etwas weniger überraschend, als es im ersten Moment wirken mag. Wobei, sooo viel länger tatsächlich auch nicht.
Mit den ersten Überlegungen zu diesem TV-Format begannen wir schon vor recht langer Zeit.

Der zündende Funke für die Idee dazu kam eigentlich daher, dass ich vor dem TV saß und mich fürchterlich aufregte.

Da saßen zwei Moderatoren an einem Tisch. Beide sehr schlank, sehr trainiert, sie blond, er allen Anschein nach frisch aus der Unterwäschewerbung der letzten Saison entlaufen und unterhielten sich darüber, dass sie nicht verstehen können, was Menschen alles auf sich nehmen nur um abzunehmen. Dass sie nicht nachvollziehen können, wie sich einige sogar dafür in Gefahr bringen indem sie ominöse Pillen schlucken die als Nebenwirkung so Kleinigkeiten wie „Schlaganfall“ oder „Herzstillstand“ haben und schoben dann, als sehr hilfreichen Satz hinterher, dass sie ja, nur für ein paar Kilo weniger oder die Idealfigur nicht so weit gehen würden.

Da fiel mir vor lauter Erstaunen doch glatt die Stange Gänseschmalz aus dem Mundwinkel.

Ich neige normalerweise nicht dazu, meinen Fernseher oder sonstige Gegenstände anzumotzen aber in diesem Fall war meine erste Reaktion: „Ach was echt nicht? Natürlich nicht!! Ihr habt auch nie den Druck gehabt, den man als Fetter an einer Bushaltestelle verspürt, ihr habt noch nie selbst in der XL-Kollektion nichts zum anziehen gefunden, ihr habt noch nie 30 Diäten probiert und hattet das Gefühl, dass ihr nicht einmal das angeblich einfachste der Welt könnt: Normal essen.

Ihr steht nicht vor dem Spiegel und denkt, dass ihr euch niemanden nackt zeigen mögt. Oder mit anderen Worten: Ihr habt doch schlicht keine Ahnung wie sich das anfühlt!“

Diesen Gedanken nahm ich mit in die Nacht und fragte in den nächsten Wochen mal ein paar Menschen aus meiner Umgebung und von meiner damaligen Leserschaft, was sie denn so an ihren privaten Erlebnissen zum Thema abnehmen stört und irgendwann kam immer wieder der gleiche Satz:

„Ich habe nicht das Gefühl, dass man mich versteht.“

Ich kenne das.
Und das nicht, weil ich zweisprachig aufgewachsen bin: Deutsch und Nuscheln.
Sondern weil ich X Kuren, Ernährungsberatungen, Diäten und und und durchlief und irgendwann immer dachte: „Woher willst Du wissen, wie es ist, Dick zu sein, wenn Du selbst so schlank bist?“
Ja natürlich, man kann sich alles anlesen, alles lernen, alles in Vorträgen vermittelt bekommen.

Aber wie ist es denn, wenn man auf die Waage steigt und die eine Zahl anzeigt, von der einem schlecht wird?
Wie ist es denn, wenn man immer ein schlechtes Gewissen hat, wenn man nur an Essen schon denkt, geschweige denn, wenn man isst?
Wie ist es wenn man eigentlich weiß was man falsch macht aber dennoch nicht in die Spur zurück findet, wenn man dumm angemacht wird auf der Strasse auf Grund seiner Rundungen, wenn man glaubt nicht mehr Person sondern nur noch Masse zu sein.

Und wie geht es denn nun, dieses abnehmen?
Warum, wenn es so einfach ist, bekommen es so viele nicht hin und warum hilft mir niemand?
Wie ist es denn, wenn man abnimmt und sich Hautlappen bilden die den Körper verunstalten?
Was soll ich denn essen und warum glaubt mir niemand, dass ich nicht satt werde?

Mein ganz persönliches Problem war immer, dass ich das Gefühl hatte, dass der Experte vor mir zwar ganz viel weiß aber selber, da er nie in meiner Situation war, das Ausmaß erfassen kann was es alles heißt, dick oder fett zu sein und wie sich so vieles anfühlt und auch, was alles in diese Thematik hinein spielt.

Denn abzunehmen ist so viel mehr als nur Ernährung und Sport.

Warum also sind Moderatoren zum Thema Abnehmen eigentlich so gut wie nie fett oder waren es zumindest mal?

Das ist doch eine legitime Frage.
Ich erzähle doch auch als langsamster Mensch der Welt, der ich nun einmal bin, nicht Athleten, wie sie am besten sprinten.

Und warum, wenn es darum geht abzunehmen, wird plötzlich alles tabuisiert.

Über fette zu lachen ist okay aber das Wort „fett“ zu sagen ist ja schon fast zu viel des Guten.

Warum also nicht einmal reden über die fiesen Fallen, die unschönen Details, die Dinge, die das Fettsein echt lästig machen und das, was man so Alltag nennt.
Wenn wir über Abnehmen und Verhalten sprechen wollen, dann müssen wir auch ehrlich sein, die Blätter von den Mündern wegnehmen, die Angst vor dem „Fett“ nehmen, Finger in Wunden legen und nicht immer so tun als sei alles entweder mega einfach oder unerreichbar schwer und weit weg.
Warum immer nur Oberfläche.
Und warum so viele Tabus?
Sprechen wir doch also einfach mal über all das, worüber man sonst nur so laut schweigt.

Wir brauchen Offenheit, Ehrlichkeit und vor allem viel Humor.
Und ein kleeein wenig Erfahrung in Sachen Fettsein und abnehmen bringe ich ja mit.

Diese Gedanken teilte ich eines Abends einem Freund beim Essen – klar, wobei auch sonst – mit und er fragte mich, ob ich denn der Meinung sei, dass es jeder irgendwie schaffen kann oder ob es wirklich nur geht, wenn man in ein BootCamp ausgelagert wird, wenn man tausend Trainer und 5000.- im Monat sowie massen an Zeit zur Verfügung hat und ob generell jeder abnehmen, seinen Weg finden und erfolgreich sein kann – ohne Diäten – oder ob das schlicht nicht geht.

Meine Antwort darauf kennt ihr bereits, es war diese hier:

„Wenn ich das kann, dann kann das jeder! Wenn ich faule Sau 160kg abnehmen kann und die restlichen 80kg zu meinem Wunschgewicht in Angriff nehmen kann, dann kann das jeder andere auch. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Es ist keine Hexerei.“

Und er sagte: „Wenn das so ist, dann sollten wir da was machen!“

Aus diesem Gespräch entzündete sich ein Funke der erst zu einer Redaktion führte, als Idee, dann viel Schreibarbeit, dann einer ganzen Ideenschmiede, dann in konkreten Vorschlägen, Bildern, sicher einigen Spinnereien und viel Humor und Energie.

Irgendwann schlugen wir das Format dann vor und heute…
Heute ist Sonntag der 11.05.2014 und morgen um 07:50 beginnt der erste Drehtag zu einem Piloten, der sich im Großen und Ganzen um all das dreht, was ihr hier schon in meinem Blog lesen könnt.
Es geht um das Thema Fett sein, um Diäten und abnehmen, um Erfahrungen und Berichte, Ideale und Lügen, Irrtümer und Fallen, Humor, Leben, Hilfestellungen und ganz viel Energie.

Ich habe das unverschämte Glück, meinen Erfahrungen in Bilder packen zu dürfen und einfach mal aus dem Leben eines fetten Menschen zu berichten der anderen fetten, dicken, pummeligen, fast schlanken, ehemals dicken und allen Menschen, die das sehen wollen sagt, dass 3 Dinge sehr beruhigend sind:

1. Du bist nicht, und zu keiner Zeit allein.
2. Egal wie Deine Lage aussieht, es gibt eine Lösung.

3. Mach dir keine Sorgen, du kannst nicht beschissener aussehen als ich im Badeanzug. 😉

.

Darum wird es also gehen. Und um noch viel mehr.

Mit tollen Protagonisten auf die ich mich jetzt schon total freue.
Mit Meinungen, Erfahrungen und Ideen. Mit Experten und mit hoffentlich viel Sonnenschein.
Und mit einer Moderatorin die über das Fett sein spricht, weil… tja, weil ich mal 340kg wog, jetzt noch immer 180kg wiege und weiß, wie es sich anfühlt ich zu sein, fett zu sein, abzunehmen, Erfolg zu haben, zu scheitern und wie lang der Weg hin zum ersten verlorenen Kilo war.

Ich kann euch noch nicht sagen wann das zu sehen sein wird und ich kann euch auch noch nicht sagen, wo es zu sehen sein wird aber eines kann ich euch sagen:

Ich werde es mit Sicherheit in Großbuchstaben lauthals verkünden!

Und man soll es ja nicht glauben aber ich bin unendlich aufgeregt!

Ganz ganz schlimm.
Aber, so viel sei versprochen, ich werde mein aller Bestes und noch einmal 117% mehr geben, damit das cool wird und ordentlich rockt!

Kinners, wirklich, ich bekomme kaum noch ein Auge zu.
Aber es wird toll und bunt und informativ und sehr ehrlich, offen, frei und hoffentlich auch geistreich.
Und ich habe ein klein wenig Angst denn ich hörte, man würde vor einer Kamera ja immer mindestens 5kg dicker aussehen und mal im Ernst, nachher denkt noch jemand, ich sei fett.

In diesem Sinne:

Ich halte euch auf dem Laufenden. Mit Bildern, Geschichten und Eindrücke der Drehtage.
Und zwischendrin mit dem ganz normalen Wahnsinn aus dem Leben einer fetten Frau.
Mir.

Nicole