Moin Kinners,

ich bin Meisterin der Prokrastination, Göttin der Aufschieberitis!
Seit Wochen schon will ich ganz dringend meinen Kleiderschrank ausmisten.
Also, so dringend wie man eine Wurzelbehandlung will.

Zum einen, weil ich schauen möchte, wie es um meinen Bestand so steht und was denn noch passt oder was in der Kategorie „Zirkuszelt“ so langsam mal aussortiert werden darf und zum anderen, weil seit meiner Kindheit mein Kleiderschrank-System wie folgt aussieht:
Tür auf – Klamotten rein geworfen – Tür zu und ab dem Tag drauf dann darüber ärgern, dass man „hier ja nichts findet in diesem Saftschrank“.
Das mache ich solange, bis ich die Tür nicht mehr vernünftig zuschieben kann oder absolut keine Orientierung mehr habe.

Es gab Zeiten, da habe ich so orientierungslos gegessen wie ich heute meinen Schrank bestücke. Also lieber Unordnung im Kleiderschrank als im Ernährungsplan.

Schritt Eins: Türen auf, alles was ich in dem Schrank vorfinde auf den Boden heraus räumen.
Ganz Hemmungslos. In einem Akt der Lust und Barmherzigkeit mit dem wahnsinnig guten Vorsatz, dass sie nun stirbt, meine Unordnung in diesem Bereich.
Schritt Zwei: Den Haufen betrachten und erst einmal kurz ins Bad oder kurz etwas trinken oder kurz Bloggen, wie jetzt gerade, oder was man halt so alles „mal eben kurz“ machen kann, bis der Tag dann um ist und kein einziges Kleidungsstück seinen Weg in den Schrank zurück fand.
Aktuell schaut es also so aus, als hätte sich mein Schrank in einem schlimmen Anfall von Magen-Darm auf meinen Teppich übergeben.

Dabei möchte ich doch glatt behaupten, ich habe gar nicht so viel anzuziehen und das stimmt sogar, denn seit ich angefangen habe abzunehmen befindet sich mein Kleidervorrat in einem dauerhaften Zustand zwischen „Viel zu groß“ und „Presswurst“.
Und wenn ich es eingehender betrachte muss ich sagen, dass ich extrem gut darin bin, von einer Zwischengröße gleich in die nächste zu rutschen.

Und wo ich hier schon so nett auf meinem Wäscheberg sitze und blogge anstatt zu sortieren, lasst uns über Mode schwadronieren!

Fette Menschen und Mode, das ist bekanntermaßen ein leidiges Thema.

Ich nehme mich davon nicht aus.
Man hat mir mal gesagt, dass etwa 5kg-10kg Gewichtsverlust eine Kleidergröße ausmachen und bei mir kann ich das auch so bestätigen.
Als ich anfing abzunehmen hatte ich eine Kleidergröße, die es in Deutschland meines Wissens nach so gar nicht gibt, nämlich, nach unseren Konfektionsmaßstäben 72-76.
An die Männer die das hier lesen: Das ist ungefähr die Größe eines Iglu-Zeltes.
Aktuell trage ich, je nach Kleidungsstück, eine 56-58, manchmal weniger und auch das ist noch sehr sehr groß!
Ich hatte es vor einiger Zeit sogar schon einmal geschafft, mich unter die 50er Größen zu hungern aber wie das mit dem hungern so ist – eines Tages kommt ein Fass Butter und schleudert einen eine Vorratspackung an JoJos an den Hinterkopf. Also nun lieber langsamer, dafür aber dauerhaft.
Dazu aber mehr in einem späteren Beitrag.

Mit meiner Kleidergröße kann ich gerade so eben und eben von der Stange kaufen. Oder sagen wir, ich könnte von der Stange kaufen, wenn ich denn irgendwas finden würde, dass mir gefällt.
Zugegebenermaßen bin ich vielleicht auch ein schwieriger Einkäufer aber es graut mir einfach schon immer vor diesen „XXL Kollektionen, 2. Stock, hinten rechts, immer dem schlechten Geschmack nach“ Abteilungen.

Nehmen wir kein Blatt vor dem Mund!
Das Vorurteile „Fette sind immer so schlecht angezogen!“ stimmt wie so viele andere Vorurteile leider viel zu oft!
Das geht bei den zu engen Klamotten los und endet bei den viel zu kurzen.
Eine Modesünde nach der anderen flaniert oder rollt die Straße entlang, scheinbar immer auf der Suche nach dem nächsten Klamotten-Fauxpas.

Da sieht man dann die Orange Hosen, zu dem lässigen weißen Shirt mit mint-grüner Westen darüber.
Wer zur Hölle erfand die Westen für fette Frauen?!
Das sieht immer aus als wäre man gerade vom Bock gestiegen um sich nur noch kurz eine Zigarette zu drehen und seinen Truck zu betanken, ehe man wieder auf den HighWay Richtung Missouri muss.
Dreiviertelärmel, damit die dicken Ärmchen auf keinen Fall zu kurz kommen – höchstens zu kurz aussehen.
Gummibandbündchen am Saum die sicherstellen, dass das Oberteil bleibt wo es ist – nämlich unter der Fettschürze eingeklemmt.
„Flippige“ Muster und großzügige Blumen-Bilder sowie BlitziBlingStrassGedönzScheiß ohne Aussage aber mit ganz viel „Jugendlichem Flair“ bei denen ich vor Entzückung auf meine Schuhe kotzen möchte.

Die Liste der Dinge, die man schlicht als fetter Mensch nicht anziehen kann ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben ist lang. Und das nicht, weil es sonst nichts gäbe sondern weil viel zu sehr die Meinung vorherrscht, dicke könnten alles tragen, es muss nur entsprechend groß sein.

Hier ein wichtiger Rat: Das! Ist! Totaler! Mumpitz!

Wir können nicht pauschal alles anziehen, nur weil es in Größe 38 doch auch toll aussieht.
Oder möchte sich hier irgendjemand mal kurz vorstellen, wie ich in einer Daunenjacke, der Kurzen-Party-Federjacke oder dem Bolerojäckchen aussehe?!
Das heißt jedoch noch lange nicht, dass man sich, oder ich mich, nicht vernünftig bis umwerfend kleiden kann.

Nun möchte man ja meinen, dass sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass fette Frauen keine Leggins, schon gar keine gemusterten Leggins tragen sollten genau so wie fette Männer echt noch ein wenig mehr an Kleidung finden als die immer gleiche Jogginghose, die rieseige, aber zu kurze Lederjacke in schwarz oder das irgendwie ein wenig „tight“ sitzende Shirt oder Hemd.
Trotzdem sieht man das immer wieder und ich denke jedes mal:
Hör auf dein verdammtes, eigenes Klischee zu sein Himmelherrgottnochmal…

Auf meiner Top-Six-Liste der Kleidungsstücke, von denen Frauen mit zu viel Speck auf den Hüften, am Hintern und am Bauch die Finger lassen sollten – here we go:

1.
Keine Competition ohne Tasche!

Fette Frau mit winzigem Rucksack.
NEIN! NEIN! NEIN!
Und NEIN! Tut das nicht! Niemals!

Wie sehr ich das hasse. Und jeder von uns, jeder, da wette ich drauf, hat das schon einmal gesehen und mitleidig belächelt.

Wer hat sich das denn ausgedacht?
Abgesehen davon, dass da nichts hinein passt, was einer Tasche schon einmal den Sinn raubt, sieht es aus als hätte die Fette da vorn einen dicken Fleck auf dem Rücken der zusätzlich so schön jeden zu großen Arsch noch unvorteilhaft betont, vor allem dann, wenn so hübsch das T-Shirt hochkräuselt, weil der Rucksackableger gerade dabei ist, den Stoff auf dem Rücken zu fressen.

Und dann sind die auch so gerne niedlich.
Hach ja niedliche, kleine, fitzelige Tasche. Herrlich. Mit Öhrchen am Besten noch oder in der Form eines kleinen Monsters und ganz viel Fell – Dicke sind ja so lustig!
Lasst das! Bitte!
Große Frauen brauchen große Taschen!
Es sieht lächerlich aus wenn das Ding zu winzig ist und hinzu kommt, dass kleine Accessoires oder Kleidungsstücke an fetten Menschen noch kleiner aussehen.

Wir fallen eh auf also bitte, warum denn dann verstecken?
Taschen müssen groß, geräumig, passend zu den Schuhen oder dem Stil oder vollkommen aus der Art geschlagen sein aber sie ist ein Statement.
Dicke Frau mit großer Tasche!
Schmeißt diese winzigen Rucksäcke weg. Und die kleinen Unter-die-Achsel-Klemm Taschen gleich mit. Eine Clutch geht nur, einzig und ausschließlich, zu einem Abendkleid oder Partyoutfit und dann haltet diese in der Hand und nicht an kleinen Bändchen über der dicken Schulter.

2.
Boshaftigkeit in Stoffform, dein Name ist Leggins

Neeeeeein nein nein nein nein… nein!
Nein!
….Nein…
Ne echt nicht.
Also zumindest nicht als alleinstehendes Kleidungsstück.
Und auch sonst eigentlich nicht.
Nein.
Ich weiß nicht, was ich sonst sagen soll ausser: Nein!
Im Winter, wenn es kalt ist, unter einer Hose, Okay.
Oder unter einem längeren Kleidchen auch da vielleicht noch Okay mit dem passenden Schuh dazu. Wobei da jede Strumpfhose mehr aus den Beinen macht
Aber als Hose? Mit einem normalen Oberteil darüber und man sieht bei jedem Schritt den Hintern und die dicken Oberschenkel?
Im Ernst?
Und dann auch noch gemustert oder in der Ausführung „Weltall“ – was ja mein ganz besonderer Lieblingsfavorit ist. Fette Frau mit dicken Schenkeln trägt eine Leggins (!) die knall eng sitzt und auf den Schenkeln spannt sich das Weltall (!).
Finde nur ich das unfreiwillig komisch?

3.
Mode aus dem Katalog:

Wenn etwas in einem Katalog, an einem Model, das gut abgelichtet und perfekt hergerichtet ist, bereits „dick“ oder „schwanger“ aussieht – kauft es nicht, es wird nicht besser werden, wenn man es mit etwas wirklich dickem füllt. Glaubt mir, ich bin den Irrungen und Wirrungen der Modeversprechen von solchen Bildchen schon so oft auf den Leim gegangen, dass ich absolut gar nichts mehr aus einem Katalog oder den einschlägigen, dazugehörigen Onlineshops bestelle.

4.
Wähle deine Waffen, Prinzessin oder Krieger:
Accessoires

Ja! Gerne! Ketten, Schals, Brillen, Schmuck, her damit!
Aber auch hier gilt das Gleiche wie für die Tasche – nicht zu klein!
Eine winzige Kette, schön eng am Hals anliegend oder mein persönlicher Favorit: Kleine Ohrstecker, die sehen dann immer so schön nach „Pickel am Ohrläppchen“ aus.
Sonnenbrillen dürfen und müssen groß sein, zum jeweiligen Gewicht passen und auch noch dann sichtbar sein, wenn sie auf dem Kopf sitzen.

Ich weiß, fette Menschen neigen nur zu oft dazu den Versuch zu unternehmen, sich zu verstecken oder ihre Ausmaße zu verkleinern, indem sie in sich immer kleiner werden, den Kopf einziehen oder eben kleine, niedliche Sachen an sich hängen oder anziehen in der irrwitzigen Annahme, diese Teile würden ein wenig von ihrer Zierlichkeit abgeben an die Person und man würde statt massiv eher schlanker oder niedlicher wirken.

Das Gegenteil ist aber der Fall!
Und zwar immer!
Es sieht nie aus als wäre das niedlich, es sieht, so leid es mir tut, immer nach genau dem aus, was es ist, als hätte man den verzweifelten Versuch unternommen möglichst angepasst oder „zierlich“ zu sein. Und das kann nicht gut wirken.
Wohingegen ein breiter Schal, gerne auch lang zu einem Oberteil welches absolut betonen darf was man hat, mit einer großen Tasche, einer schöne Brille im Haar und nicht zu schmale Armreifen an der rechten und eine Flasche Sekt in der linken Hand gleich viel mehr hermachen. 😉

5.
Ballerinas:

Unheimlich viele fette Frauen lieben Ballerinas, machen wir uns nichts vor, das ist so.
Und ich bin auch eine davon.
Sie sind flach, es gibt sie in tausend Ausführungen, sie sind bequem und irgendwie sind sie ja auch niedlich. (Da haben wir es wieder – niedlich)
Das Problem an den Dingern ist nur oft, dass sie gar nicht mehr so niedlich sind, wenn das „Riemchen“ welches über den Spann des Fußes geht dafür sorgt, dass die Füße zu einem Rollbraten mutieren.
Nicht viel sieht bescheidener aus als Fußfett das über die Schuhe quillt.
Zumal das nicht so sein muss.
Schuhe anprobieren und wenn sie auch nur im Ansatz solche Mätzchen machen SOFORT wieder in den Schrank zurück stellen und sagen „aaaaach, die fand ich eh total hässlich…“

Und zu guter Letzt eines meiner persönlichen High Lights, dessen Sinn mir auf ewig verschlossen bleiben wird:

6.
Gerafftes Bündchen mit Gummizug am Saum von Oberteilen oder Hosen.

Ganz im Ernst, wer auch immer die schneidert für Größen über 48 liegt abends in seinem Atelier und lacht sich tot darüber, dass es Frauen gibt die so bescheuert sind sich die Dinger zu kaufen.
Das kann man machen wenn man die Figur danach hat, wenn man nicht allzu viel kaschieren will weil man es nicht muss, wenn man nicht genau so viel Bauch wie Hintern hat -oder gar mehr- oder wenn man das dringende Bedürfnis hat, als Ballon zum Fasching zu gehen.
Trifft all dies aber nicht zu, betont jeder dieser Kleidungsstücke noch extra den Bauch, die dicken Arme und macht aus jeder Hose einen Alptraum im Knöchelbereich.
Dazu dann noch zu enge Ballerinas und der Tag ist gelaufen.

Aber ich habe gute Nachrichten: Dies ist das 21. Jahrhundert – auch in der Modewelt.
Es gibt viele tolle Sachen, man muss sie nur auch anziehen.
Und man muss sich mal vor den Spiegel stellen und ganz ehrlich mit sich selbst sein um herauszufinden, was ich betont haben will und was nicht.
Dabei soll bitte niemand denken, er müsse alles was er hat verstecken.
Wie bereits beschrieben kann man eh nichts verstecken aber wenn man schon betont, dann doch bitte mit ordentlich Kurven und Konfetti oben drauf.

Deswegen schnallt gern eure Oberweiten hoch, betont den Hintern, lenkt ab wovon ihr ablenken wollt indem ihr in Szene setzt was es in Szene zu setzen gibt.
Seid Wild und Präsent, das schadet nicht, man sieht euch doch eh!
Ihr könnt auf HighHeels laufen? Dann rauf auf die Stelzen!
Du bist ein Kerl und siehst im Anzug Bombe aus? Na bitte!

Mode ist ein leidiges Thema und Mode ist ein wahnsinnig tolles Thema.
Ich liebe Klamotten und heule, obwohl sie der Beleg dafür sind, dass ich abnehme, so manchem Lieblingsstück hinterher. Andere Sachen, ich hatte einst eine ¾ lange Hose in zwei Farben mit passendem ¾ Arm Shirt dazu, würde ich retrospektiv lieber verbrennen.
– Hey, ich schreibe darüber wie Wuchtbrummen in scheiß Klamotten aussehen nicht, weil ich gemein bin und den ShitStorm kaum erwarten kann sondern weil ich selbst jahrelang so aussah und schlicht eine fette Frau bin die sich jeden Tag vor dem Kleiderschrank die gleiche Frage stellt wie Millionen anderer auch.
Ausgerechnet von dem Zwei-Farben-Ding gibt es natürlich ein Foto auf dem ich noch gute 200kg wiege. Klar.
Ich stelle das bei Zeiten mal als Beweis des schlechten Geschmacks hier ein.

Ich hätte gern noch viel mehr Ahnung von Mode und weiß aus eigener Erfahrung, dass zum abnehmen auch dazugehört, sich immer wieder neu zu erfinden und auszuprobieren.
Und das ist gut so.
Ich habe viel experimentiert und oft daneben gegriffen und ich kämpfe ständig mit mir, nicht in alte Modemuster zu verfallen oder alles prinzipiell 2 Nummern zu groß zu kaufen aus der Angst heraus, es könnte anderenfalls nicht passen.
Denn ich kann abnehmen soviel ich will, in meinem Kopf bin ich keinen mm schlanker – aber auch dazu ein andermal mehr.
Ich war eben viel länger arg fett als ich jetzt am abnehmen bin, das prägt.

Dabei schmeicheln mir einige Sachen mehr und andere weniger aber wenn man ein paar Regeln befolgt, dafür sorgt, dass die Kleidung nicht zu kurz oder zu eng oder zu unvorteilhaft -und ganz wichtig: Niemals aus schimmernden, gruseligen Pannesamt- ist, wenn man seine Farbe findet und vielleicht einen Stil der gefällt und sich traut da zu sein, einen Raum einzunehmen und das nicht nur, weil man kaum durch die Tür passt oder „Du weißt, dass du fett bist, wenn du im Kino neben jedem sitzt…“ – Ich liebe diesen Witz!

Mode ist für jeden da.
Und wer verliebt sich nicht gern ab und an in sein eigenes Spiegelbild?!
Zu dick bist du so oder so.
Das ist aber noch lange kein Grund zu glauben, es sei nun sowieso egal wie man aussieht. Das ist es nicht. Das ist es niemals.
Denn du bist schlicht nicht egal.
Also trau dich da zu sein.

Ich kümmere mich jetzt wieder um meinen Kleiderschrank aber vorher, ja, vorher gehe ich „nur eben kurz“ noch einmal ins Bett. 😉

Nicole