Moin Kinners,

Ich werde sehr häufig darauf angesprochen, was ich mache um abzunehmen und wie um alles in der Welt ich das hinbekomme.
Ich hingegen frage mich, wie um alles in der Welt ich es soweit habe kommen lassen können aber das ist ein anderes Thema, welches ein anderes Mal auseinander pflücken werde.
Nebst der Frage, wie ich etwas mache, scheint der Hauptknackpunkt weniger die Frage zu sein, wie man denn nun bitteschön abnimmt, sondern viel mehr, wie man erst einmal – und ab dann immer wieder – den Hintern hoch bekommt und sich motiviert.

Der Satz „Gib mir mal etwas von deiner Motivation ab“ fällt fast genau so oft wie „Verrate mir deine Tricks“.
Ich habe da so meine ganz eigene Technik zu der es allerdings, bevor ich etwas zu meinem Weg sage, ein paar Anmerkungen gibt:

Ich weiß, dass es viele gibt, denen die Art, wie ich mit dem Thema und mir als fetter Frau umgehe, nicht passt.
Ich weiß auch, dass mein Ton gerne mal rau und wenig samt-handschuhig ist.
Aber ich bin nun einmal der Meinung, dass klare Aussagen mehr bringen als Schönrederei und dass man das Kind mal beim Namen nennen muss, auch wenn das ab und zu mal zwickt.

Was mich motiviert und wie ich über mich denke – die für mich wichtigsten Punkte:

Ganz oben steht ein Satz, für den ich einige Jahre gebraucht habe um ihn nicht nur zu sagen sondern auch zu meinen, denn erst dann konnte ich erfolgreich werden:

1. Spieglein Spieglein

Ich liebe mich.
Das klingt banal, ist aber ein ganz großes Ding.
Denn ich bin ein ganz großes Ding!
Und ich will mit 35 keinen Sarg zum Geburtstag.
Und ich will keine Schmerzen.
Und ich bin ein ziemlich geiles Weib und will auch so aussehen.
Schönheit liegt im Auge des Betrachters aber mir geht es nicht darum auszusehen wie andere mich gern hätten sondern mich einfach wohl zu fühlen.
Ob das nun mit 80kg, 120kg oder 160kg ist, ist mir dabei egal.
Darüber hinaus möchte ich gesund sein, mich gut fühlen, beweglich sein.
Scheiss drauf was die Waage sagt – abhängig zu sein von einer Zahl ist unnötig.
Aber wie fühle ich mich?
Wer will ich sein?
Will ich der Versager sein, der seinen Arsch nicht hochbekommt?
Will ich die sein, die es anpackt?
Will ich die sein, die in 2 Jahren sagen kann: Das kann ich eigentlich!?
Will ich die sein, die es rockt?
Das ist doch die Frage!!
Und wichtig ist dabei erst einmal, dass ich mich liebe, mich akzeptiere, dass ich es mit mir ausdiskutiere!
Ich bin fett!
Okay – und nachdem ich das nun aussprechen kann ohne das Gesicht zu verziehen, kann es weiter gehen.

2. Der Biss

Zähne zusammenbeißen und durchhalten.
Ihr könnt euch noch so viel bewegen, noch so viel hungern – wenn ihr an den Punkt kommt, an dem ihr euren Kühlschrank am liebsten flachlegen wollt und dem nachgebt, fangt ihr wieder von vorn an.
Zum abnehmen gehört für mich ganz ganz ganz viel Durchhaltevermögen.
Ich komme von weit über 300kg und bin noch lange nicht am Ende.
Und wann habe ich angefangen? Ende 2008/Anfang 2009 – das heißt, ich habe jetzt gute 4 Jahre dabei und muss noch immer locker flockige 70-80kg verlieren um auch nur in den Normalbereich zu gelangen.
Hinzu kommt, dass es mich ankotzt ständig auf alles achten zu müssen, ständig „nein“ sagen zu müssen, im Schneematsch zum Sport zu stapfen…
…dennoch muss das sein.

3. Die Schweinehummel, das ehrliche Mistvieh

Am Ende ist dies für mich das Wichtigste und auch das Schwerste:
Ich muss es wollen!
Ich muss es machen!
Ich muss es durchhalten!

Bisher hat es immer so – und nur so – funktioniert!
Der Sieg über den eigenen Schweinehund – oder in meinem Fall die eigene Schweinehummel.
Es ist keine Hexerei aber es ist viel Arbeit.
Und wer glaubt, er könne „mal eben“ 50kg abspecken und das muss doch irgendwie einfach gehen dem sei gesagt:
Vergesst es!
Vergesst diesen Blödsinn von wegen „Es muss keine Schokolade sein, ein Apfel ist genau so toll!“
Vergesst „Manchmal muss man einfach dann halt weniger essen…“
Das klingt alles soooo toll aber wenn das so einfach wäre, dann wären wir nicht fett!
Wenn es „Einfach nur ein Apfel“ täte, dann säße hier niemand und würde sich meine Zeilen durchlesen!
Es tut nicht der Apfel, es tut nicht die kleinere Portion, es tut nicht der kleinere Teller, nicht die Kur, nicht das Eiweiß-Pülverchen, nicht die Punkte, nicht zuckerfreie Diät-Limo!

4. Der Wille!

Er ist es!
Er macht!
Er tut!
Er ist das einzige „Heilmittel“.
Äpfel werden nie ein Ersatz sein für Schokolade.
Kohlrabi nie ein Ersatz für Chips.
Wasser nie ein Ersatz für Saft.

Und hier ein kleines Geheimnis: Das ist auch nicht die Aufgabe all dieser Dinge.
Sie sind wie sie sind!
Wir müssen uns verändern!
Wir müssen den Willen haben einen Weg zu gehen, den sich die Meisten nicht einmal trauen anzupacken!
Wir müssen uns im klaren darüber sein, dass wir Schokolade UND Äpfel essen, dass wir alles essen können, was wir wollen, dann aber eben auch verzichten müssen bei anderen Sachen.
Wir müssen eine winzige Kleinigkeit tun, die enorm groß für uns ist:
Hört auf, jeden Scheiß in euch reinzustopfen!
Hört auf, von „Ach, nur noch das eine Stückchen hier!“ zu sabbeln!
Entscheidet euch: Schokolade und den Rest Schweinebraten UND dies und das oder die Schokolade, morgen dann etwas anderes und heute dafür ein gutes Gefühl!

Oder lasst es mich so sagen:
Habt doch endlich mal den Mut und die Eier, gut zu euch selbst zu sein!
Wir haben es in der Hand – Jeden Tag aufs Neue.

5. Der „richtige Moment“ ist immer jetzt.

Jeder von uns sucht den richtigen Moment, den richtigen Grund, den richtigen Auslöser um endlich abzunehmen.
Wir hören jetzt auf damit!
Wir hören jetzt auf herum zu heulen, wie blöd das alles war bisher und das wir ja nichts können.
Wie wäre es, wenn wir unseren Selbstbildern einfach mal nicht mehr erzählen, was für traurige Gestalten wir sind.
Das braucht so viel Energie und darüber hinaus:
Wer genau von euch ist jetzt schlanker weil er zum 100x denkt, er habe tausend Gründe fett zu sein aber nicht einen um es irgendwann einmal nicht mehr zu sein?
Niemand?
Schaut, ich auch nicht.
Merke: Jammern macht nur schlank, wenn man dabei nichts isst. 😉

Kinners, uns steht der Frühling ins Haus!
Spargel!
Erdbeeren!
Sommer!
Draussen sein!
Besser fühlen!
Scheiss auf die Bikinifigur, die erreiche ich eh niemals – aber besser fühlen das ist ein erreichbares Ziel. Morgen früh besser als heute!
In einer Woche besser als morgen!
In 2 Monaten besser als am 01.01…

6. Selbstmitleid macht fett

Schluss jetzt mit den ewig gleichen Ausreden.
Ja, wir sind haben es bis hierhin kommen lassen!

Und jeder von uns hat dafür irgendwie seinen Grund.
Wir wurden verlassen! Wir wurden beworfen! Wir wurden krank! Wir wurden schwerer! Wir wurden trübsinnig! Wir haben jemanden, etwas, uns… verloren!
Das passiert. Das passiert aber auch den schlanken Menschen.
Und das ist schlimm!

Aber fühlt sich irgendjemand von euch besser, wenn er sich dabei obendrein noch fett, unbeweglich und speckig fühlt?
Schaut euch doch mal um!
Wir bekommen alle irgendwie alles gebacken.
Alles geregelt.
Wissen „das wird schon wieder…!“
Sagen es unseren Kindern, Freunden, Männern, Mitmenschen.
Aber wenn es darum geht, dass wir selbst es mit uns „schon wieder hinbekommen…“ dass wir uns backen, dann ist plötzlich Holland in Not und wir grübeln, blasen Trübsal und flennen in unsere Tagebücher, wie schlimm das alles ist, anstatt dafür zu sorgen, dass es morgen nicht mehr ganz so schlimm ist.
Dabei wissen wir doch wie es geht…

7. Weil ich es kann – die kleine Schwester von „weil ich es will“.

Wenn man dauerhaft abnehmen will und nicht am Ende wieder am Anfang stehen will, dann hilft nur konsequentes Handeln. Dann MUSS man widerstehen können, dann muss man lernen, dass es wichtiger ist sich gegen sich selbst durchzusetzen, als den Gelüsten immer nachzugeben.
Man muss aufhören, sich und andere zu bescheißen und zu bemitleiden.
Man muss aufhören, von „unkontrolliert“ und von „kann ich nicht“ zu sprechen!

Solange du atmen, denken und dich bewegen kannst, solange kannst DU Kontrolle ausüben über alles was deinen Abnehmweg betrifft.
Solange du WILLST, solange KANNST du auch!

Und dann, wenn es einmal läuft, ist es oft gar nicht mehr so schwer.
Und dennoch kommen Phasen, in denen es hängt oder sogar rauf geht mit dem Gewicht.
Das ist aber kein Drama also hört – gern zusammen mit mir – endlich auf euch zu bemitleiden und zu bedauern dafür, dass wir irgendwann einmal in unserem Leben irgendwas gänzlich vermasselt haben und deswegen nun mit Kilos kämpfen müssen.
Wichtig ist, dass es dieses Jahr nicht genau so wird.
Und Kinners, das Jahr tickt! Wir haben schon Mitte März…

Wir wissen dass es nicht einfach ist!
Das ist es nie!
Und jedes Mal, wenn man vor einer großen Aufgabe steht, scheint sie uns gerne mal zu groß, manchmal sogar unüberwindbar groß!
Damals der Schulabschluss!
Eine Trennung!
Ein Todesfall!
Ein Verlust!
Ein neuer Job!
Eine neue Wohnung!

Die riesen Herausforderung!

Immer sieht es riesig aus, bläst sich auf und scheint manchmal fast unmöglich zu bewältigen.
Und hinterher, wenn es weniger weh tut, wenn es sich eingelebt hat, wenn man es gepackt hat, wenn es vernarbt ist, wenn man aufgestanden ist, dann schüttelt man den Staub ab, kämmt sich die Haare, rückt sich das Krönchen oder den Colt zurecht und wundert sich manchmal, dass man es doch irgendwie überlebt, gepackt, gerissen, durchgestanden, geschafft hat.

Wir schaffen uns unsere Riesen selbst und der hier heißt „Gewichtsverlust“!
Ja, als ich damals von Ü300kg kam dachte ich auch „oh man, das wird nie was!“
Dann wusste ich irgendwann „oh man, das wird hart“ und heute weiß ich „Oh man, das wird hart, das bleibt hart aber es geht und es wird ja doch was und es fühlt sich soooo gut an!!“

Ihr könnt das Gestern nicht verbiegen und das was vor euch steht scheint enorm – aber es wird weniger.
Jeden Tag an dem ihr Euch die Chance gebt, den Weg einen Schritt kürzer zu machen, ist ein Tag, an dem ihr einen Schritt weiter weg kommt von dem Riesen, der euch da im Weg herum steht.

Und ich verwette meinen dicken Hintern darauf, dass der Riese euch verdammt ähnlich sieht…
Meiner heißt Nicole, ist 31 Jahre alt, hat massig zu viel Fett, blondes Haar und hat keinen Bock mehr hier herumzustehen!

Mädels! Jungs!
Ende des Jahres bin ich schlanker!
Und DU! Du da, der das hier liest und sich fragt, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, der sich fragt, ob das wirklich gehen kann.
Du, der hier das liest und gerade grinst, der dieses Kribbeln im Bauch hat, der plötzlich Bock hat aufzustehen und mal zu schauen, was an Sport rocken würde.
Du, der das hier zu macht, wieder auf macht und denkt…
…“Okay…!“
Du…
Du kommst mit!
Raus aus dem Einheitsbreisumpf!
An den Haaren!
Das tut weh und zieht und nervt und dann steht da noch dieses Riesen Ding rum – aber das ist okay.
Den lassen wir stehen.

Ich! Gehe weiter!
Ich! Mache das, weil ich es will!
Du…
…kommst vielleicht mit!
Raffst dich wieder auf.
Lässt dich an den Haaren ziehen.
Oder am Knöchel oder an der Nase oder am Bauchnabel.

Und Du, Weib, und Du, Kerl, der und die du das hier gerade liest. Pack es an und sei wieder stolz auf Dich!

Mein Weg!
Nach wie vor ist er da und noch immer sehr lang.
Genau jetzt!
Weiter! Immer weiter.
Und ich begrüße jeden, der mitkommt!

Nicole