Moin da draußen!

Passend zur Urlaubszeit berichte ich heute aus der schönen Kategorie:
„Kleine Probleme, die das Fettsein echt lästig machen!“

Flugreisen!

Letztens sollte es mal wieder so sein, dass die zurück zu legende Strecke zufuß eeeeetwas weit gewesen wäre, also habe ich meine Tasche gepackt, die, egal wie groß, irgendwie immer zu klein ist, und bin auf zum Flughafen.
Flughäfen sind merkwürdige Mikroorganismen wenn ihr mich fragt.
Zig tausend Leute wuseln da herum. Meistens in einer Stimmungsmischung aus Panik, Vorfreude und gewohnter Lethargie.
Es werden Koffer getragen, gewuchtet, gerollt, geschoben oder einfach mal umgeschmissen.

Hier versucht jemand „Kuschel“, den netten 70kg schweren Rottweiler in eine Kiste so groß wie eine Bierkiste zu zwängen und dort beschwert sich ein anderer darüber, dass er seine 500ml Dose Holsten nicht mit in den Flieger nehmen darf, während Kinder angeschrien werden, sie sollen „gefäligst bei Oma bleiben“, Männer gesucht und Frauen für Stunden auf dem Klo vermisst werden.

Von der Hektik weitesgehend unbeeindruckt stiefelte wie immer zum Check-In von Air Berlin, der netten Fluggesellschaft meiner Wahl, checkte ein und begab mich auf direkten Weg zur Gepäck-Klamotten- Körperkontrolle.

Das interessante an einem Flughafen ist:
Überall auf der Welt bin ich mittlerweile scheinbar uninteressant was meine Körperform angeht.
Zuminderst im Vergleich zu früher, habe ich mich doch einmal halbiert!
Ich scheine so langsam als fast annehmbar zu gelten.
Überall.
Na ja, zumindest fast überall.
Denn das Vakuum des Hamburger Flughafens, nein, von jedem Flughafen, bildet da eine Ausnahme.
(Das und Kleinstädte – aber dazu in einem anderen Beitrag mehr)

Wenn man als fette Frau, die ich ja nun einmal bin, durch das Flughafengebäude stöckelt, erntet man folgende 2 Blicke:

Obligatorischer Blick Nummer Eins:
„OH MEIN GOTT, WIR WERDEN ALLE STERBEN!

„STERBEN“ kann hierbei auch wahlweise ersetzt werden durch: „NICHT ABHEBEN KÖNNEN“, „VOM HIMMEL FALLEN“, „QUALVOLL STERBEN“!
Man scheint zu glauben, dass die fette Frau dort vorn mit den Absätzen und dem Täschchen dazu beitragen würde, dass sich mindestens mal eine Tragfläche auf Grund der Überlast bei vollem Flug aus heiterem Himmel dazu entschließt, ihren Dienst zu verweigern und einfach abbricht.
So nach dem Motto:
„Ey ne Jungs, echt nicht. Alles was Recht ist, ich hebe schon diesen scheiß 50 Tonnen Flieger hier, da brauche ich nicht auch noch die Fette aus Reihe 17!“
KNACK… und in einem strahlenden Weiß segelt eben diese Tragfläche lautlos hinfort.

Obligatorischer Blick Nummer Zwei:
„DIE SITZT DOCH HOFFENTLICH NICHT NEBEN MIR!

Dieser Blick ist ganz besonders interessant, er beginnt nämlich meist in meiner Handtasche. Man versucht nämlich krampfhaft herauszufinden, indem man versucht einen Blick auf mein Flugticket zu werfen, wohin diese überdimensionierte Frau denn nun fliegt, damit man eventuell doch noch schnell den Flug wechseln kann.
Niemand will neben der dicken Frau sitzen, die – und das ist nun der Alternativblick –
„BOAH, IM LEBEN NICHT IN DIE SITZE PASST!

In Wahrheit ist es so, dass die fette Frau, die gerade überlegt ob es eine gute Idee ist, hier am Flughafen diese vollkommen überteuerte Sonnenbrille zu kaufen, sehr wohl in die Sitze passt, aber das weiß ja keiner.
Man hält meist gebührenden Abstand zu mir.
Das kann an meiner Herrlichkeit liegen, ich vermute aber eher, dass es dieses „OH MEIN GOTT“ – Ding ist.
Ich sehe diese Blicke, ich bin fett, nicht blind.

Das Ganze beginnt immer spätestens dann, wenn das Gepäck aufgegeben wurde und ich mich auf den Weg zur Kontrolle mache.
Denn dann ist es ja amtlich, die Fette wird fliegen und nicht bloß jemanden abholen. Mist!

Das Flugpersonal ist da meist weniger aufgeregt, wenn man mal von den Jungs und Mädels an der Kontrolle absieht.
Die scheinen nämlich immer Angst zu haben, dass man gleich im nächsten Augenblick einen Seitenschneider organisieren muss um mich aus dem „gehen Sie bitte hier durch – PIEP“ – Tor raus zu schneiden.

Wie gesagt, überall nimmt man mich entweder als zu dick oder einigermaßen akzeptabel wahr, in einer Flughafenhalle scheinen sich meine Dimensionen jedoch drastisch zu meinen Ungunsten zu verschlechtern.
Ähnlich wie das Optische Ei-In-Ein-Glas-Wasser-Legen Phänomen.
Ich nehme an, ihr wisst was ich meine.
Vielleicht liegt es auch an der Kerosin-Geschwängerten Luft die das Licht an mir so unvorteilhaft brechen lässt, ich weiß es nicht.

Nun, jedenfalls stelle ich mein Gepäck in dieses tolle Kästchen auf diesem noch tolleren Roll-Laufband und gehe durch das Piepding.
Und wie durch ein Wunder laufe ich einfach hindurch und die Erleichterung auf den Gesichtern der Zoll- und Flughafenkontrollbeamten ist fast spürbar.
„Es ist doch breiter als wir dachten…“
Oder ich vielleicht schmaler als ihr dachtet? Na ja, Details.

Es piept immer wenn ich dort hindurch gehe.
Das weiß ich mittlerweile.
Meine BHs haben Bügel, meine Korsagen sowieso. Warum also die Ohrringe ablegen wenn Betty, die schlecht gebräunte ehemalige Friseurin – Jetzt Sicherheitschefin von Team B in der Mittagsschicht am Hamburger Flughafen – sowieso mit diesem tollen Yamba-Montagspaket-Sounds verursachenden Quietschding ankommt und mich abtastet.

Der schönste Moment ist immer folgender:
Es geht um die Schuhe.
Meine Schuhe haben fast immer Schnallen.
Sie werden also Geräusche machen.
Um das zu checken muss man beide Füße, nacheinander, auf so einen kleinen Schemel stellen.
Und jedes, aber auch wirklich jeeeeeeeeeeedes Mal kommt vorher folgende Frage:
„geht das?“

Ich schaue Betty (oder Debby, oder Carla oder Ursel oder wie die Damen im wechselnden Schichtdienst so heißen) dann immer lächelnd an und antworte:

„Oh! Das sind ganze 7cm oder? (Anm. d. Redaktion, meine Abätze sind höher) Hm, nun, das könnte schwer werden aber wenn ich es nicht schaffe, dann tragen Sie mich einfach da hoch!“

Was ist das für eine Frage? Sehe ich ernsthaft so fett aus dass man mir zutraut ich würde mein Bein keine 7cm heben können?
Oder stampfe ich am Ende so fest zu dass das Höckerchen in Schutt und Asche liegt?

Wie dem auch sei, ich schaffe es meistens gerade eben so ohne größere Anstrengung, nehme mein Handgepäck am Ende entgegen und lustwandle durch den Duty Free Bereich, bis ich mich am Abflugbereich niederlasse auf diese schönen, gepolsterten Bänke.
Dort sitzen einem immer Menschen gegenüber. Menschen, die alle diesen „Die sitzt doch nicht neben mir – oder?“ Blick in den Augen haben.
Ich lächle freundlich zurück und warte ab.

Boarding Time!

Plätze finden. Man muss mich nicht von hinten schieben um mich durch die Reihen zu bekommen, das mag verwundern, aber ich schaffe es auch ganz gut ohne anzuecken, auch wenn die panischen Blicke der Menschen in den Reihen, die ich hinter mir lasse, ahnen lassen, dass man befürchtet ich könne jeden Moment auf sie kippen oder ihren Sitz mitreißen im Vorbeigehen.
Oder liegt es an der Angst vor der Reaktion der Tragflächen?
Ich bin unschlüssig.

Ich habe ja nun abgenommen. Richtig viel.
Ich bin quasi eine Elfe im Vergleich zu früher.
Irgendwas knapp über 170kg sind zwar nicht wenig aber immerhin einiges – und gute 160kg – weniger als noch vor einigen Jahren.
(Ich habe mich einmal selbst abgenommen und bin noch immer fett – tzssss…)
Ich lasse mich in den Sitz fallen. Und ich passe dort rein.
Tragfläche hält auch noch. Geht.
Gut.
Aber…
Aaaaaber…
Dieser verdammte Gurt!
Ist denn das zu fassen?
Ich brauche noch immer eine Gurtverlängerung.
Ich würde nun gerne behaupten, dass Air Berlin die Gurte auf Grund von Sparmaßnamen um 10cm gekürzt hat um Material für Neuanschaffungen zu haben, jedoch befürchte ich, dass das in etwa so klingt wie: „Ich kann nichts dafür dass ich so fett bin, die Gesellschaft ist Schuld, und die Mäcces Werbung und der Bäcker hier unten im Haus und meine Eltern und die Ärzte und…“ Also eben nach Bullshit.

Gurtverlängerung ist das Zauberwort bei Air Berlin – wie eigentlich bei bisher jeder Fluggesellschaft.
Das geht auch immer sehr einfach. Einfach beim einsteigen kurz sagen:

„Guten Tag, mein Name ist Nicole, ich sitze auf Platz 17c und hätte gerne eine Gurtverlängerung!“

Btw.: Gangplatz!! immer einen Gangplatz buchen, mehr Beinfreiheit und sollte man dann doch viel zu breit sein, kann man nach rechts oder links „rüberlappen“. -schönes Wort-
Zwar eckt dann immer die nette Flugbegleiterin (Johannes) mit ihrem Servierwagen an den überlappenden 40kg Fett an aber wenn sie feste schiebt, dann geht das schon. 😉

Normalerweise kommen die Flugbegleiterinnen auch immer recht diskret angehuscht und überreichen einen die Gurtverlängerung, wohl wissend – oder ahnend, dass es vielleicht auch für einen selbst nicht ganz so geil ist, nicht in den Gurt zu passen.
Nicht so dieses Mal!

Ich melde Meinen Gurtverlängerungswunsch auf dem Rückweg an, ernte ein „JA JA, HABEN WIR SCHON GESEHEN“ und werde auf Meinen Platz verwiesen.
Haben wir schon gesehen?!
Oh hah! Man sieht, dass ich nicht in den Gurt passe. Das ist erschreckend.
Nicht verwunderlich, aber erschreckend.
Wäre das nicht eh schon längst der Fall, hätte ich in dem Moment eine handfeste Essstörung entwickelt.

Ich warte auf Meine Gurtverlängerung.
Und sie kommt.
Auffälliger als ein grünes Schwein in einem Nonnenkloster.
Toll.
Die Dame von eben kommt angestöckelt und überreicht mir feierlich, das Gesicht zur Faust geballt, mit nicht zu überhörenden Worten: „Ihre Gurtverlängerung – FUCHTEL – bitteschön!“ eben diese genannte Gurtverlängerung.
Herrlich!
Air Berlin hat sich da übrigens etwas ganz tolles einfallen lassen, sie haben die Farbe der Gurtverlängerungen gewechselt.
Die Originalgurte an jedem Sitz sind rot, die Verlängerungen waren es ursprünglich auch, sind nun aber nur noch in einem modischen schwarz zu haben.
Sicher, Schwarz macht ja schlank, allerdings sieht nun schön jeder, der es sehen will, dass dieser Gurt auch auf Sicher verlängert ist.
Danke, Air Berlin!

Aus irgendeinem Grund haben zwar immer alle Angst, dass ich neben ihnen nicht in den Sitz passe und dann derart weit über die Lehne schwabbel, dass sie keine Luft mehr bekommen, aber für die Gurtverlängerung bekam ich bisher kaum dumme Blicke.
Woran das wohl liegt?
Es ist mir ein Rätsel.

Aaaaaaaach enttäuschend. Nicht die Leute sondern die Tatsache, dass zwischen dem letzten und dem aktuellen Flug über 20kg Gewichtsverlust liegen und ich dennoch diese modisch, schlanke Gurtverlängerung brauche.
Ich erwarte sehnsüchtig den Tag an dem ich den Gurt einfach so zubekomme.

Auf dem Hinflug war ich ja noch vollkommen optimistisch. Pflanzte mich in den Sitzt, nahm, erfüllt von tiefer Überzeugung, die beiden Gurtenden, zog sie über meinen Bauch und stellte fest: Die sind kürzer geworden.
Na, nicht schlimm, gebe ich halt noch etwas Material zu.
Hmmmm, die sind schon am Anschlag und nicht weiter verstellbar…
…naaaa guuuut, dann tippen wir doch mal den Mann da an, welcher der Dame in der Reihe neben Mir so nett die Funktion der Kotztüten erklärt – im Übrigen würden mir Menschen mit nervösen Magen beim fliegen mehr Sorgen machen als eine fette Frau – und bitten ihn um eine Gurtverlängerung.

Wir sind nicht abgestürzt. Weder auf dem Hin- noch auf dem Rückflug.
Das war sicher dem glücklichen Umstand geschuldet, dass beide Flieger nicht vollkommen besetzt waren, ansonsten hätten wir kaum den Boden verlassen können.

Ich werde wieder fliegen. Als immer noch Fette, aber bis dahin schon schlankere Frau und hoffen, dass dann der Gurt passt.
Das motiviert mich!
Diese Demütigung die so ein blöder Gurt mit sich bringt motiviert mich derart, dass ich fest vor habe, irgendwann in diesen verdammten Gurt zu passen, ohne irgendwelche Hindernisse!
10cm fehlen da noch, locker.
Und ich könnte schwören, dass es beim letzten Flug auch schon 10cm waren.
Nehme ich nur an den Knöcheln und im Gesicht ab?
Vielleicht sollte ich meinen Kopf anschnallen beim nächsten Mal.

Das könnte auch erklären, warum Menschen, die mich ewig nicht gesehen haben so gut wie immer folgendes sagen:
„Du hast abgenommen oder?“
Hey, ich war ein Wal, was für eine Frage ist das denn?
„Sieht man…“ Und nun kommt’s
„Dein Gesicht ist schmaler!“
TILT!
Mein Gesicht ist schmaler?
Mein Gesicht?
Was ist mit meinem Arsch, meinem Bauch, den Beinen… na allem halt?
Mein Gesicht!
Leck!
Das passiert immer. Ich strample mir 10kg in 6 Wochen runter und meine Oma sagt: „Dirn, im Gesicht sieht man es, das ist viel schmaler!“.
Ich verliere 1m an Umfang aber Hauptsache mein Gesicht ist schmaler.

Nun, der Gurt scheint es zu beweisen. Entweder kann ich 10cm nicht einschätzen oder ich habe wirklich 170kg im Gesicht abgenommen.
Ich grüble noch.

Die Quintessenz des Ganzen:
Besser:
Fliegen ist unkomplizierter. Viel leichter. Ohne Schmerzen. Ohne Abschnürungen an den Beinen weil man (wie damals) wirklich nicht in die Sitze passt.

Gleichbleibend dämlich:
Ich kann mich noch immer nicht so ohne Weiteres anschnallen und dieses Tischchen kann ich nicht runter klappen.
Diese Tische!!

Und da war doch noch etwas mit den Sitzen:
Nein, ich dementiere nun nicht dass ich in die Sitze passe, es passt, aber ich bin ein wenig zusammengedrückt.
Beine zusammen, Bauch raus. WÖLB!
Die Sitze sind recht Schmal, nach vorn ist auch nur wenig Platz, sowie für den Bauch als auch für die Beine. Die Lehnen drücken mich zwangsläufig zusammen.

Und das zusammengedrückte Fett muss dann ja irgendwo hin. Nach vorn, klar, denn hinten ist ja die Lehne. Immer wieder ein entzückender Anblick meiner Selbst.

Es wäre mir natürlich lieber wenn ich plötzlich SO viel Holz vor der Hütte hätte anstatt eines Bauch’s, der für drei langt, aber man kann ja nicht alles haben.
Ich sehe in diesen Sitzen immer ein wenig so aus, als hätte man einen Ballon in einen Würfel gedrückt.
Einen sehr großen Ballon in einen sehr kleinen Würfel.

Es gibt also noch viel ab zu specken.
Gut zu wissen.
Fies zu wissen.
Na Hauptsache ich weiß es.

Projekt In-den-Gurt-passen-und-dabei-den-Tisch-herunterklappen-können ist also somit angelaufen und bis dahin ist noch einiges zu tun – packen wir es an.

Nicole